Lebenslauf von Hanns Lilje

Landesbischof Hanns Lilje (1947-1971)

bischof lilje
Landesbischof Johannes (Hanns) Lilje, um 1947, Bild: Landeskirchliches Archiv

Johannes Ernst Richard Lilje
 

geboren 20. August 1899 Hannover

  • 1917 Abitur an der Leibnizschule Hannover
  • Einberufung zum Kriegsdienst
  • Theologie- und Kunstgeschichtsstudium in Göttingen und Leipzig
  • 1924 Ordination
  • 1924 Pfarrer in der Jugendfürsorge der Inneren Mission in Hannover
  • 1925-1927 Studentenpfarrer an der Technischen Hochschule Hannover
  • 1927-1935 Generalsekretär der „Deutschen Christlichen Studentenvereinigung"
  • 1932-1935 Vizepräsident der „World Student Federation"
  • 1932 Promotion
  • 1933 Gründungsmitglied der „Jungreformatorischen Bewegung"
  • 1933-1936 Herausgeber der „Jungen Kirche", des zentralen Publikationsorgans der Bekennenden Kirche
  • 1936 Mitglied im Rat der Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands („Lutherrat")
  • 1935-1945 Generalsekretär des Lutherischen Weltkonvents
  • 1944-1945 Inhaftierung durch die Gestapo wegen seelsorgerischer Kontakte zu Beteiligten des Attentats vom 20. Juli 1944
  • 1945-1947 Oberlandeskirchenrat
  • 1947-1971 Landesbischof

Außerdem:

  • 1950-1971 Abt des Klosters Loccum (Johannes XI.)
  • ab 1945 Mitglied im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)
  • 1949-1967 Stellvertretender Ratsvorsitzender der EKD
  • 1955-1969 Leitender Bischofs der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (Velkd)
  • 1945-1957 Präsident des Zentralausschusses der Inneren Mission
  • 1948 Gründer des „(Deutschen Allgemeinen) Sonntagsblattes"
  • 1947-1970 Mitglied des Exekutivkomitees des Lutherischen Weltbundes,
  • 1952-1957 Präsident
  • ab 1948 Mitglied im Zentralkomitee, ab 1961 im Exekutivkomitee des Weltrats der Kirchen
  • 1968-1975 Präsident des Ökumenischen Rats der Kirchen

gestorben am 6. Januar 1977 Hannover

 

Über das Leben von Hanns Lilje schreibt Hartmut Badenhop

Sein Name ist in Hannover festgehalten: Ein öffentlicher Platz im Herzen der Stadt, ein Haus für kirchliche Aktivitäten und die landeskirchliche Stiftung zur Förderung des Dialogs zwischen Theologie und Wissenschaft, Glaube und Gesellschaft, Kirche und Kunst sind nach ihm benannt.

Aber auch über seine Heimatstadt und die Landeskirche hinaus, deren erster Nachkriegsbischof er war, ist Hanns Lilje in lebendiger Erinnerung. Aufgewachsen in Hannover – sein Vater war Diakon an der Apostelkirche und er ein Schüler des Leibniz-Gymnasiums – war er nach kurzer Soldatenzeit im Ersten Weltkrieg und Theologiestudium von 1925 bis 1927 der erste Studentenpfarrer an der Technischen Hochschule. Durch seine Tätigkeit im Christlichen Studentenweltbund übersiedelte er, inzwischen verheiratet, nach Berlin, wurde er in der ökumenischen Bewegung aktiv und bekannt. Noch Bischof Lohse fand in den USA „als Nachfolger von Hanns Lilje" offene Türen, und er selbst wurde von 1968 bis 1975 einer der Präsidenten des Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK).

Obwohl kein Widerstandskämpfer, brachten ihn seine engen Verbindungen nach dem 20. Juli 1944 in Gestapohaft, aus der ihn die Amerikaner 1945 befreiten. Eindrucksvoll sein Bericht über diese Zeit „Im finstem Tal" . Im Rückblick auf die Nazizeit sagte er 1950 auf der Synode der Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD): „Es wird nicht anders gehen, als daß Deutschland ein ernstes und aufrichtiges Wort der Buße in der Judenfrage spricht".

In der kurzen Zeit nach 1945 als Oberkirchenrat wurde Lilje durch seine überfüllten „Offenen Abende" in der jungen Generation bekannt. Nach dem Rücktritt von Bischof Marahrens und der Wahl Liljes zum Landesbischof am 17. April 1947 halfen die „Kirchlichen Wochen", eine Idee Liljes und seine Art von Visitation in den Städten und Regionen seiner Landeskirche, ihn bekannt zu machen. Seine zugleich biblisch-klare wie menschennahe Predigt, die Betriebsbesuche und seine volksmissionarischen Vorträge waren prägend, wobei er auch für „die Gebildeten unter ihren (der Kirche) Verächtern" ein Gesprächspartner war - so im Goethejahr oder zu Bachfesten. Das „Deutsche Allgemeine Sonntagsblatt", seit 1948 von ihm herausgegeben, die Evangelische Akademie, seit 1952 in Loccum ,verschiedene biblisch- meditative Kommentare - es war nicht nur die Gunst der Stunde, sondern auch die Person, die da wirkte und in Erinnerung geblieben ist.

Heinz Zahrnt, damals Chefredakteur des Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatts (DAS), schrieb 1977: „Bedenke ich die Geschichte der evangelischen Kirche Deutschlands in der Nachkriegszeit, so fallen mir drei Namen ein: Otto Dibelius, Martin Niemöller und Hanns Lilje ... Otto Dibelius war vornehmlich ein Priester, Martin Niemöller ein Prophet, Hanns Lilje ein Weiser. Die Weisheitslehrer im Alten Testament waren gleichsam die ‚Intellektuellen' unter den Gläubigen. Sie suchten Aufklärung der Welt durch den Glauben und schmähten dabei die Vernunft nicht, ja hatten sogar eine Neigung zur Skepsis, vor deren Übermacht sie ihr Glaube bewahrte. Ein solcher Mann war Hanns Lilje."