Aussprache: Zukunft kirchlicher Berufe

Bericht 28. November 2017

Diskussionen um die Zukunft kirchlicher Berufe

Dr. Fritz Hasselhorn aus dem Sprengel Osnabrück erklärte zum Aktenstück 85 A, dass er die Aufhebung der Altersgrenze für den Prädikantendienst vermisse. Zudem: „Haben wir verlässliche Daten zur Arbeitsbelastung von Pastoren? Was macht es mit der Arbeitsbelastung, wenn immer mehr überregionale Bereiche gebildet werden?“

Kerstin Dede, Mitglied des Diakonenausschusses aus dem Sprengel Hannover, wies darauf hin, dass es in der Diakonenschaft eine hohe Berufszufriedenheit gebe. Die Möglichkeit der Ausbildung von Diakoninnen und Diakonen zum Pfarrverwalter oder zur Pfarrverwalterin sei für Kirchenkreise ein gutes Personalentwicklungsinstrument, allerdings habe es zur Folge, dass in der Diakonenschaft ein Loch gerissen und mit einem anderen gestopft werden müsse. Rolf Bade, Vorsitzender des Bildungsausschusses aus dem Sprengel Hannover, stellte die Frage, welche weiteren Möglichkeiten denkbar seien, um Pastorinnen und Pastoren auf neuen Wegen auszubilden. Für den gewünschten Weiterbildungsstudiengang in Göttingen gebe es zurzeit leider wenig Bewegung.

Professor Florian Wilk aus dem Sprengel Hildesheim-Göttingen wies darauf hin, dass der Quereinsteiger-Studiengang zum Pfarrberuf als Weiterbildungsstudiengang angelegt sein sollte. Es gehe dabei um Personen, die in einem anderen Beruf tätig waren und nun in einem reduzierten Umfang eine theologische Qualifikation erwerben können. Das niedersächsische Hochschulgesetz setze hier allerdings enge Grenzen. Die diskutierten Rahmenbedingungen machten das Projekt sehr schwierig, beispielsweise wenn es um das Erlernen der alten Sprachen gehe. Die Göttingen Fakultät sei grundsätzlich interessiert daran, gemeinsam mit dem Landeskirchenamt einen Quereinstieg ins Pfarramt zu ermöglichen, die äußeren Rahmenbedingungen seien im Moment allerdings noch schwierig. „Es ist Zeit nötig, um an diesem Modell zu arbeiten“, so Wilk.

Oberlandeskirchenrätin Dr. Nicola Wendebourg, Leiterin der Personalabteilung ging in ihrem Redebeitrag davon aus, dass die Zahl der Pastorinnen und Pastore in den kommenden Jahren aufgrund von Pensionierungen sinken wird „Wenn wir Glück haben, haben wir bis 2030 nur 500 Pastorinnen und Pastoren weniger als zurzeit.“ Die Arbeitsbelastung im Pfarramt lasse sich nur schwer beziffern: Bisher gebe es eine Pastorin oder einen Pastor auf jeweils 2.400 Gemeindeglieder, aber die Arbeit sei schwieriger geworden, weil Einzugsgebiete größer werden und es zusätzliche Aufgaben gebe, um der Entkirchlichung entgegenzuwirken. Das hat zur Folge, so Wendebourg, dass sich das Berufsbild der Pastorin bzw. des Pastors in den kommenden Jahren grundlegend verändern werde.

Diakoninnen und Diakone, so Dr. Wendebourg weiter, sollten nicht ihr gesamtes Berufsleben lang auf Jugendarbeit festgelegt sein. Als einen Ausweg nannte sie eine Qualifikation im Bereich der Seelsorge in der Klinischen Seelsorgeausbildung. Auch im Bereich Sozialdiakonie könnte eine mögliche Spezialisierung angeboten werden.