2011_12_20

Bild: Wiebke Dockhorn

Aktuelles Thema

Taufen von Flüchtlingen, Evangelische Zeitung 10. Juli 2016

Immer wieder gibt es jetzt Taufen von geflüchteten Menschen, besonders solchen aus dem Iran oder Afghanistan. Das wird öffentlich breit wahrgenommen und diskutiert, teilweise auch kritisch.

Für mich ist klar: Wir begegnen jedem, der zu uns kommt, in Nächstenliebe sowie mit Respekt für seine Religion und Weltanschauung, sofern sie sich in die Grundwerte unserer Gesellschaft einfügt. Mit Muslimen suchen wir Begegnung und Dialog im Geist der Toleranz. Wir vereinnahmen Menschen anderer Religion nicht und drängen unseren Glauben niemandem auf. Aber wir verschweigen das Zeugnis von Christus auch nicht, wir sagen, woran wir glauben und was unsere christliche Gemeinschaft ausmacht.

So nehmen wir auch den Wunsch ernst, unseren Glauben kennen zu lernen, sich taufen zu lassen und Mitglied unserer Kirche zu werden. Natürlich braucht es dafür eine gründliche Vorbereitung. Dafür gibt es EKD-weit verabredete Standards und gute Materialien, die in den christlichen Glauben hineinführen. Die Iraner-Seelsorge unserer Kirche, die es schon seit Jahrzehnten gibt, unterstützt gern.

„Freude und Verantwortung“ – so die EKD-Broschüre – sind angezeigt, wo Flüchtlinge sich taufen lassen möchten. Ja, es ist für mich eine Freude, wo Menschen zu Christus finden, wo sie die befreiende Kraft des Evangeliums erfahren und christliche Gemeinschaft als Heimat und Unterstützung erleben.

Zur Verantwortung gehört es, auch auf die Gefahren eines Übertritts hinzuweisen, die leider in einigen islamischen Ländern groß sind. Das ist schlimm. Nach der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gehört es zu den Grundrechten jedes Menschen, die eigene Religion frei zu wählen und auch zu wechseln.  

Zur Verantwortung gehören auch die Integration und Begleitung derer, die in unsere Kirche hineingetauft werden. Wo finden sie Heimat in der Gemeinde? Welche Unterstützung brauchen sie? Ich glaube, durch neue Glaubensgeschwister werden sich manche Gemeinden verändern – und das wird uns gut tun, weil unsere Kirche durch sie bunter und lebendiger wird.

Landessuperintendent Dr. Hans Christian Brandy

Ostern - Ein Fest des Lebens

Mit einem Entenei in der Hand beeindruckte einst Katharina von Alexandrien den damals mächtigsten Mann der Welt. Der römische Kaiser Maxentius hatte ihr eine anscheinend unlösbare Aufgabe gestellt: Sie solle ihm einen Stein bringen, der lebendig werde. Dann erst werde er ihr glauben, was sie ihm von Jesus von Nazareth und seiner Auferstehung von den Toten erzählt habe.
Da Katharina nicht nur gläubig, sondern auch schlau war (was immer eine gute Kombination ist), kam sie auf eine Idee: Sie nahm ein fast ausgebrütetes Entenei und hielt es dem Kaiser entgegen. Es sah aus wie ein Stein, doch einen Moment später bröckelte die Schale und ein Küken begann, aus dem Ei zu schlüpfen. „Scheinbar tot – und doch der Beginn von neuem Leben“, sagte Katharina. Noch lange erzählte man sich, wie nachdenklich der Kaiser durch dieses Beispiel geworden war.

Eine schöne Legende, die zu erklären versucht, warum es das Osterei gibt. Und was dieses Ei eigentlich mit der christlichen Botschaft zu tun hat, mit der Auferstehung Jesu von den Toten: Das Osterei als Symbol der Auferstehung, als Zeichen dafür, dass Gott neues Leben schenkt. Auch wenn alles scheinbar dagegen spricht.

Bei den russisch-orthodoxen Christen ist Ostern nicht nur das wichtigste Fest im Jahr, sondern die Familien gehen am Ostersonntag auf den Friedhof, trinken und essen am Grab ihrer Verstorbenen. Es soll dort sehr festlich, aber auch richtig fröhlich zugehen. Denn an den Gräbern der Familie wird gefeiert, dass das Leben über den Tod siegt. Mit einem heißen Tee, gefärbten Eiern, frischem Brot - und  auch dem einen oder anderen Glas Wodka. Ein Prost auf das Leben!

Auch bei uns gibt es Osterfeiern auf den Friedhöfen. Dort wo getrauert wird, ist es an Ostern zuerst zu hören: „Fürchtet euch nicht! Christus ist auferstanden!“ Das ist ein gutes Bild für Ostern.

Ostern ist die grandiose Botschaft, dass der Tod nicht das letzte Wort behält und mit ihm alle Kräfte, die uns belasten und zerstören wollen. Auch wo uns Steine auf der Seele liegen. Gott kann sie wegrollen wie den Stein vor dem Grab Jesu. Auch wo das Leben mal hart erscheint wie ein Stein: Im Licht von Ostern kann das aufbrechen und neues Leben entstehen.

Selbst wenn es uns vielleicht nicht bewusst ist: Mit jedem Osterei, das wir verschenken oder an einen Frühlingszweig hängen, geben wir auch eine Botschaft weiter: Ostern ist das Fest des Lebens. Gott hat die Gewalt des Todes zerstört und schenkt neues Leben. So transportiert auch jedes Ei diese Ermutigung: Auf neue Wege ins Leben in allen steinhart festgefahrenen Situationen, in denen es nicht mehr weiter zu gehen scheint. Und auf Hoffnung auf Leben in Gottes Hand in Zeit und Ewigkeit.

Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, ein gesegnetes und fröhliches Osterfest - mit einer Ahnung vom unbesiegbaren Leben.

Landessuperintendent
Dr. Hans Christian Brandy, Stade

Meine Meinung, Evangelische Zeitung, 5. Februar 2016 - "Ringen um Wahrheit"

Im Bereich der pietistisch geprägten Christen herrscht Aufregung. Von Spaltung ist die Rede. Der Präses des Gnadauer Verbandes, Michael Diener, ist in die Kritik geraten, besonders nach zwei Interviews, in denen er behutsam öffnende Positionen vertrat.

In einem Offenen Brief hat Ulrich Parzany Präses Diener kritisiert und zu einem neuen „Netzwerk Bibel und Bekenntnis“ aufgerufen. 65 Repräsentanten der Evangelikalen Bewegung monieren jetzt, „in den evangelischen Kirchen werde die Grundlagen des Glaubens zunehmend demontiert“. Gnadauer Verband und Evangelische Allianz werden zu kritischer Stellungnahme gedrängt, die „Verwerfung falscher Lehren“ wird gefordert.

In der Sache geht es vor allem ums Schriftverständnis. Die absolute Eindeutigkeit der Schrift wird eingeklagt. Die Frage ist nur, ob damit nicht vor allem eigene Positionen zementiert werden. Ja, die Eindeutigkeit der Schrift, die uns auf Christus allein verweist, sie gehört zu den Grundüberzeugungen der Reformation.

Daran zu erinnern ist wichtig. Aber diese Eindeutigkeit gibt es doch immer nur im Ringen um das sachgemäße, das christusgemäße Verständnis der Schrift. Das ist in pietistischen Kreisen nicht anders als in den Landeskirchen. Dieses Ringen brauchen wir, und dabei darf und wird es unterschiedliche Positionen geben. Hier neue Verwerfungen auszusprechen, gerade beim bewährten „Symbolthema“ der Homosexualität, ist kontraproduktiv.

Ich habe großen Respekt vor Präses Diener und seinem Bemühen, die „fromme Szene“ zeitgemäß zu leiten und ihre Stimme in der EKD einzubringen. Er hat jetzt sogar um Entschuldigung gebeten, wo er mit seinen Positionen Menschen verletzt hat. Das finde ich honorig. Ich wünsche mir, dass er breite Unterstützung bekommt.

Unsere Kirchen brauchen die pietistisch geprägten Christen. Wir brauchen Menschen, die für ein klares Christuszeugnis einstehen, für eine missionarische Kirche, die um die Kraft des Gebetes wissen. Wir brauchen auch Christen, die in den Volkskirchen zum Ringen um die Wahrheit des Evangeliums rufen. Eine Welt, die immer weniger vom Evangelium weiß, braucht ein gemeinsames Zeugnis aller Christen. Was nicht hilfreich ist, sind Spaltungen, Ausgrenzungen und Verurteilungen innerhalb des Protestantismus.

Landessuperintendent Dr. Hans Christian Brandy
 

Meine Meinung, Evangelische Zeitung, November 2015

Es ist einzigartig, was wir durch den Zustrom von Flüchtlingen derzeit erleben. Einzigartig ist auch die Hilfe. Mitarbeitende in Kommunen und Hilfsorganisationen, vor allem ungezählte Ehrenamtliche leisten Großartiges. Da gibt es viel Spontaneität und Improvisation, und das ist nötig. Oft, so höre ich immer wieder, ist unsere Bürokratie hinderlich; da müssen wir rasch flexibler werden. Spontane und großherzige Hilfe für Menschen in Not ist jetzt nötig. Jesu Wort im Evangelium des kommenden Sonntags ist deutlich: „Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen“ (Mt 25,43).

Aber: Vielen macht es Sorgen, dass die Dinge im Moment ungeordnet, bisweilen chaotisch laufen. Das gilt etwa für die Steuerung der Zuwanderung, für Verteilung und Registrierung von Flüchtlingen oder die Dauer von Verfahren. Auch allzu disparate Äußerungen der politisch Verantwortlichen schwächen das nötige Vertrauen in die staatliche Ordnung. An vielen (nicht an allen) Stellen verstehe ich gut, dass es schwer ist, zu geordneten Abläufen zu kommen. Aber es ist jetzt dringend nötig, dass geordnete politische Steuerung klar erkennbar wird. Sonst können Sorgen und Fragen der Bevölkerung in Angst und Ablehnung umschlagen.

Der Leitende Bischof der VELKD, Landesbischof Ulrich, hat letzte Woche in seinem Bericht vor der Generalsynode auf den unverzichtbaren Zusammenhang von Freiheit und Ordnung hingewiesen. Gerade das Zusammenbrechen jeder staatlichen Ordnung in ihren Heimatstaaten ist ja der Grund für Elend und Flucht so vieler Menschen. Ordnung, die Menschen und ihre Lebensvollzüge schützt, ist ein hoher Wert. Dabei gehören Liebe und Ordnung zwingend zusammen. Beide brauchen wir in diesen Tagen. „Ordnung ohne Liebe wird herzlos. Aber Liebe ohne Ordnung läuft Gefahr, Menschen schutzlos zu machen“, so Bischof Ulrich. Wir brauchen bestimmt kein „Law and order“, aber eine lebensförderliche Ordnung, für die auch christliche Ethik steht: Unser „Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens.“ (1. Kor 14,33)

Landessuperintendent Dr. Hans Christian Brandy

 

Andacht zur Jahreslosung 2016:

Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ (Jesaja 66,13)

Ich war zu schnell gelaufen, war heftig gestürzt und hatte mir kräftig das Knie aufgeschlagen. Meine Mutter nahm mich auf den Schoß und tröstete mich. Ein Urbild des Trostes für mich.

