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"Ein zweites Zuhause"

Monika Mehrwald arbeitet ehrenamtlich im 'Haus der Kirche' in Hameln

Das im August 2008 eingeweihte Haus der Kirche in Hameln gilt nicht nur im Sprengel Hildesheim-Göttingen als gelungenes Beispiel für ein modernes christliches Zentrum. Mit dem gemeinsamen Bauprojekt wagten die Markt- und die Münsterkirchengemeinde ein „zukunftsfähiges Modell moderner Gemeindearbeit, ein ambitioniertes kirchliches Service-Zentrum mitten im Altstadtleben in Hameln”, so die damalige Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann. Anstelle der bis dahin über das Stadtgebiet verteilten sechs Pfarr- und Gemeindehäuser bringt es die Menschen unter einem Dach zusammen und lässt die beiden Gemeinden enger zusammenwachsen.

Eines der Gesichter, die die Einrichtung prägen, ist das von Monika Mehrwald, für die das Haus der Kirche „mein zweites Zuhause” ist. Monika Mehrwald ist, römisch-katholisch getauft, in Hameln aufgewachsen. Im evangelischen Kindergarten der Marktkirchengemeinde absolviert sie im Rahmen ihrer Berufsausbildung ein Praktikum, ihr Mann ist Protestant. So kommt es, dass die gelernte Kinderpflegerin konvertiert. Als ihre beiden Kinder den evangelischen Kindergarten besuchen, wird der Kontakt zur Marktkirchengemeinde wieder lebendig, engagiert sie sich bei gemeinsamen Projekten.

„1993 sprach mich jemand vom Kirchenvorstand an, ob ich nicht Lust hätte bei der nächsten Wahl zu kandidieren – seit 1994 bin ich Kirchenvorsteherin”, erzählt sie. Anfangs sei es neben der Mitarbeit im Kindergartenausschuss ein Hineinschnuppern gewesen, die Aufgaben seien dann von alleine gewachsen - und daran ist der Bau des Hauses der Kirche nicht ganz unbeteiligt.

„Schon bei der Planung gefiel uns, dass alles so offen ist, wir die Möglichkeit haben, Menschen Einblick in unsere Arbeit haben zu lassen”, erinnert sie sich. Damit das so bleibt, ist die sogenannte Kirchgasse werktags von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Sie verbindet den Vordertrakt mit Eine-Welt-Laden und Kirchenpunkt, Gemeindebüro und Fahrstuhl mit dem zweiten Komplex, in dem sich der große Gemeindesaal und die Pfarrdienstwohnung befinden. In der Zukunfts-AG, in der Monika Mehrwald ebenso wie in der Frauengruppe mitarbeitet, wird geplant, wie das Haus mit Leben gefüllt werden soll: Im Seelsorgeraum in der ersten Etage wird eine offene, kostenfreie Sprechstunde angeboten, den angrenzende Gruppenraum nutzen Gemeindegruppen für ihre Treffen. Für Jugendliche gibt es im zweiten Obergeschoss die Jugendetage mit dem Büro des Diakons. „Wir erreichen mit diesem Haus wesentlich mehr Menschen. Dank der transparenten Architektur hat es eine große Ausstrahlungskraft, braucht aber auch eine gute Organisation”, sagt Thomas Risel, Pastor der Marktkirchengemeinde und ergänzt: „Gut, dass hier Ehrenamt und Hauptamt so gut verzahnt sind.”

Die Aufgaben, die Monika Mehrwald ehrenamtlich wahrnimmt, sind vielfältig: Sie ist Mitglied des Geschäftsführenden Ausschusses, des Kita Regionalvorstandes, des Musikausschusses Marktkirche, des Bauausschusses Haus der Kirche, der Verschönerungsgruppe (geöffnete Kirche), der Zukunfts-AG und des Ausschusses für Gottesdienste, Gemeindearbeit und Feste. Zudem gehört sie zum Förderkreis der Marktkirche und zur Kreis-Frauen-AG und ist Ansprechpartnerin für das Frauenwerk. Dass sie gerade in der Urlaubszeit fast den ganzen Tag im Haus der Kirche oder in der Marktkirche, wo sie sich als eine der sogenannten Kirchenöffner engagiert, anzutreffen ist, liegt daran, dass sie über ihre Ämter hinaus Verantwortung übernimmt: Sie springt im Büro ein, wenn die Sekretärin in Urlaub ist, vertritt den Küster, entwirft Plakate für Veranstaltungen, hilft bei der Gestaltung der Homepage mit und dekoriert die Räume angepasst an die jeweilige Jahreszeit, damit alles schön aussieht.

„Es gibt Menschen, die viel Geld spenden – ich spende meine Zeit und mein Herz, und wenn es mir nicht so viel Freude bereiten würde, würde ich das nicht tun”, erklärt sie. Monika Mehrwald genießt die Begegnungen im Haus der Kirche, das ins Gespräch Kommen, sie hat Spaß an der Vielfalt und daran, mit anderen im Team zusammenzuarbeiten. „Natürlich stoße ich auch auf Probleme und lerne Lösungen dafür zu finden”, gibt sie offen zu und fährt fort: „Je länger man im Amt ist, desto mehr traut man sich einfach zu - und nein, ich habe noch kein Bett hier stehen”, antwortet sie auf die entsprechende Frage.

Als Stärken der Kirchenvorsteherin, die dank einer pfarramtlichen Vereinbarung klar definierte Verantwortungsbereiche hat, nennt Thomas Risel ihre Managerqualitäten und ihre Teamfähigkeit. Zudem beschreibt sie der Pastor als „über alle Maßen engagiert“. Monika Mehrwald verweist da lieber auf die vielen anderen Gesichter, die das Haus der Kirche prägen und sagt: „Wichtig ist, andere mitzunehmen.”

Text: Annette Hensel

Informationen zum Haus der Kirche

Das Haus der Kirche in Hameln wurde 2008 als Gemeindezentrum der Marktkirchengemeinde und der Münstergemeinde eingeweiht. Es liegt direkt am Hamelner Marktplatz gegenüber der Marktkirche. Im Haus der Kirche gibt es neben Gemeinde- und Büroräumen auch einen Eine-Welt-Laden und einen Mittagstisch.

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