Ökumenischer Kongress

Nachricht 15. Dezember 2017

„Es geht nicht ohne Frauen“ - Der ökumenische Kongress der Universität Osnabrück zum Thema „Frauen in kirchlichen Ämtern. Reformbewegungen in der Ökumene“ endete mit der Verabschiedung der „Osnabrücker Thesen“. Die Predigt im ökumenischen Gottesdienst teilten sich Landessuperintendentin Klostermeier und Bischof Bode in spürbar guter Tradition, die sich über das Reformationsjahr entwickelt hat.

Drei Gedanken stellte die Regionalbischöfin ins Zentrum ihrer Predigt zum Epheserbrief: Die Frau, Die Evangelische und Die Leitende in der Kirche. Dabei wurde deutlich: Auch in der evangelischen Kirche sind Frauen noch nicht lange und nicht selbstverständlich in allen Ämtern vertreten.

„Niemand hat es für möglich gehalten…“ - Vorbilder
Als junge Frau habe es für sie während des Theologiestudiums praktisch keine weiblichen Vorbilder gegeben, beginnt die Regionalbischöfin mit einem persönlichen Rückblick. Die feministische Theologie stand am Anfang. Das Buch „Jenseits von Gottvater, Sohn & Co“ mit den radikalen Thesen der US-amerikanischen katholischen Theologin und Philosophin „haben wir uns in der Cafeteria in der Göttinger Fakultät unter dem Tisch weiter geliehen. Zu mehr trauten wir uns nicht. Schon das Lesen schien einer Häresie gleichzukommen“, erinnert sich Klostermeier. Als 1999 mit Margot Käßmann die erste Landesbischöfin in der Marktkirche in Hannover eingeführt wurde, habe sie draußen in der Menge gestanden. „Und niemand hat es für möglich gehalten, zu groß nahmen wir die Widerstände wahr. Nicht wenige, die sagten, als sie gewählt wurde, es war der Heilige Geist. Und es fühlte sich an als würde sich für diesen einen Moment eine Wunde schließen“, erinnert sich Birgit Klostermeier.

„Ich habe mich geschämt für meine Enge“ – Reformation als Haltung
Das vergangene Reformationsjahr mit seinen vielen auch ökumenischen Begegnungen habe gezeigt, als Evangelische gehe es um „Reformation als Prinzip, als Haltung, auch Tradition zu transformieren. Jede Kirche muss sich fragen, worin sie in sich selbst gefangen ist“, so Klostermeier. Ein Beispiel aus eigener Erfahrung in ihrer Vikariatszeit war für sie der Moment, als sie bei einer Krippenausstellung das erste Mal ein schwarzes Jesuskind in einer Krippe aus Tansania sah. Als Weiße, Westeuropäerin habe sie bis dahin tatsächlich noch niemals richtig darüber nachgedacht, dass andere Menschen Christus anders glauben und auf ihre Weise verkündigen. Christus habe viele Gesichter. „Ich erinnere mich, dass ich mich geschämt habe für meine Enge“, so Birgit Klostermeier. Auch, dass es in der evangelischen Kirche mit der Ordination von Frauen so lange gedauert habe, „obwohl mit der Reformation und dem Priestertum der Getauften der Bann gebrochen war, auch das ist ein Zeichen für die Welt in der Kirche. Für ihre Bedingtheit in kulturellen Zusammenhängen,“ machte die Regionalbischöfin deutlich. Dennoch setzt sie dagegen: „Die Rechtfertigung ist ihr (der Kirche) Potential, sich zu verändern“. 

„Die Kirche von morgen ist ökumenisch“ 
Als Frau, als Evangelische, als Leitende in der Kirche stellt die Regionalbischöfin im dritten Teil ihrer Predigt diesen Satz an den Anfang. „Die Kirche von morgen ist ökumenisch. Nicht als Einheitskirche, sondern in dieser kritischen Auseinandersetzung. Nicht Selbstsakralisierung noch Selbstsäkularisierung. Das Geheimnis Gottes wahren und in die Welt bringen ist die größte, vornehmste und schwierigste Aufgabe“. Mit einem Rückblick auf das vergangene Jahr schließt die Landessuperintendentin: „Ich glaube- und deshalb bin ich dankbar für das, was wir im letzten Jahr hier in Osnabrück an Beziehungen gehabt haben, - wir brauchen den Diskurs, unter- und miteinander,uns gegenseitig herausfordern und – fördern, ermutigen und helfen und kritisch befragen. Auch demütig sein. Auch um Vergebung bitten. Auch versöhnen. Und auch – mutig sein. Entdecken und für wahrhalten, dass wir Christi Leib sind, ``die Fülle dessen, der das alles in allem erfüllt´´“, endete die Landessuperintendentin mit dem Epheserbrief.

Osnabrücker Thesen, Ökumenischer Kongress "Frauen in kirchlichen Ämtern"