Stiftungen bauen an der Zukunft

Martin Käthler, Stiftungsberater der Landeskirche, erklärt, was es mit Stiftungen und deren Bonifizierungen auf sich hat:

Worum geht es bei einer kirchlichen Stiftung?

Es geht um Vermögen, das dauerhaft einem bestimmten kirchlichen Zweck gewidmet ist. Es geht darum, die Erträge daraus für diese Zwecke einzusetzen und es geht um die weitere Einwerbung von Geldern, damit das Stiftungskapital und damit die Erträge stetig wachsen. Also Geld, Geld und nochmals Geld?! Geht es in der Kirche nicht um Glaube, Hoffnung und Liebe, wie Paulus im 1. Korintherbrief schreibt? Gewiss, doch im selben Brief bittet er um Geld für die Gemeinde in Jerusalem, und im 2. Korintherbrief schreibt er: „Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.“ Paulus sagt, die Liebe sei das Größte. Die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten. Der barmherzige Samariter half dort, wo vorher ein Priester und ein Tempeldiener achtlos vorübergingen. Er zeigte das Beispiel für tätige Nächstenliebe an einem fremden Menschen, ohne zu fragen: „Was kriege ich dafür, was habe ICH davon?“ Ohne dieses christliche Verständnis der Nächstenliebe wären Diakonie und Caritas undenkbar.

Was ist denn der Unterschied zwischen Stiftungen früher und heute?

Die ersten Stiftungsgründungen gab es im Mittelalter. Für Wohlhabende war ein Grund zu stiften der dadurch „sichere Platz im Himmel“. Erst Martin Luther zeigte den Menschen die Freiheit auf, aus Liebe zu geben, nicht aus Berechnung oder gar aus Angst vor Gott. Seelenheil ist ein Geschenk Gottes, das nicht durch Geld erkauft werden kann. Wer gibt, gibt von Herzen, freiwillig, um der Sache willen. Heute bedeutet „Stiften gehen“ für evangelische Christen die Übernahme von Verantwortung im Sinne eines Generationenvertrages. Gründet eine Gemeinde durch finanzielle Unterstützung der Gemeindemitglieder eine Stiftung, dann übernimmt die Gemeinde damit auch ein Stück Selbstverantwortung für die zukünftige Gemeindearbeit und ihre lokalen Aktivitäten und Einrichtungen. Von „unseren“ derzeit 435 kirchlichen Stiftungen entstanden über dreiviertel seit 2001.

Warum und auf welche Weise fördert die Landeskirche die Stiftungen?

Schon länger ist abzusehen, dass die Kirchensteuereinnahmen auf Grund der demografischen Entwicklung deutlich sinken werden. Eine Stiftung wird errichtet als EIN Baustein zur Sicherung des christlichen Lebens, in zahlreichen Kirchengemeinden, aber auch in Kirchenkreisen, in diakonischen Einrichtungen, in unseren Klöstern oder zu ganz bestimmten Zwecken wie Kirchenmusik oder Hospizarbeit. Alle vier Bonifizierungsaktionen wurden in der Landessynode diskutiert und beschlossen, das Landeskirchenamt sorgte dann für die Umsetzung. In den ersten drei Bonifizierungsaktionen zwischen 2001 und 2011 wurden bereits über 34 Mio. Euro für das unantastbare Stiftungskapital eingeworben, die Bonifizierung der Landeskirche betrug gut 9,7 Mio. Euro. Gefördert wurde jeweils nach dem Prinzip „Aus drei mach vier!“, d. h. für drei eingeworbene Euro legte die Landeskirche einen hinzu. Der maximale Bonifizierungsbetrag je Stiftung lag zuletzt bei 40.000 Euro, denn berücksichtigt wurden auch Erbschaften und Vermächtnisse. So konnten zahlreiche Stiftungen durch die Berücksichtung in Testamenten oft größere sechsstellige Beträge, Häuser, Land oder Wertpapiere in ihr Stiftungskapital überführen, welches nun „auf ewig“ im Sinne der Erblasserin oder des Erblassers für die christliche Gemeinschaft wirken kann.

2015 endete die vierte Bonifizierung. Wie hoch war die Fördersumme?

Die vierte Aktion lief vom 1. Juli 2013 bis zum 30. Juni 2015. Nach intensiver Prüfung aller Anträge wurden im Dezember 2015 gut 3,8 Mio. Euro vom Landeskirchenamt an 285 Stiftungen überwiesen. Bei dieser vierten Aktion gab es eine Besonderheit: 284 von 285 Stiftungen haben gut 13,2 Mio. Euro eingeworben, hinzu kam die Heinrich-Dammann- Stiftung, in die nach dem Tode des Stiftungsgründers 14 Mio. Euro Erbe flossen.

Geld ist in der Kirche oft ein Tabuthema – und dennoch unverzichtbar?

Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen oder mit Senioren, Kirchenmusik, der Bau und Erhalt kirchlicher Gebäude braucht Geld. Kirchliches Handeln lässt sich meist nur dann verwirklichen, wenn Geld zur Verfügung steht. Margaret Thatcher hat das mal treffend auf den Punkt gebracht: „Nicht einer würde sich an den Guten Samariter erinnern, wenn der nur gute Absichten gehabt hätte. Er hatte auch Geld.“ 

Für drei Euro, die in eine kirchliche Stiftung eingezahlt wurden, legte die Landeskirche einen Euro dazu. Auf diese Weise sollten Stiftungen gefördert werden. Bonifiziert wurden die in der Zeit vom 1. Juli 2013 bis 30. Juni 2015 eingeworbenen Drittmittel für den Kapitalstock. Bereits seit 15 Jahren unterstützt die Landeskirche auf diese Weise kirchliche Stiftungen. 2015 wurde die inzwischen vierte Bonifizierungsaktion abgeschlossen.