Gestatten: "Fröhlich!"

Die Idee in der Gemeinde ist es, dass neben dem Pfarramt eine starke Kraft eingesetzt wird, die das Gemeindeleben fördert. Vera Fröhlich ist in dieser Funktion „Kümmerin“ für bestimmte Bereiche, die Pastor Wolfgang Teicke allein nicht abdecken kann. Sie schaut auf Traditionen und Kontakte in der Gemeinde und sorgt dafür, dass die Kirche im Ort bleibt.

Dies übersteigt ehrenamtliches Engagement. Deswegen wurde ein Konzept entwickelt, gut drei Arbeitsstunden in der Woche für bestimmte Leistungen zu bezahlen. Ermöglicht wird das durch den Förderverein. Durch das Modell wird der Pastor entlastet von Verwaltungsarbeit, der Vorbereitung von Kirchenvorstandssitzungen und organisatorischen Gesprächen am Rande, erzählt Vera Fröhlich im Gespräch: Wie sind Sie darauf gekommen, sich als Gemeindekuratorin ausbilden zu lassen?

Als ich den Begriff „Gemeindekurator“ in einem Fortbildungsangebot der Landeskirche las war ich sofort interessiert. Die Ausbildung, die von der Landeskirche Hannovers gemeinsam mit der Landeskirche Braunschweig durchgeführt wird, erfolgte an sechs Wochenenden. Wie sind die Erfahrungen mit der Fortbildung? Die Themen waren vielfältig: Struktur und Organisation, Kirchenbaukunde, Verwaltung – bis hin zu Bibelkunde, Spiritualität und Andacht. Als Gemeindekuratorin kann man einen bestimmten Schwerpunkt als Aufgabe wählen, da ist es wichtig möglichst breit informiert zu sein. Alles war hoch interessant, ein Blick über den eigenen Tellerrand hinaus.

Spannend vor allem der Austausch mit Menschen, die auch diesen Weg gewählt haben. Die Ausbildung war eine absolute Bereicherung. Ich habe durchaus gemischte Gefühle, weil dieses Amt irgendwie noch so „exotisch“ ist und so wenig bekannt. Sie sind nicht nur Gemeindekuratorin, sondern auch Kirchenvorstandsvorsitzende. Kann man die Ämter voneinander trennen? Oder muss man das gar nicht? Eine Trennung wäre der Idealfall. Es wäre gut, eine Person zusätzlich zum Kirchenvorstand zu haben. In meinem Fall kann man es nicht klar trennen, das kann Fluch und Segen zugleich sein ... Ist man als Gemeindekuratorin eigentlich weisungsgebunden? Es gibt eine Dienstvereinbarung, die Aufgaben beschreibt.

Die Tätigkeit „erfolgt eigenverantwortlich im Rahmen der Beauftragung durch den Kirchenvorstand und endet mit dessen Wahlperiode“. Eventuell möchte ein neuer Vorstand ja keine Kuratorin. Die Arbeit als Gemeindekuratorin ist ehrenamtlich. Was bedeutet das für Sie persönlich? Ziel muss es sein, einmal genau auf die Strukturen zu schauen, um mehr ehrenamtliche Helfer für Aufgaben zu begeistern. Wir brauchen Menschen, die gerne auch nur für eine bestimmte Zeit oder projektbezogen mitarbeiten möchten. Diese Ehrenamtlichen müssen gefunden werden und brauchen Begleitung. Ich habe im Augenblick das Gefühl, dass mir dafür die Zeit fehlt, weil das kirchengemeindliche Tagesgeschäft als Kirchenvorstandvorsitzende Raum fordert.

Das ist meine persönliche Baustelle. Mein Mann ist selbst oft ehrenamtlich unterwegs (Anm d. Red.: Ehemann Jens ist u.a. Vorsitzender des kirchlichen Fördervereins) und die Kinder erwachsen. Vom Freundeskreis erwarte ich eine klare Ansage, wenn „Vera scheinbar nur noch für die Kirche Zeit hat!“ Die Geschichte und die Tradition der Gemeinde sind Ihnen sehr wichtig. Haben Sie Befürchtungen, dass dies in ferner Zukunft in Vergessenheit gerät? Das war in den letzten Jahren mein Dilemma. I

ch bin tief verwurzelt in den Traditionen unserer Kirchengemeinde. Was die Gottesdienste angeht, werde ich die traditionelle Liturgie immer schätzen und die wunderbare Sprache unserer alten Kirchenlieder immer lieben. Aber ich muss mich fragen: Wofür lohnt es sich zu kämpfen und was können wir getrost sein lassen, weil wir die Menschen damit nicht mehr erreichen?

Ihr Name ist Programm: Wer Vera Fröhlich kennen lernt, spürt sofort die Energie für Dinge, die ihr am Herzen liegen. Am 21. Juni 2015 wurde die langjährige Kirchenvorstandsvorsitzende in der Gemeinde St. Martin Nienstedt-Förste in ihr Amt als Gemeindekuratorin eingeführt. Kirchenvorstand und Förderverein haben dort ein besonderes Konzept zur erfolgreichen Gemeindearbeit entwickelt. Gestatten: „Fröhlich!“

Mögliche Aufgaben einer Gemeindekuratorin

  • Abarbeiten oder Weiterleiten aller Kirchenvorstandsbeschlüsse
  • Ansprechpartnerin vor Ort für die Gemeinde und ehrenamtliche Mitarbeiter sein
  • Planung und Durchführung der jährlichen Jubiläums- Konfirmationen
  • Kontaktperson für Küsterund Reinigungsdienst, sonstige Teilzeitkräfte
  • Materialwirtschaft
  • hauptverantwortlich Projekte initiieren und begleiten
  • Koordination von Veranstaltungen in unseren Gemeinderäumen (planen, durchführen, abrechnen, Nutzungsvereinbarungen für Vergabe an externe Gruppen u. Vereine)
  • Hauptansprechpartner sein für das Pfarramt in allen organisatorischen Dingen und Traditions-Kümmerin