Was geschieht hier? Das Knie ist nicht besser, es blutet und muss verbunden werden. Und doch ist beinahe alles gut durch den mütterlichen Trost. Ist das Vertröstung - die berüchtigte? Sind Tröstungen „wohlfeile Arzneien“? Hat Friedrich Dürrenmatt recht: „Wenn ich Trost gebe, lüge ich; dann beruhige ich, und das ist falsch“?

Aber was sollte falsch sein, ein weinendes Kind zu trösten oder Trauernden beizustehen? Wichtig ist, dass jemand da ist in der Not. So wird die innere Verletzung gelindert, gestillt, geheilt vielleicht gar. Und so entsteht Kraft, den äußeren Wunden Stand zu halten.

Gewiss, es gibt billigen Trost. „Alles wird gut“, „Ist doch nicht so schlimm“, „Reiß dich zusammen.“ Sätze, die so gesagt werden, manchmal aus Hilflosigkeit. Gut gemeint, aber sie helfen nicht.

Und doch: Ohne Trost kann keiner den Nöten und Herausforderungen des Lebens standhalten. Der Trost der Mutter ist wahr. Und der Trost Gottes auch. Durch ihn bekommen Menschen neue Kraft. Der Gott der Bibel ist „ein Gott des Trostes“, wie Paulus sagt (Römer 15,5). Das wird am intensivsten sichtbar, wenn Jesus Christus unser aller Traurigkeit und Trostlosigkeit selbst erleidet – und sie überwindet. So gilt: Es gibt keine Traurigkeit, in der Gott nicht an unserer Seite ist. Für Christenmenschen der tiefste Grund allen Trostes.

Es ist bemerkenswert: Die Bibel gebraucht für diesen Trost Gottes weibliche Bilder: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. Gewiss ein Bild. Gott ist nicht Mann und nicht Frau. Aber wir Menschen brauchen Bilder,  denn wir sind sinnliche Wesen. Unser Herz empfindet, denkt und träumt in Bildern.

Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. Für Israel war dieses Bild ein starkes Hoffnungsbild. Es hatte eine Katastrophe erlebt: Feindliche Eroberung, Vertreibung und Exil: „An den Wassern Babylons saßen wir und weinten“, heißt es über diese bedrückende Zeit im Psalm 137. In diese Situation der Tränen hinein spricht Jesaja ihnen zu: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.

Wahrer Trost nimmt das Leid ernst. Er kann es damit nicht aufheben. Der Trost nimmt das Leiden nicht fort. Aber Trost kann dem Leiden das Lähmende nehmen, das Zerstörerische. Damit kann er Kraft geben, das Unabwendbare zu tragen. Und die Freiheit, das Veränderbare anzupacken. Der Trost Gottes, der uns tröstet wie eine Mutter, ist nicht Beschwichtigung, sondern Stärkung und Ermutigung.

Solch heilsamen Trost, der befreit und trägt, wünsche ich Ihnen am Beginn des neuen Jahres 2016!

Es grüßt Sie herzlich

Ihr

Hans Christian Brandy
Landessuperintendent für den Sprengel Stade

 

Netzwerk kirchliche Hilfe

„Die Welt ist aus den Fugen“ lautete beim Kirchentag eine Veranstaltung. Eine kaum noch überschaubare Zahl an Großproblemen macht uns zu schaffen, von der Ukraine über den mittleren Osten bis nach Griechenland und zu dem wachsenden Rechtsradikalismus in Europa. Eine Journalistin äußerte sich besonders beeindruckt darüber, dass gestandene Politiker wie Kofi Annan und Frank-Walter Steinmeier offen eingestanden: „Wir haben eigentlich keine Lösungen mehr“.

Viele Probleme bündeln sich derzeit in der Flüchtlingsproblematik. Wir haben die weltweit höchste Zahl von Flüchtlingen seit dem II. Weltkrieg. In diesem Jahr werden so viele zu uns kommen wie seit Jahrzehnten nicht – und trotzdem werden Ungezählte abgewiesen oder schaffen den Weg hierher nicht.

Natürlich müssen wir uns als Kirche klar zu Wort melden. Sicher kann und muss unser Land (und Europa allemal) noch mehr tun als bisher. Aber wir sollten nicht so tun, als wüssten wir eine generelle Lösung. Da sollten wir uns auch nicht durch wohlfeile Apelle auf die Seite der „Guten“ stellen.

Ich erinnere mich an Dietrich Bonhoeffer: „Unser Christsein wird heute nur in zweierlei bestehen: im Beten und im Tun des Gerechten unter den Menschen.” Beides sollten wir sehr ernst nehmen in diesen Tagen.
Bei einem Europatreffen des Lutherischen Weltbundes vor wenigen Wochen wurde uns eindrücklich berichtet von der Flüchtlingsarbeit des LWB. Er ist einer der größten Partnerorganisationen der UN und kümmert sich mit professionellem Know-how und aus dem Glauben gespeister Kraft um weltweit 1,5 Millionen Flüchtlinge.

