Außensanierung von Deutschlands größter Holzkirche in Clausthal abgeschlossen

Nachricht Hildesheim, 15. September 2013

Festwochenende vom 20. bis 22.9.2013 / Gottesdienst mit Klosterkammerpräsident Hans-Christian Biallas am 22.9.2013 um 10 Uhr / Umfangreiche Innensanierung geplant

Clausthal. Nach dreizehnjähriger Bauzeit ist die Außensanierung der Clausthaler Marktkirche zum Heiligen Geist, Deutschlands größter Holzkirche, erfolgreich abgeschlossen. Die Kirchengemeinde Clausthal veranstaltet dazu ein Festwochenende vom 20. bis 22.9.2013. Den Auftakt bildet das Eröffnungskonzert des HarzClassixFestival am Freitag Abend um 20 Uhr.  Am Samstag, dem 21.9.2013, findet ab 14.30 Uhr das erste Stiftungsfest rund um die sanierte Kirche statt. Im Festgottesdienst am Sonntag, dem 22.9.2013, um 10 Uhr predigt der Präsident der Klosterkammer Hannover, Hans-Christian Biallas. Im Anschluss gibt es einen Empfang in der Kirche.

Ralf Meister, Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, freut sich über den Abschluss der Bauarbeiten:
"Von Herzen danke ich allen, die in den vergangenen dreizehn Jahren zur Außensanierung der Clausthaler Marktkirche beigetragen haben: Sie ist in beeindruckender Weise gelungen.
Bei meinen Besuchen in Clausthal habe ich die überragende Bedeutung gespürt, die diese Kirche im Herzen der Stadt für Clausthal und darüber hinaus seit mehr als 370 Jahren hat. Das 'Anläuten' war über Jahrhunderte unverzichtbarer Pulsgeber für die Abläufe im Bergbau und der Kirchenraum wurde für so viele Generationen zur gottesdienstlichen Heimat. Prägend ist die Marktkirche bis heute - das hat das große Engagement der Clausthalerinnen und Clausthaler für "ihre Kirche" bei dieser Sanierung bewiesen. Doch diese Kirche ist eben noch viel mehr als ein unschätzbares Baudenkmal: Sie war und ist zuallererst ein Ort lebendiger Spiritualität und wird das auch in Zukunft sein."

Seit 2001 wurde die 1642 eingeweihte Clausthaler Marktkirche, deren Fortbestand akut gefährdet war, aufwendig von außen saniert. Letzter Schritt war der neue einheitliche Gesamtanstrich der Außenfassade. "Es waren unglaubliche viele unterschiedliche Aktivitäten notwendig, um die Finanzierung über die gesamte Bauzeit sicherzustellen," blickt Dorothee Austen, Kirchenvorstandsvorsitzende der Marktkirchengemeinde zurück. "Wir haben es geschafft, die Baumaßnahmen ohne Unterbrechung Jahr für Jahr  fortzusetzen. Dass es doch 13 Jahre gedauert hat, lag teilweise an der Herausfprderung, jeweils größere Summen aufzubringen oder auch an den kurzen Bausommern des Oberharzes."

Gesamtkosten in Höhe von 9,3 Mio. €

Die Gesamtkosten für die Sanierung betragen 9,3 Mio. €. Allein für die Sanierungsmaßnahmen des Glockenturms, der komplett ab- und wieder aufgebaut werden musste, entstanden Kosten in Höhe von 2,45 Mio. €.  Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers, der Kirchenkreis Harzer Land (früher Kirchenkreis Clausthal-Zellerfeld) und die Marktkirchengemeinde brachten knapp 60 % der Gesamtkosten auf. An der weiteren Finanzierung beteiligten sich das Land Niedersachsen, die Bundesrepublik Deutschland, die Klosterkammer Hannover sowie die Hermann Reemtsma-Stiftung, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Rudolf-August-Oetker-Stiftung, die Stiftung Kirchenbau, Lotto Niedersachsen und die Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte.

„Insgesamt hat die Klosterkammer Hannover die Sanierungsmaßnahme der Marktkirche in Clausthal mit 650.000 Euro gefördert. Diese ungewöhnlich hohe Summe liegt an der einzigartigen Bedeutung der Holzkirche als außergewöhnliches Baudenkmal für die gesamte Harzregion und weit darüber hinaus. Der hohe Anteil kirchlicher Eigenmittel sowie die starke Beteiligung weiterer Förderer und Sponsoren machte die Sanierung zu einem wirklichen Gemeinschaftsprojekt, zu dem die Klosterkammer gerne beigetragen hat," sagt Hans-Christian Biallas, Präsident der Klosterkammer Hannover.

