Der Nachwuchs bestimmt mit

76 gewählte Jugendvertreterinnen und Jugendvertreter aus ganz Niedersachsen diskutierten auf Augenhöhe mit den Mitgliedern der evangelischen Landessynode. „Welche Töpfe der Landeskirche stehen den Ehrenamtlichen eigentlich zur Verfügung, um an Gelder für Fortbildungen zu kommen?“, fragt einer. „Wir brauchen mehr Transparenz!“, fordert ein anderer. „Welche Fortbildungsmöglichkeiten gibt es überhaupt für Ehrenamtliche?“ Den ganzen Morgen haben acht Gruppen diskutiert, wie Kirchengemeinden ihre Freiwilligen besser unterstützen können. Das Thema sei von den Jugendlichen selbst vorgeschlagen worden, sagt der Jugendsynodale Jan Hendrik Saxe: „Besonders ehrenamtlich in der Kirche engagierte Jugendliche befinden sich in einem Spannungsfeld mit einer Reihe von anderen Anforderungen wie Schule, Studium oder Beruf.“

Saxe ist auch Vorsitzender der evangelischen Landesjugendkammer. Drei Ergebnisse hat seine Gruppe erarbeitet. Saxe ist zufrieden. Nun muss aus der Idee ein Antrag werden. Aber wie formuliert man den? Ratlose Blicke bei den jungen Leuten. Zum Glück ist der Synodale Burghard Kindler da: „Die Jugendsynode beauftragt die Landessynode zu prüfen, ob ...“, diktiert der 62-jährige Pastor die typische Formulierung des Kirchenparlaments. Er sei auf die Anträge der anderen Gruppen gespannt, sagt Saxe: „Und darauf, wie das Plenum unsere Anträge aufnimmt und wie es dann weitergeht.“ Der Präsident der Landessynode, Matthias Kannengießer, erläutert, dass aus den besprochenen Themen auf sehr kurzem Weg Grundlagen für Beschlüsse und später dann sogar verbindliche Kirchengesetze werden könnten.

„Wir sind die erste evangelische Landeskirche in Deutschland, die den Jugendlichen in dieser Form Gehör verschafft.“ Er könne sich sehr gut vorstellen, dass eine Jugendsynode künftig regelmäßig stattfinde. Konkrete Pläne dazu gebe es allerdings noch nicht. In einem großen Plenum am Nachmittag stimmen alle Teilnehmerin nen und Teilnehmer gemeinsam darüber ab, welche Anträge an die Synode weitergeleitet werden sollen.

Die Teilnehmenden sind zufrieden. In den Diskussionen habe es keine Unterschiede zwischen Synodalen und Jugendvertretern gegeben, berichten Saxe und Kannengießer. Die Gespräche seien sehr effektiv gewesen, betont die Synodale Friederike Dauer (54).

Viola Leyrer (22) lobt den Austausch zwischen den Generationen: „Wir haben gute Kompromisse gefunden.“ Die Bereitschaft junger Menschen, sich ehrenamtlich in der Landeskirche zu engagieren, liege über dem Bundesdurchschnitt, sagte Hilke Rebenstorf vom Sozialwissenschaftlichen Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Natürlich setzten sie sich vor allem für die Jugendarbeit ein. Es sei daher eine Herausforderung, sie auch in andere Tätigkeitsfelder einzubeziehen, damit der Kontakt später nicht abreiße. Zudem hätten viele das Gefühl, nicht ausreichend mitentscheiden zu dürfen, betonte die Soziologin. Der Landessynodale Bernd Rossi sagte, er wolle als stellvertretender Vorsitzender des Jugendausschusses in jedem Fall die Synode bitten, einen regelmäßigen Fortbestand der Jugendsynode zu prüfen.

Die Premiere am Donnerstag könne nur der Startschuss sein. Es sei entscheidend, dass die Jugendlichen weiter mitbestimmen dürften: „Schließlich muss die Jugend in den nächsten Jahren mit den Rahmenbedingungen leben, die heute festgelegt werden. Und so ein Generationenvertrag kann nicht einseitig sein.“

Dicht beschriebene, blaue, gelbe und andersfarbige Zettelchen kleben an den Tafeln des Seminarraums im Stephansstift in Hannover, die Tische sind mit Papier bespannt und voller Notizen. Bei der ersten Jugendsynode der hannoverschen Landeskirche wird auf Kreativität gesetzt.