Auch bei uns engagieren sich an ungezählten Orten Gemeinden praktisch für Flüchtlinge, öffnen die Gemeindehäuser, leisten Alltagshilfe und niederschwelligen Sprachunterricht.

Das Engagement der einzelnen Gemeinde bei uns gehört in das Netzwerk einer weltweiten kirchlichen Hilfe. Das ist für mich ein bewegender Gedanke. Ein Netzwerk für Menschen auf der Flucht im Gebet und in der praktischen Hilfe weltweit und vor Ort – das ist sehr viel, was wir tun können.

Dr. Hans Christian Brandy, Landessuperintendent im Sprengel Stade

Olympia

Hamburg ist Deutschlands Kandidat für die Olympischen Spiele 2024. Ich finde das großartig. Es ist eine riesige Chance für unser Land, besonders aber für Hamburg und auch für die angrenzenden Regionen.

Ich sehe das auch auf dem Hintergrund der unsäglichen Vorgänge um die Fußball-WM 2022. Für einen Sportfreund ist ja kaum zu ertragen, wie der Fußball hier seine Seele verkauft hat, wie offenkundig sportwidrige Kriterien zur Vergabe der WM nach Katar und jetzt zur Verlegung in die Adventszeit geführt haben. Kaum fassbar, dass die starken Verbände und mächtigen Vereine das mit sich machen lassen – nun wieder gegen eine ordentliche Stange Geld. Diese WM findet im falschen Land und zur falschen Zeit statt.

Da bietet Olympia 2024 ganz andere Chancen. Hoffentlich wird sie das IOC - dessen Verhalten in letzter Zeit auch nicht über alle Zweifel erhaben war - durch eine transparente und faire Vergabe nützen. Hoffentlich steht es dabei zu seiner auf ökologische Nachhaltigkeit und finanzielles Maß ausgerichteten „Agenda 2020“.

Natürlich sind in Hamburg noch viele Fragen zu klären im Blick auf eine verlässliche Finanzierung und eine wirkliche Nachhaltigkeit des Projektes. Damit will Hamburg ja punkten. Ich finde das Konzept einer Konzentration der olympischen Stätten auf einer Insel mitten in der Elbe faszinierend. Die olympischen Spiele sind eine großartige Chance zur Weiterentwicklung der Stadt und der Großregion. Wer wie ich südlich der Elbe lebt, weiß, eine wie unzeitgemäße Barriere der Fluss noch immer ist. Der mit Olympia geplante weitere „Schritt über die Elbe“ kann da nur gut tun zu einer nachhaltigen Weiterentwicklung der Infrastruktur.

Menschen brauchen Ziele. Olympische Spiele sind ein wunderbares gemeinsames Ziel, das viele zusammenführen und begeistern kann. Schon der am Ende einstimmige Beschluss für Hamburg zeigt das. Ich wünsche mir sehr, dass sich in und um Hamburg Menschen aus aller Welt zu einem bunten und toleranten Fest des Sports treffen werden.

Landessuperintendent Dr. Hans Christian Brandy

Flüchtlinge

Auf eine Bereisung zur Situation von Flüchtlingen hatte ich mich begeben. Und hörte bewegende Geschichten. Von grausamer Verfolgung in Syrien – manche tragen die Spuren der Gewalt sichtbar am Leib. Von Familien, die zerrissen sind und Angst um ihre Angehörigen haben. Die Sprachprobleme sind gewaltig: Wo ein Dolmetscher fehlt, muss helfen, wer schon etwas Deutsch kann.

Natürlich gibt es auch Vorbehalte in der Bevölkerung. Aber im Ganzen ist die Offenheit zurzeit doch beachtlich. Ich habe viel großartige Hilfsbereitschaft erlebt. Gerade im ländlichen Bereich organisieren Vereine, Kirchengemeinden und Kommunen gemeinsam Hilfe, um die Flüchtlinge im Alltag zu begleiten. Das ist nötig. Genauso wie möglichst früh Deutschkurse für alle und sinnvolle Beschäftigungsmöglichkeiten, um Anschluss an das Leben bei uns zu gewinnen – gerade auf dem Dorf. Hier haben Kirchengemeinden und Kirchenkreise gute Möglichkeiten ehrenamtlicher Unterstützung, die vielfach ja schon genutzt werden. Froh bin ich auch, dass die hannoversche Landessynode im November weitere finanzielle Hilfe beraten und voraussichtlich beschließen wird.

Natürlich stehen hinter der persönlichen Not der Menschen komplexe politische Fragen. Nicht alle können bei uns bleiben, da sind raschere Verfahren nötig. Das Dublin-System funktioniert nicht, hier braucht es auf EU-Ebene neue Regelungen. Was mir besonders auffiel: Die meisten der Flüchtlinge erzählten von abenteuerlichen Fluchtgeschichten. Über das Mittelmeer, mit all den irrsinnigen Risiken. Mehrere berichteten, sie seien unter der Ladung von LKWs nach Deutschland geschmuggelt worden. Es kann doch nicht so bleiben, dass so viele Menschen nur unter Lebensgefahr oder illegal zu uns kommen. Gerade für Flüchtlinge aus den Ländern, in denen die Gefahr für Leib und Leben evident ist, brauchen wir breitere Kontingente einer sicheren und legalen Einreise und Ansiedlung bei uns und in Europa.

Hans Christian Brandy, Landessuperintendent in Stade, November 2014

Ökumene - Gemeinsame Freude

„Wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle anderen mit ihm“ (1. Kor 12,26). Dieser Satz des Paulus gilt auch in der Ökumene. Das lutherisch-katholische Dokument „Vom Konflikt zur Gemeinschaft“ stellt unter diesem Wort die „gemeinsame Freude am Evangelium“ im Blick auf 2017 heraus.

