Religion stark machen

Nachricht Lüneburg, 14. Februar 2018

Angebote für Schulseelsorgende und Lehrkräfte für evangelische Religion

Der Religionsunterricht an öffentlichen Schulen ist wichtiger denn je. Davon sind die Sprengel-Beauftragten für Kirche und Schule, die Pastorinnen Barbara Hanusa (Lüneburg) und Christiane-Barbara Julius (Gifhorn), überzeugt. Um Religionslehrerinnen und Religionslehrer zu stärken, ihnen Anregungen zu vermitteln und den Austausch untereinander zu fördern, starten die beiden promovierten Theologinnen in diesem Jahr ein regionales Pilotprojekt. Es beinhaltet acht spirituelle und pädagogische Angebote für Schulseelsorgende und Lehrkräfte, das Motto lautet: „Religion.stark.machen“.

Auch wenn es nicht jedem bewusst sei: Der Religionsunterricht ist in Deutschland ordentliches Lehrfach, nennen Hanusa und Julius ein Motiv für ihre Initiative. Eltern gingen eher auf die Barrikaden, wenn etwa Mathe statt Religion ausfällt. Zudem litten manche Lehrkräfte unter der vergleichsweise geringen Akzeptanz ihres Unterrichtsfaches. Schließlich gebe es derzeit ein Nachwuchsproblem im Blick auf Religionslehrkräfte. Dabei wählten rund 70 Prozent der niedersächsischen Schülerschaft das Fach Religion, freuen sich die Sprengelbeauftragten über den Zuspruch. Und auch liturgische Angebote wie Ein- und Ausschulungsgottesdienste seien in allen Schulformen beliebt.

Landessuperintendent Dieter Rathing, der das Projekt unterstützt, bestätigt: „Religionslehrer bringen eine gute Atmosphäre in die Schule“, das werde ihm bei seinen Besuchen in den zehn Kirchenkreisen des Sprengels immer wieder versichert. Neben den Unterrichtsthemen würde das Engagement der Religionslehrkräfte im Krisenfall geschätzt. Wenn bei einem Unfall jemand schwer verletzt wurde oder ein Angehöriger der Schule plötzlich verstorben ist, wüssten Religionslehrer, was zu tun ist, und organisierten dann eine Art „Gruppenseelsorge“. Der Regionalbischof lobt die religionspädagogische Arbeit an Schulen ausdrücklich: „Ich danke allen Religionslehrkräften für ihren verantwortungsvollen Dienst in einem schwierigen Umfeld.“

Laut Niedersächsischem Schulgesetz beruht der schulische Bildungsauftrag unter anderem auf der Grundlage des Christentums. „Haben wir einen funktionalen Bildungsbegriff und bilden junge Menschen vorrangig für die Wirtschaft aus, oder geht es uns um ein ganzheitliches Verständnis, das auch existentielle Themen aufgreift“, fragt Barbara Hanusa.  Dass an der Schule auf die Empfindungen Andersdenkender Rücksicht zu nehmen ist, steht für die Pastorin außer Frage. Ihr geht es um religiöses Wissen und gegenseitiges Verständnis: „Dass etwa Islam und Islamismus nicht dasselbe sind, das muss an einem Gymnasium gelernt werden.“ Den teils erheblichen Wissenslücken rund um Kirche und Religion zum Trotz kann die Theologin der Situation auch positive Seiten abgewinnen: „Die Alphabetisierung in Glaubensfragen ist auch eine Chance.“

Tatsächlich bekomme Religion thematisch wieder mehr Bedeutung, hat Christiane-Barbara Julius, die an einer Berufsbildenden Schule unterrichtet, beobachtet. Die Schüler interessierten sich wieder mehr für die Inhalte des Glaubens, viele wollten zudem wissen: „Wie gehe ich später mit andersgläubigen Kollegen um?“ Mit ihrem Angebot wollen die Sprengelbeauftragten für Kirche und Schule der Religionspädagogik mehr Gewicht geben.

Die erste Fortbildung am 21. April in der Woltersburger Mühle bei Uelzen steht unter dem Thema: „Damit aus Fremden Freunde werden – Islam verstehen und unterrichten“. Eine „Auszeit auf dem Weg mit Gott“ am 5. Mai, 10 Uhr ab Bahnhof Bienenbüttel, lädt zum Pilgern ein. „Angesichts der Arbeitsverdichtung im Lehrberuf können die Teilnehmer dabei zur Besinnung kommen, dem eigenen Glauben nachspüren und das Pilgern als mögliches schulisches Angebot entdecken“, erklärt Christiane-Barbara Julius.

Hartmut Merten

Religionslehrer bringen eine gute Atmosphäre in die Schule.

Landessuperintendent Dieter Rathing