Jährlich bis zu 30.000 Besucherinnen und Besucher kommen in die Marktkirche, erzählt Dorothee Austen. "Sie erfahren hier einen Augenblick der Ruhe, der Besinnung und des Erstaunens über die Freude des Gotteslobs, die durch die Pracht der Kirche zum Ausdruck kommt." Die Kirche ist damit ein touristisches Highlight des Kirchenkreises Harzer Land wie Superintendent Volkmar Keil betont: "Die Marktkirche in Clausthal gehört zu den kunstgeschichtlich bedeutsamsten Kirchen des Kirchenkreises. Sie ist nicht nur eine der größten Holzkirchen Europas, sondern ist auch von einem durchdachten theologischen Bauprogramm geprägt. Außerdem ist sie eine der zentralen Kirchen des Oberharzer Bergbaus. Das hat natürlich ihre Sanierung besonders aufwendig gemacht. Ich bin sehr dankbar, dass eine enorme Arbeitsleistung der Kirchengemeinde, eine hohe Spendenbereitschaft und zahlreiche Sponsoren neben der Landeskirche es möglich gemacht haben, diese Sanierung durchzuführen und abzuschließen."

Stiftung für Erhalt der Kirche gegründet / Innensanierung startet

Die Marktkirche ist heute Mittelpunkt der Gemeindelebens der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Clausthal. Als Heimstätte der zahlreichen Chören und Ensembles der Kirchengemeinde und als Konzertort hat die Marktkirche auch in dieser Hinsicht Bedeutung weit über Clausthal hinaus erlangt. Die künftige Finanzierung des kirchenmusikalischen Schwerpunkts und die Sicherung der Kirchenmusikerstelle ist neben der geplanten Innenrenovierung der Kirche und der Erneuerung der Orgel eine der Aufgaben der 2010 gegründeten Stiftung Marktkirche zum Heiligen Geist Clausthal.
Landessuperintendent Eckhard Gorka, leitender Geistlicher im  Sprengel Hildesheim-Göttingen, zeigt sich beeindruckt: "Für das umfangreiche Engagement der zahlreichen Förderer bei der Restaurierung, aber besonders auch für den Einsatz der vielen Ehren- und Hauptamtlichen vor Ort in Clausthal bin ich sehr dankbar. Es war eine Menge Energie notwendig, um das Projekt über dreizehn Jahre zu einem so gelungenen Abschluss zu bringen. Gleichzeitig ist es wegweisend, dass die Kirchengemeinde und die Stiftung jetzt so konsequent die Finanzierung der Innensanierung und der kirchenmusikalischen Aktivitäten angehen. So wird sichergestellt, dass Marktkirche ebenso ein Anziehungspunkt für Besucherinnen und Besucher aus aller Welt ist wie auch lebendiges Zentrum der Gemeindearbeit in Clausthal bleibt."

Vertreter von Landeskirche und Kirchenkreis und den zahlreichen Förderern werden beim Festwochenende vom 20. bis 22.9.2013 erwartet. Das hochkarätig besetzte Konzert zum Auftakt am Freitag Abend (20.9.2013), das gleichzeitig das Eröffnungskonzert  das HarzClasssixFestival ist, bestreiten Ludwig Güttler mit den Virtuosi Saxoniae und Sophia Christine Brommer (Sopran). Am Samstag (21.9.2013) laden die Kirchengemeinde und die 2010 gegründete Stiftung Marktkirche zum Heiligen Geist Clausthal und die Kirchengemeinde ab 14.30 Uhr zum 1. Stiftungsfest rund um die Kirche ein. Neben der Vorstellung der Stiftungsarbeit wird es eine Bilderausstellung zu den einzelnen Bauabschnitten geben. Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt.
Im feierlichen Fest-Gottesdienst am Sonntag (22.9.2013) um 10 Uhr predigt der Präsident der Klosterkammer, Hans-Christian Biallas. Beim anschließenden Empfang in der Kirche wird es einen Rückblick auf die Sanierungsarbeiten geben und einen Ausblick auf anstehenden Innensanierungsarbeiten, die zeitnah beginnen werden.

Benjamin Simon-Hinkelmann, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Sprengel Hildesheim-Göttingen

Die Marktkirche zum Heiligen Geist Clausthal

Nach der Zerstörung der ersten auf dem Clausthaler Marktplatz errichteteten Kirche durch einen großen Stadtbrand 1634 begannen 1637 die Arbeiten für den Kirchenneubau. Zu Pfingsten 1642 wurde die Marktkirche zum Heiligen Geist eingeweiht. Seit einer größeren Erweiterung 1689-91 hat die dem Barock zuzuordnende Hallenkirche eine Länge von 57 Metern bei einer Breite von 26 Metern. Die mit Ausnahme der Bleibedachung vollständig aus Holz erbaute Kirche ist die größte Holzkirche Deutschlands. Die von hohen Fichtenstemmen getragene dreischiffige Halle mit jeweils doppelten Nord-, West- und Südemporen bot früher 2.200 Menschen Platz, heute ca. 1.000.
Geöffnet ist die Kirche von März bis November täglich von 10 bis 17 Uhr, an Sonntagen im Anschluss an den Gottesdienst bis 17 Uhr.