Bei der Tagung der Evangelisch-Katholischen Gebietskommission Norddeutschlands in der vergangenen Woche wurde dies deutlich: Freude können auch Katholiken empfinden im Blick auf die Wiederentdeckung des Evangeliums in der Reformationszeit. Zwar wiesen die katholischen Geschwister zu Recht auch auf die Verletzungen hin, die die Konfessionen einander zugefügt haben. Deutlich aber wurde, dass es auch aus ihrer Sicht gute Gründe gibt, sich im Jahr 2017 gemeinsam zu freuen und zu danken.

Umgekehrt war es spannend, die Berichte der katholischen Geschwister ein Jahr nach Amtsantritt des neuen Paps­tes zu hören. Von einem neuen Klima erzählten sie, von Befreiungsgefühlen, einer neuen Dialogkultur. Sie spüren schon heute Veränderungen und erwarten noch deutlich mehr. Es war eine Freude, die Freude der katholischen Schwestern und Brüder zu erleben.

Natürlich sind wir Protestanten derzeit noch etwas abwartend: Wird es zu wirklichen Veränderungen, zu Öffnungen in der Ökumene kommen, auf die viele so dringend warten? Da muss man ja tatsächlich weiter gespannt sein. Mir scheint aber: Ein wenig mehr dürfen wir uns mit den katholischen Geschwistern ruhig freuen.

Das gilt allemal, weil wir in Niedersachsen ohnehin schon günstige Bedingungen haben. Etwa der erfolgreiche konfessionell-kooperative Religionsunterricht oder das gemeinsame missionarische Reformprojekt „Kirche²“ sind anderswo alles andere als selbstverständlich. Da sind wir gemeinsam gut auf dem Weg. So ist spannend, was ökumenisch noch möglich sein wird, in einem Geist geteilter Freude am Evangelium und an dem, was bei den ökumenischen Geschwistern gut ist.

Hans Christian Brandy, April 2014
 

Andacht zur Jahreslosung 2014 von Landessuperintendent Dr. Hans Christian Brandy

„Gott nahe zu sein ist mein Glück“ Psalm 73,28

Wer möchte nicht glücklich sein, jedenfalls ab und an? Glück sucht jeder Mensch in seinem Leben. Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung erklärte das „Streben nach Glück“ sogar zum Grundrecht jedes Menschen. Von den griechischen Philosophen bis zum modernen Schlager wird das Glück bedacht und besungen.

Wie ist Glück aber zu finden? Rabbi Chajjim pflegte zu sagen: „Die meisten Menschen reisen hin und her, immer im Kreis herum, auf der Suche nach Glück und der Jagd nach Reichtum. Sie sind ent-täuscht, wenn sie weder das eine noch das andere finden. Vielleicht wäre es besser, wenn sie einmal anhielten und dem Glück erlaubten, sie dort zu finden, wo sie sind.“

Glück zu finden könnte also mit Innehalten zu tun haben. Mit Stille und mit Bewusstheit. Ja, das kenne ich aus meinem Leben. Nehme ich mir die Zeit, das wahrzunehmen, was mich glücklich macht? Die Liebe zu einem Menschen, ein Sonnenuntergang auf der Fahrt durch unser Land, ein Musikstück, das mich anrührt, eine gelungene Begegnung in einer Gemeinde. Glück ist ja schwerlich ein Dauerzustand – lasse ich den Augenblicken des Glücks Zeit, mich zu finden?

„Gott nahe zu sein ist mein Glück, sagt die Jahreslosung. Nähe entsteht dort, wo Begegnung geschieht. Im Psalm 73, aus dem die Jahreslosung stammt, buchstabiert der Beter diese Nähe zu Gott durch. Auf der dunklen Folie von Zweifel, Bitterkeit und Anfechtung begegnet er Gott. So wie es bei einem guten Freund ist, der sich in den schweren Zeiten des Lebens als verlässlich und treu erweist.

„Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte“. So hat Martin Luther diesen Vers übersetzt. Die ökumenische Einheitsübersetzung spricht hier von „Glück“.

Gottes Nähe – mein Glück. Dann wäre das Glück da, wo ich mich im Einklang fühle und weiß mit dem Ursprung und dem Ziel meines Lebens. Dann verdanken sich mein Leben und mein Glück einem Grund, der allem vorausgeht, was mir gelingt und misslingt. Einem Grund, der mich trägt, jetzt, und mich am Ende meiner Tage erlösen wird von allem Dunkel.
Gewiss - manches Mal ist Gott uns unverständlich. Und doch glauben wir Gottes freundliche, uns zugewandte Nähe in Jesus Christus. Wir können gleichsam sein menschliches Antlitz, das Gesicht der Liebe, in Christus sehen.

Jesus selber hat Menschen glücklich gepriesen, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit, die sanftmütig und barmherzig sind, die Frieden stiften. „Glücklich“ nennt Jesus sie, „selig“.

So wünsche ich mir und Ihnen im neuen Jahr viele Momente des Glücks, Momente zum Innehalten, um Gott und sich selbst nahe zu kommen, Momente mit anderen, in denen wir Gottes Nähe spüren können.

Hans Christian Brandy, Landessuperintendent in Stade

 

Bestattungskultur

Das Land Bremen (mit dem hannoverschen Kirchenkreis Bremerhaven) will als erstes Bundesland die Bestattungspflicht teilweise aufheben. Für zwei Jahre soll man die Urne mit nach Hause nehmen können.

