Situation der Kirchenmusik

Bericht 30. November 2017

Nicht Ornament sondern Fundament
Kirchenmusik braucht Absicherung und neue Ausbildungsmöglichkeiten

Bild: Jens Schulze

Neue Wege in der Musikvermittlung und die Nachwuchsgewinnung sind nach Ansicht von Oberlandeskirchenrat Dr. Klaus Grünwaldt, der im Landeskirchenamt für Kirchenmusik zuständig ist, die aktuellen Herausforderungen der Kirchenmusik in der Landeskirche. „Kirchenmusik ist kein Ornament. Sie ist ein Fundament, auf dem unsere Kirche steht und auf das sie baut. Es ist Aufgabe der Kirchenleitung, dieses zu sichern und zu stärken“, sagte Grünwaldt in seinem Bericht zur Situation der Kirchenmusik vor der Landessynode. Er wies dabei auch auf die hohe Bindungskraft von kirchenmusikalischen Veranstaltungen hin: „Nur der Heiligabendgottesdienst zieht noch mehr Besucherinnen und Besucher an.“

Gerade in Zeiten von Individualisierung, Traditionsabbruch und einem geänderten Mediennutzungsverhalten sei die Ausbildung und Förderung von Haupt-, Neben- und Ehrenamtlichen ein zentrales Anliegen der Landeskirche. Studierte Kirchenmusiker sollten im Rahmen eines begleiteten Berufseinstiegs besser auf die gestiegenen Ansprüche des Berufsfeldes vorbereitet werden und weitere Qualifikation erhalten. „Es muss Ziel sein, Hauptamtlichen zu ermöglichen, sich stärker der Fortbildung, Beratung und Vernetzung der nebenamtlichen und ehrenamtlichen Musikerinnen und Musikern zu widmen“, heißt es im Bericht.

Mit verschiedenen Maßnahmen unterstützt die Landeskirche die kirchenmusikalische Arbeit vor Ort. Das Musikvermittlungsprojekt „Vision Kirchenmusik“ helfe Gemeinden bei der Planung und Durchführung von Veranstaltungen, so Grünwaldt. Auch die Förderung der Kooperation mit  nichtkirchlichen Partnern, wie z. B. Schulen, werde gesucht. Die Ausrichtung auf neue Zielgruppen und die Präsenz im öffentlichen Raum auch außerhalb der Kirche hätten innovativ-missionarischen Charakter. In diesem Sinne sei auch die Einrichtung einer Popkantor-Stelle zu sehen.

„Immer mehr Gemeinden und Kirchenkreise erklären, dass Gottesdienste in anderer Form mit anderer Musik an Zulauf gewinnen“, heißt es im Bericht. Es fehlten jedoch ausreichend ausgebildete Musikerinnen und Musiker, die in solchen Gottesdiensten die entsprechende Musik sicherstellen könnten. Daher müsse die Arbeit des Popkantors, welche die Begleitung und Schulung von kirchlichen Bands und Kantoren umfasst sowie die Entwicklung popularmusikalischer Praxismodule, in eine landeskirchliche Planstelle überführt werden. In enger Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Popularmusik könnten Menschen zusammengebracht werden, die in der Kirche moderne Musikformen ausprobieren.

Auch die kulturpolitische Wirkung der Kirchenmusik ist nach Ansicht von Grünwaldt nicht zu unterschätzen: „Gerade in den schwach besiedelten Gebieten der Landeskirche sind Kirchenmusikerinnen und -musiker wichtige Akteure im Bereich der kulturellen Bildung.“ Bei der Kulturvermittlung habe die Kirche im Gegensatz zu Museen, Theatern und anderen Einrichtungen jedoch Nachholbedarf. Diese Aufgabe müsse als fester Arbeitsbereich in der Landeskirche etabliert werden.

Rückblickend bewertet der Bericht die Projekte im Jahr des Reformationsjubiläums wie beispielsweise das Pop-Oratorium „Luther“ oder die Aufführung der „Lukas-Passion“ von Krzysztof Penderecki als  herausragend. Auch die Posaunenchöre und ebenso die Vokal-Chöre seien auf Grund ihrer stilistischen Vielfalt und ihrer Nachwuchsarbeit ein Erfolgsmodell.

In der anschließenden Aussprache dankte Landesbischof Ralf Meister allen, die im Rahmen der Kirchenmusik im Dienst der Verkündigung tätig sind. Christiane Schwerdtfeger, Synodale aus dem Sprengel Hannover und selbst Kirchenmusikerin, fügte hinzu: „Kirchenmusik ist Kommunikation des Evangeliums mit künstlerischen Mitteln.“ Da Nachwuchs auch durch die Einladung zur Mitwirkung gewonnen werde, solle die Synode über einen Quereinstieg für hauptberufliche Kirchenmusikerinnen und -musiker durch ein eigenes Ausbildungsprogramm nachdenken, so Schwerdtfeger.

Superintendent Christian Castel, Synodaler für den Sprengel Hildesheim-Göttingen, verwies auf die teilweise katastrophale Versorgung mit Organistinnen und Organisten im ländlichen Bereich. Die Landessynode folgte seinem Antrag zur Prüfung, ob die Kirchenmusik künftig in einem eigenen Synoden-Ausschuss bearbeitet werden solle.

Martin Sundermann, Synodaler aus dem Sprengel Ostfriesland-Ems, wies auf den Anteil der Ehrenamtlichen unter den Chor- und Ensemble-Leitungen hin, der im ländlichen Bereich in Ostfriesland bei rund 90 Prozent liege. Daher solle der Ausschuss für Öffentlichkeitsarbeit die Situation und die Frage der Qualität im Bereich der ehrenamtlich getragenen Kirchenmusik stärker in den Blick nehmen. Die Synode stimmte dem Antrag zu. 

Kirchenmusik - Ein aktiver Weg in die Gesellschaft