Alte Wassermühle zum Leben erweckt

Ein „Lernpfad Arbeitslosigkeit“ soll auf dem Gelände einer früheren Wassermühle in Uelzen Menschen zum Nachdenken anregen. Er gehört zu einem Projekt, das auf ungewöhnliche Weise Hilfe für Arbeitssuchende mit Angeboten für Sinnsucherinnen und Sinnsucher verbindet. Nur ein Angebot unter vielen im „Zentrum für biblische Spiritualität und gesellschaftliche Verantwortung“. Das Zentrum bietet Seminare und Einkehrtage an. Es ist ein weiterer Baustein zu einem Millionenprojekt. Zur „Woltersburger Mühle“ am Rande der niedersächsischen Heidestadt gehört ein Café mit Seminarhaus.

Auch die Produktionsschule Uelzen hat dort ihren Sitz. Arbeitslose Jugendliche, aber auch ältere Menschen ohne Erwerbstätigkeit, erhalten in Kooperation mit der örtlichen Handwerkerschaft, der Agentur für Arbeit und dem Landkreis Uelzen eine Chance, sich zu qualifizieren. Mehr als vier Jahre lang hat die Initiative „Integration durch Arbeit“ mit Arbeitslosen Gebäude saniert und neu aufgebaut. Rund 2,5 Millionen Euro aus Fördermitteln der EU und der Agentur für Arbeit sowie von Stiftungen und örtlichen Unternehmen sind in das Qualifizierungsprojekt geflossen, erläutert Buttings Ehemann, der Theologe Gerard Minnaard. Die beiden wollen als Ideengeber soziales Engagement, touristische Projekte und Naturschutz mit christlicher Spiritualität verbinden. Es gehe darum „Gottessuche und Nächstensorge“ zu verbinden, unterstreicht Butting. Seit April teilt sie sich mit der Pastorin Bärbel Fünfsinn aus Hamburg eine Pfarrstelle im Zentrum, dessen Träger der deutschlandweit aktive Verein für biblische und politische Bildung „Erev-Rav“ (hebräisch für „Menschengewimmel“) ist.

Der Verein, den Butting und Minnaard 1982 gegründet haben, übernimmt für drei Jahre mit 60.000 Euro die Hälfte der Kosten für die Pfarrstelle, die andere Hälfte steuert der Innovationsfonds der Landeskirche Hannovers bei. Aus der Begegnung zwischen Produktionsschülern, Teilnehmerinnen und Teilnehmern von Sabbat-Tagen und Bibelwochen und den Gästen des Cafés ergebe sich ein neues Miteinander, erzählt Butting. Dazu solle auch der „Lernpfad Arbeitslosigkeit“ beitragen, der sich mit dem Gefühl des gesellschaftlichen Ausgeschlossenseins, mit Enttäuschungen, Hoffnungen und schließlich mit der Suche nach dem Sinn des Lebens beschäftige. An den einzelnen Stationen des Lernpfads mit den Titeln Würde, Krise, Begegnung, Vision, Dank, Verantwortung und Feierabend geben Faltblätter den Besuchern Impulse.

So sind an der Station „Krise“ Kunst-Plakate zum Thema Arbeitslosigkeit zu sehen, in den ausliegenden Formularen können Besucher einen fiktiven Antrag auf Arbeitslosengeld II (Hartz IV) stellen. Diese Auseinandersetzung mit den Nöten von Menschen sieht Butting als eine Herausforderung für jeden Einzelnen an. Zugleich wolle das „Zentrum für biblische Spiritualität und gesellschaftliche Verantwortung“ mit Sabbat-Tagen, Seminaren, Bibelwochen, Singworkshops und Raum für eine Auszeit Sinnsuchenden helfen. Beides passt gut zusammen, ist die promovierte Theologin überzeugt: „Der Alltag ist der Ort, wo sich Glaube bewähren muss.“

Klara Butting zeigt auf grob behauene Sandsteine. Arbeitslose Jugendliche haben Gesichter hineingemeißelt und eine Mauer daraus zusammengefügt. Jeder Stein fand Verwendung. „Nichts wird verloren gegeben“, sagt die evangelische Pastorin.

„Ein nachhalt iger Lebensstil“

Umweltminister zeichnet „Woltersburger Mühle“ mit kirchlichem Preis aus

Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Niedersachsen (ACKN) hatte in diesem Jahr bei einem gemeinsamen Wettbewerb erstmals insgesamt 21 Gemeinden mit Umweltpreisen ausgezeichnet. Darunter waren sieben Erstplatzierte. Die meisten Preise wurden bei einem „Ökumenischen Schöpfungstag“ im September 2015 vergeben. Die „Woltersburger Mühle“ wurde zum Landessieger gekürt. Rund um eine historische Wassermühle hatten arbeitslose Menschen von 2008 bis 2012 ein Ensemble von Gebäuden renoviert und so vor dem Verfall gerettet. Auf dem Gelände befinden sich auch ein Netzwerk für Kunst & Kultur, ein NaturErholungsRaum mit Café, Tagungs- und Übernachtungsmöglichkeiten sowie eine begehbare Kräuterspirale und das Wasserrad. Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) hat die Initiative „Woltersburger Mühle“ in Uelzen mit dem Umweltpreis der niedersächsischen Kirchen ausgezeichnet. Die Initiatoren der „Woltersburger Mühle“, unter ihnen eine Pastorin und ein Pastor, wollen Ökologie, Spiritualität und soziales Engagement zusammenbringen.