"Kirche lebt von Orten der Gottesbegegnung"

Bericht 27. November 2018

Im Eröffnungsgottesdienst zur Herbsttagung der Landessynode hat Landessuperintendentin Dr. Petra Bahr angesichts wachsender Infragestellung kirchlicher Selbstbestimmung und Kritik an der Kirche dazu aufgerufen, sich für eine Kirche einzusetzen, die einerseits Orientierung und Heimat gibt und anderseits die aktuellen Herausforderungen beweglicher und freier angeht. Nach Ansicht der hannoverschen Regionalbischöfin wachse die Sehnsucht nach einer Kirche, „die von den Orten der Gottesbegegnung lebt und nicht von der Zahl schon renovierter Kirchtürme.“

In ihrer Predigt erinnerte Landessuperintendentin Dr. Bahr zudem an das Ende des ersten Weltkrieges vor 100 Jahren, mit dem eine „vertraute Welt“ und damit auch die damalige kirchliche Ordnung, wie etwa die Einheit von Thron und Altar, zusammenbrach. Im „radikalen Bruch mit der vertrauten Kultur“ seien jedoch ebenso Aufbrüche erkennbar, wie etwa im theologischen Denken von Karl Barth. „Eine Art theologische Revolution bricht sich Bahn. Das ist ansteckend für die, die sich nach einer neuen Sprache der Kirche sehnen,“ stellte Bahr mit Blick auf die Nachkriegsjahre fest.

„Vor hundert Jahren stand die evangelische Kirche vor den Trümmern ihrer Verfassung. Eine neue Form der Kirche ist entstanden. Die, die uns heute Gestalt gibt. Was die Zukunft bringt, wissen wir nicht. Aber das Kirchesein der Kirche sollten wir bei all den ungewissen Fragen eben nicht ängstlich in Frage stellen,“ so Bahr weiter.

Die Kirche Jesu Christi lebe von Voraussetzungen, die nicht in der Form ihrer Organisation aufgehen. Auch die heutigen Bemühungen um die Gestalt der Kirche, wie etwa die aktuelle Überarbeitung der landeskirchlichen Verfassung, seien daher getragen von der Zusage der Gegenwart des Gottesreichs, wie es in einem Jesus-Wort aus dem Lukasevangelium festgehalten ist: „Denn seht, das Reich Gottes ist mitten unter euch.“ Nach Bahr sei diese Gegenwart „beweglich, schnell und zart und manchmal elegant und so leise, dass wir sie auch verfehlen können. Sie mag alte Kathedralen, aber Wohnzimmer, Ladenlokale und Garagen und eben auch Synodentagungen.“ Es sei daher die bleibende Aufgabe, in den Zeichen der Zeit zu lesen und herauszufinden, was sie im Lichte des kommenden Reiches Gottes bedeuten. „Das ist unsere Herausforderung“, so die Landessuperintendentin zum Schluss ihrer Predigt.

Imke Marks (Orgel und Klavier), der Synoden-Chor und der Posaunenchor unter Leitung von Landesposaunenwart Moritz Schilling gestalteten den Gottesdienst musikalisch. Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann setzte das Abendmahl ein. Synodale aus dem Sprengel Hannover hielten die Lesung und die Fürbitten. Die Kollekte war bestimmt für das Projekt „Winterhilfe in Syrien“ der Diakonie Katastrophenhilfe und erbrachte rund 660 Euro.