Bischofsbericht: Leitwährung „Vertrauen“ zerfällt

Bericht 28. November 2018

Seinen diesjährigen Bericht vor der Landessynode stellte Landesbischof Ralf Meister unter das Wort „Vertrauen“, das er in verschiedenen gesellschaftlichen und kirchlichen Zusammenhängen entfaltete.

Die Leitwährung „Vertrauen“ zerfalle zurzeit sowohl in der Ökonomie wie in der Politik, konstatierte der leitende Geistliche. „In der Ökonomie erkennen wir betrügerische Absichten von großen Konzernen und teilweise eine Verwahrlosung von Anstand und Ehrlichkeit. Der wirtschaftliche Austausch aber braucht ein Vertrauen, dass der Tausch von Geld und Ware fair und gerecht ist. Da die Schere zwischen Macht und Politik immer weiter auseinanderfällt, also die Möglichkeit, politische Entscheidungen auch durchzusetzen, verfällt auch das Vertrauen in politische Leitungen.“

Vertrauen sei aber nötiger als je zuvor, denn ohne Vertrauen funktioniere nichts. Vom Gottvertrauen werde dabei in der allgemeinen Vertrauenskrise nur am Rande gesprochen. „Könnte es nicht sein, dass der metaphysisch unbehauste Mensch nach dem Vertrauen in Gott nun auch das Vertrauen in den Menschen verloren hat?“, fragte Meister. „Wenn eines der grundlegenden Sinnstiftungsmodelle nicht mehr akzeptiert und erlebt wird, dann gerät man außer Sinnen. Dann zerfallen auch andere Formen des Miteinanders, die sich ursprünglich auf dieses erste und ursprüngliche Vertrauen, das Gottvertrauen, bezogen hatten.“

Viele flüchteten sich derzeit daher in Nostalgie. „Eine der größten Versuchungen, denen Menschen in Vertrauenskrisen erliegen, ist, die Zukunft aufzugeben und das Heil in der Vergangenheit zu suchen.“ Solch eine Rückschau sei eine Abwehrhaltung in unübersichtlichen Zeiten und lähme bei der Gestaltung einer lebensfähigen Zukunft.