Ein Abschied von einer öffentlichen Trauerkultur ist das – für viele Trauernde fehlt dann ein Ort des Gedenkens, für Patchwork-Familien kann der Leichnam zum Streitfall werden.

Unsere Diakonie hat jetzt auf die wachsende Zahl von anonymen Bestattungen durch Ordnungsämter hingewiesen, bei denen bedürftige Menschen weit entfernt von ihrer Heimat möglichst kostengünstig entsorgt werden. Eine nicht akzeptable Praxis.

Unsere Bestattungskultur verändert sich rasch. Urnenbestattungen nehmen rapide zu, Bestattungen im Wald sind keine Seltenheit mehr, in Kirchen entstehen Kolumbarien. Ich finde: Gegen eine Pluralisierung und gegen Bestattungsformen, die den Bedürfnissen der Menschen gerecht werden, spricht aus christlicher Sicht nichts. Für uns als Kirche sind Seelsorge und Gottesdienst, Begleitung und Trost nicht an bestimmte Bestattungsformen gebunden.

Entschieden eintreten aber sollten wir für eine öffentliche Bestattungskultur. Menschen leben öffentlich. Alle sollen die Möglichkeit zum Abschied und zum Gedenken haben. Wir sollten werben für öffentliche Trauerfeiern – gegen den Trend zur Tabuisierung und Privatisierung des Todes („Beisetzung in aller Stille“). Wir sollten warnen vor dem Trend zur anonymen Bestattung, die trauerpsychologisch oft zu Problemen führt. Ein Grab ohne Pflegebedarf ist auch anders möglich.

Es ist segensreich, dass Kirchengemeinden – oft im Verbund mit anderen – für Trauerfeiern oder Bestattungen sorgen, wo es sonst niemand tut. Wir müssen aber auch politisch qualitative Mindeststandards bei Bestattungen einfordern – auch für mittellose Menschen und solche ohne Angehörige. Menschenwürde endet nicht mit dem Tod. Dafür stehen wir als Christen besonders ein, weil wir unsere Toten über den Tod hinaus bei Gott geborgen wissen.

Hans Christian Brandy, Landessuperintendent in Stade
 

Kirchenmusik

In der vergangenen Woche fand das 5. Stader Jugend-Orgel-Forum statt. 29 Jugendliche erlebten eine Woche mit Gesang, Andachten und fröhlicher Gemeinschaft. An den bedeutenden Orgeln erhielten sie hochkarätigen Unterricht. In einem (dreistündigen!) Abschlusskonzert stellten alle Teilnehmenden ihr erstaunliches Können vor.

Etliche waren zum wiederholten Mal dabei und bereiten sich jetzt auf ein Studium der Kirchenmusik vor. Darüber können wir uns nur freuen. Unsere Kirche braucht begabte junge Leute, die Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker werden. Wie bei den Theologiestudierenden sind es auch in der Kirchenmusik zu wenige, so dass die Fachleute „Alarm geschlagen“ haben. Der EKD-Ratsvorsitzende hat jüngst eindringlich ermutigt zum Studium der Kirchenmusik.

Selbstverständlich ist nicht alles eitel Sonnenschein in der Kirchenmusik. Für die Zögerlichkeit der Studieninteressenten gibt es Gründe, an denen wir arbeiten müssen. Aber insgesamt sind die Berufschancen viel besser als offenbar das Image: In den letzten Jahren sind kaum Stellen weggefallen. Die Bezahlung ist ordentlich, im EKD-Vergleich in Niedersachsen sogar gut. Orgelstipendien, landeskirchliche Stellen mit dem Schwerpunkt Orgelunterricht und eine ganze Reihe zusätzlicher Stellen für Berufsanfänger fördern bereits kräftig den Einstieg. Es gibt beste Studienmöglichkeiten mit ungewöhnlich individueller Förderung, oft kirchlich (mit-)finanziert wie in Hannover.

Synoden und Kirchenleitungen haben also längst erkannt: Kirchenmusik in ihrer ganzen Breite ist einer der Vitalposten im Leben unserer Gemeinden und hält viele Menschen in Kontakt mit der Kirche und dem Evangelium. Geeignete junge Menschen, die darin eine Berufung sehen können, finden gute Berufsperspektiven vor. Dafür sollten wir tatkräftig werben – wie in der vergangenen Woche in Stade.

Hans-Christian Brandy, Landessuperintendent im Sprengel Stade

Fluten

„Gott, hilf mir! Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle. Ich versinke in tiefem Schlamm; die Flut will mich ersäufen“ (Psalm 69,2+3). So wurde während der Flutkatastrophe in der lutherischen Kirche in Grimma gebetet, während die Stadt zwei Meter hoch unter Wasser stand.

Biblische Bilder und Urerfahrungen gewinnen in solchen Situationen ganz eigene Kraft. Für frühere Generationen gab es einen selbstverständlichen Zusammenhang zwischen den Naturkräften und Gott. Deshalb beging man bei Dürre oder Unwetter Bußtage, Hagelfeiertage usw.

Durch Aufklärung und Wissenschaft haben wir gelernt, die natürlichen Ursachen von Naturkatastrophen zu sehen. Gegen Blitze etwa hilft ein Blitzableiter. Über unsere eigenen Anteile an der Flut wurde in den allabendlichen Sondersendungen zu Recht diskutiert: Flussbegradigungen und Landversiegelung, Deichschutz und vor allem der Klimawandel.

