Aussprache über den Bericht des Landesbischofs

Zukunft der Ehe und Grenzen der Geschlechter (Abschnitt 1 Bischofsbericht)

Bild: Jens Schulze

In der Aussprache zum ersten Abschnitt des Bischofsberichts unter der Überschrift „Zukunft der Ehe und Grenzen der Geschlechter“ fragte Abt Horst Hirschler nach der Stellung des Menschen innerhalb der Schöpfung. Der Mensch sei nicht einfach nur in die Schöpfung „eingeordnet“, zeigte sich der Abt des Klosters Loccum überzeugt. „Mit unserem Nachdenken über uns selbst haben wir einen einmaligen Auftrag.“ Prof. Dr. Florian Wilk, Vertreter der Theologischen Fakultät der Universität Göttingen, lag in dem Zusammenhang an einer Unterscheidung: „Sich der eigenen Besonderheit bewusst zu werden, ist etwas anderes, als sich der eigenen Überlegenheit bewusst zu werden.“ Wie andere Delegierte dankte auch Dr. Bettina Siegmund aus dem Kirchenkreis Leer für die Ausführungen des Landesbischofs zur Schöpfungsordnung. Das Thema werde die Synode in Zukunft weiter beschäftigen.

Die sogenannte „Ehe für alle“ provozierte weitere Stellungnahmen von Synodalen. Als Theologiestudent könne er sich nicht vorstellen, liebende Paare, gleich welchen Geschlechts, später nicht zu segnen, bekannte Jonas Jakob Drude. Der Jugenddelegierte rief in dem Zusammenhang eine entsprechende Position der Landesjugendkammer in Erinnerung. Zudem fragte Drude nach: „Ist die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare eine Trauung?“ Landesbischof Ralf Meister bejahte die Frage: „Segnung ist Trauung!“ Auf Anregung von Ottomar Fricke (Walsrode) sollen sich der Ausschuss für Theologie und Kirche unter Beteiligung des Bischofsrates mit der Umsetzung für die kirchliche Praxis beschäftigen.

In der aktuellen Diskussion über den Status von Menschen, denen kein Geschlecht zugeordnet werden kann, regte der Jugenddelegierte Claas Goldenstein an, auf die Eintragung des sogenannten dritten Geschlechts in Urkunden am besten ganz zu verzichten. Ein Vorschlag dem Ralf Meister indes nicht folgen mochte: „Zur Identitätsbildung gehört die Darstellung meines Seins in der Öffentlichkeit dazu.“

„Ich lehne jede Form von Leihmutterschaft strikt ab.“ Auf Nachfrage von Ortrud Wendt aus dem Kirchenkreis Burgwedel-Langenhagen zu diesem Satz des Landesbischofs betonte Meister die Beziehung zwischen Mutter und Kind, die „immer einen Anklang an die Liebe Gottes zu uns Menschen hat“. Wenn diese Beziehung im Prozess der Entstehung eines Menschen negiert werde, könne er dem nicht folgen. Erst recht, wenn die Leihmutterschaft, wie etwa in Indien, aus rein ökonomischen Gründen befürwortet werde.

Zukunft der Kirche und die Suche nach den Quellen des Glaubens (Abschnitt 2 Bischofsbericht)

Der Synodale Dr. Fritz Hasselhorn (Sprengel Osnabrück) betonte in seiner Anmerkung zum Bischofsbericht, dass die Frage nach der  Zukunft der Kirche nicht nur von den kirchenleitenden Gremien, sondern in der gesamten Landeskirche thematisiert werden müsse. Ein Experimentierfeld für diese Frage biete der Fonds Missionarische Chancen, für den er eine Aufstockung der Haushaltsmittel für den Haushalt der Jahre 2019/20 beantragte.

Klaus Kastmann, Mitglied des Kirchensenats, bemängelte die starke kirchliche Fokussierung auf Sparaspekte und die Kerngemeinde. Mit 90 Prozent der Ausgaben würden nur etwa zehn Prozent  der Kirchenmitglieder erreicht, die Ränder würden zunehmend vergessen. Er plädierte dafür, Mittel einzusetzen, um Gemeindeglieder sprachfähig zu machen, sie als Multiplikatoren zu befähigen. Die Landessynode müsse selbstkritisch auf die Reformfähigkeit der Kirche schauen. Ein Mentalitätswechsel tue not.