Verantwortlich sind wir selbst, ist das Ergebnis. „Wir sind der Wettergott selbst und können uns nur selbst beklagen“, schrieb die Zeit. Die Flutkatastrophe hat neben unerhörtem Schaden auch viel Gutes zu Tage gefördert: eine gewaltige Solidarität und Spendenbereitschaft, praktische Hilfsbereitschaft vieler Tausender Menschen, sogar einen schnellen und weitreichenden Hilfsbeschluss der Politik ganz im Konsens. Das sind gute Erfahrungen, die wir uns bewahren sollten.

Not lehrt Zusammenhalten. Lehrt sie auch Beten? Wo menschliche Verantwortung liegt, müssen wir sie wahrnehmen, keine Frage. Aber Unbilden der Natur zeigen doch auch die Unverfügbarkeit des Lebens und die Grenzen der Machbarkeit. „Man muss beten, als ob alles Arbeiten nichts nützt und arbeiten, als ob alles Beten nichts nützt“, der Satz gilt gerade in solchen Zeiten (auch wenn er nicht von Luther stammt).

Im Gesangbuch haben wir von Detlev Block eine schöne Neudichtung eines alten Bitt-Liedes (EG 639). Darin heißt es: „Gott, wenn nicht deine starke Hand den Deich beschützt und unser Land, nutzt nichts zu unsrer Sicherheit, bricht alles, was uns Schutz verleiht.“ Gebet und Tat, Solidarität und länderübergreifendes politisches Handeln sind gefragt, damit nicht in wenigen Jahren die nächste „Jahrhundertflut“ unsere Dörfer und Städte bedroht.

Hans-Christian Brandy, Landessuperintendent im Sprengel Stade

Andacht zur Passionszeit

In den österreichischen Alpen steht im Vorarlberg die Hintere Jamspitze, ein majestätischer Berg von gut 3.150 Metern mit einer wunderbaren Aussicht. Auf seinem Gipfel ist ein großes Kreuz errichtet. Es ist ein eindrückliches Bild, wenn man dort oben steht. Hier berühren sich Himmel und Erde.

So empfinde ich es auf diesem Berggipfel. Man ist dem Himmel scheinbar näher. Und so erlebe ich auch das Kreuz auf dem Gipfel: Der Himmel kommt der Erde nahe in diesem Kreuz.

Auf dem Kreuz ist ein Datum zu lesen: Februar 1999. Dies ist ein besonderes Datum. Der Jamkogel steht oberhalb des Ortes Galtür. Im Februar 1999 hat eine Lawinenkatastrophe Teile des Ortes verschüttet und 38 Menschen getötet. Das Gipfelkreuz hat einige Jahre später ein Bürger aus Galtür in Erinnerung an seine gestorbenen Angehörigen errichtet.

In diesem Licht bekommt das Kreuz in der majestätischen Natur noch einmal einen anderen Charakter. Auf dem Kreuz ist zu lesen: „Christus hat uns nicht vom Leid erlöst, sondern von der Verzweiflung“. Da hat jemand seinen Glauben und seinen Trost bezeugt angesichts der Katastrophe von Galtür und aller persönlichen Trauer.

An Jesu Tod am Kreuz erinnern wir uns in der Passionszeit besonders. Nie ist das Kreuz ganz zu verstehen, nie leicht. Manche finden es als Symbol der Christen irritierend oder gar abstoßend. Aber das Kreuz steht für unseren Glauben an Christus, der uns über alle Abgründe hinweg tragen kann. Im Licht von Ostern steht das Kreuz Jesu dafür, dass Gott gerade in den Tiefen unseres Daseins an unserer Seite ist. Es steht für die Befreiung von Schuld, von der Macht des Todes und aller Verzweiflung. Das Instrument des Todes ist zum Zeichen des Lebens geworden.

Landessuperintendent Dr. Hans Christian Brandy

Kirchen öffnen Verliebten ihre Türen

Gottesdienste laden mit Feuershow und romantischem Dinner zum Valentinstag ein

Von Charlotte Morgenthal (epd)
Lüneburg/Braunschweig (epd). Mit Aktionen wie einer Feuershow, einem romantischen Dinner oder einem besonderen Segen für Paare feiern immer mehr Kirchengemeinden in Niedersachsen Gottesdienste zum Valentinstag. In Lüneburg stimmen Feuerakrobaten am Sonntag schon vor der Kirche auf den Gottesdienst "Liebesfeuer" ein, sagte der evangelische Pastor Eckhard Oldenburg.
Der Valentinstag am 14. Februar erinnert an den früheren Bischof der nördlich von Rom gelegenen Stadt Terni. Als Fest der Jugend und der Liebenden wurde er seit dem späten 14. Jahrhundert zunächst in Frankreich und England begangen, breitete sich dann weiter aus. In Deutschland erklärten 1950 die Blumenhändler den Valentinstag zum "Tag der offenen Herzen". Seit einigen Jahren haben auch Kirchengemeinden den Tag für sich entdeckt, oft können sich Paare in den Gottesdiensten segnen lassen.
Gemeinsam in den Altarraum zu treten und sich die Hand auflegen zu lassen, sei für viele ein schöner Moment, sagt Pastorin Wiebke Range. Sie will dazu am Donnerstag im südoldenburgischen Damme einladen. Besonders wichtig sei der Segen für Ehepaare, die wegen unterschiedlicher Konfessionen in der Vergangenheit nicht kirchlich heiraten durften: "Das zeigt, die Liebe steht vor dem Gesetz."
Wie die evangelische Kirchengemeinde in Meine bei Braunschweig wollen viele mit den Gottesdiensten einen Kontrapunkt zur rein kommerziellen Feier des Valentinstages setzen. "Dazu laden wir alle liebenden Menschen ein", sagt Pastorin Julia Kettler, die in der Meiner St.-Stephani-Kirche am Donnerstag die Feier leitet. "Liebe gibt es ja nicht nur in der Partnerschaft, sondern auch zwischen Eltern und Kindern, Freunden oder Geschwistern."
Um dies zu verdeutlichen, haben Schüler Rollenspiele vorbereitet. Darin gehe es auch um Freundschaft, erläuterte Kettler. Und es werde deutlich, dass die Liebe nicht nur rosarot sei, sondern auch mit Problemen aus dem Alltag zu kämpfen habe. So handle eine Szene von einem Kind, das sich den Eltern widersetzt.
Wie langjährige Beziehungen gepflegt werden, können Ehepaare in Hannover erfahren. Die katholischen Kirchen der Region laden zu einem romantischen Dinner ein. "Als Kirche sollten wir nicht klagen, dass die Bedeutung der Ehe abnimmt, sondern lieber selbst etwas dafür tun, die Ehe aufzuwerten", erläutert Jugendreferentin Katharina Maloney.
In Lüneburg können die Gottesdienstbesucher in einer Streichholzschachtel das Liebesfeuer mit nach Hause nehmen. Kleine Zettel darin geben dazu Tipps, sagt Pastor Oldenburg: "Grundsätzlich muss man ein Feuer pflegen, damit es dauerhaft Wärme verbreitet."

Das Stichwort: Valentinstag
Hannover (epd). Die Wurzeln des Valentinstags am 14. Februar reichen bis in die Antike. Die Römer feierten an diesem Tag ein Fest zu Ehren ihrer Göttin Juno, der Beschützerin von Ehe und Familie. Höhepunkt war eine "Liebeslotterie": Alle zum Fest eingeladenen Frauen mussten einen Zettel mit ihrem Namen in ein Körbchen legen. Später zogen dann junge Männer einen Zettel mit "ihrer Valentine". Für ein Jahr bestand dann zwischen beiden ein "scherzhaftes Liebesverhältnis", bei dem der Mann die Frau mit romantischen Briefen und kleinen Überraschungen verwöhnte.
Der Valentinstag erinnert auch an den früheren Bischof der nördlich von Rom gelegenen Stadt Terni. Der später heiliggesprochene Valentin soll auf Anweisung des römischen Kaisers Claudius II. (um 270) als Märtyrer hingerichtet worden sein, weil er seinem Glauben nicht abschwören wollte. An der nördlich von Rom verlaufenden Via Flaminia errichtete Papst Julius (337-352) eine Basilika mit dem Grab des Märtyrers.
Die Verehrung des Heiligen ist etwa ab dem Jahr 350 nachweisbar: Er galt als Patron der Bienenzüchter sowie der Verliebten und Brautleute. Als Fest der Jugend und der Liebenden wurde der Valentinstag seit dem späten 14. Jahrhundert zunächst in Frankreich und England begangen, breitete sich aber auch in andere europäische Länder und mit den Auswanderern nach Nordamerika aus. In Deutschland erklärten 1950 die Blumenhändler den Valentinstag zum "Tag der offenen Herzen".
 

Landauf, landab sind sie zu sehen und vor allem zu hören: die Bläserinnen und Bläser der rund 650 Posaunenchöre unserer Landeskirche. Eindrucksvoll bestätigen sie die Erfahrung: die Bläserarbeit ist ein Markenzeichen unserer evangelischen Kirche! Hier wird Gemeinde gebaut und kirchliche Verbundenheit gestärkt.

Kaum ein anderer Bereich der Gemeindearbeit verbindet die Generationen auf „spielerische“ Weise so sehr miteinander wie das Blasen im Posaunenchor. Da sitzt der Zehnjährige neben dem Siebzigjährigen, und sie blasen gemeinsam zur Ehre Gottes und zur Freude der Menschen. Ja, unsere Posaunenchöre können sich wirklich hören lassen

Einsatzmöglichkeiten gibt es viele: Die Intrade gibt dem Gottesdienst seine festliche Klangfarbe. Der Choral „Lobe den Herren“ macht den 80. Geburtstag zum unvergesslichen Erlebnis. Auf dem Weihnachtsmarkt bleiben die Menschen stehen und lauschen dem „O du fröhliche“. Und von den Kirchentagen sind unsere Bläserinnen und Bläser gar nicht mehr wegzudenken.

Mit vielen neben- und ehrenamtlichen Chorleiterinnen und Chorleitern sorgen sieben hauptamtliche Landesposaunenwarte für Qualität. Sie sind samt und sonders hoch qualifizierte Musiker, die ihr Können und ihre Begeisterung an andere weitergeben. Sie beraten die Chorleiter und helfen beim Aufbau neuer Chöre. Sie bieten Schulungen an für Anfänger und Fortgeschrittene, für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Sie üben Konzerte ein und bringen Auswahlchöre zu Spitzenleistungen. Sie organisieren Posaunenfeste auf Kirchenkreis-, Sprengel- und Landeskirchenebene. Auf Freizeiten wird Gemeinschaft gepflegt und „nebenbei“ auch noch viel gelernt.

Helfen Sie mit, das Anliegen voran zu bringen und der Bläserarbeit in unserer Landeskirche ein festes finanzielles Fundament zu geben!