Zum Erlebnisraum Taufe in Wittenberg sprach sich Landessuperintendent Eckhard Gorka dafür aus, die Erfahrungen und Erlebnisse der Ehrenamtlichen, die im Erlebnisraum Dienst leisteten, nutzbar zu machen und sie unter anderem in die Kirchenpädagogik einfließen zu lassen.

Der Synodale Martin Steinke aus dem Kirchenkreis Osnabrück würdigte die Idee, das Jahr 2019 zum Jahr der Freiräume zu erklären und damit der „Gegenwart Gottes Raum zu geben“. Er plädierte dafür, auf das Thema „Zeit für Freiräume“ mutig und fröhlich zuzugehen und betonte den Aspekt der Freiwilligkeit und des Experimentes. „Darin liegt für unsere Kirche eine große Chance“, so Martin Steinke. Landessuperintendent Gorka unterstützte: Er schlug vor, bei Visitationen „nicht das volle Programm zu fahren, sondern mal nur dahin zu gehen, wo die Armen wohnen“.

Wie verbindet uns Gott über Grenzen hinweg? (Abschnitt 3 Bischofsbericht)

Auf Antrag von Wencke Breyer, Synodale für den Sprengel Hannover, bittet die Synode das Landeskirchenamt, ab 2019 eine landeskirchliche Kollekte einzuführen, die sich dem Thema sexualisierte Gewalt und Diskriminierung von Frauen und Kindern widmet.

Bezugnehmend auf die Zusammensetzung der Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes in Windhuk/Namibia mit einem festen Jugendanteil von 20 Prozent stellte Dr. Jörg Zimmermann, Synodaler für den Sprengel Lüneburg, den Antrag, eine Jugend-Quotierungsregelung im Schwerpunktausschuss zu beraten. Mit Freude über das noch junge Antragsrecht für die Jugend-Delegierten beantragte Jugendvertreter Claas Goldenstein sogleich, die Beteiligungsmöglichkeiten von unter 30-Jährigen nicht nur in der Landessynode, sondern auf allen Ebenen der Landeskirche im Schwerpunktausschuss unter Beratung des Jugendausschusses zu prüfen. Oberlandeskirchenrätin Dr. Kerstin Gäfgen-Track unterstützte den Antrag der Jugend mit Nachdruck und mahnte die Synodalen, die Quotendiskussion nicht gleich wieder vom Tisch zu nehmen.

Bernd Rossi bemängelte, dass landeskirchliche Zuschüsse für Jugendprojekte zu gering ausfielen, beispielsweise im Vergleich zur finanziellen Unterstützung des Ehrenamtlichentages. Der Synodale für den Sprengel Hildesheim-Göttingen forderte einen massiven Ausbau der finanziellen und personellen Ressourcen im Nachwuchsbereich – „angefangen bei 0 über die Kitas und Schulen bis hin zur Konfirmanden- und Jugendarbeit.“ Jugendvertreter Ruben Grüssing konkretisierte das Anliegen und beantragte, dass der Jugendausschuss Vorschläge zu einer besseren Finanzierung des Landesjugendcamps erarbeiten solle.

„In diesem Jahr ist sehr deutlich geworden, dass der Reformationstag ein Tag ist, der weit in die Gesamtgesellschaft hineinwirken kann. Wir sollten uns mit diesem Tag in die zivilgesellschaftliche Debatte einmischen“, begründete der hannoversche Synodale Rolf Bade den gruppenübergreifenden Wunsch der Landessynode nach einem zusätzlichen staatlich anerkannten Feiertag am Reformationstag. Die Reformation sei als Prozess mit Wirkung bis heute anzusehen, unter anderem mit Blick auf die Wertschätzung von Bildung und die Verschränkung von Vernunft und Glauben. Dazu gehöre auch ein kritischer Umgang mit der eigenen Tradition, die Bereitschaft zur Selbstreflexion und Selbstkorrektur. „Das ist im reformatorischen Grundverständnis angelegt“, so Rolf Bade. Hannovers Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann wünschte sich, mit Blick auf den möglichen zusätzlichen Feiertag die tiefe Kränkung der jüdischen Geschwister im Zusammenhang mit der Person Martin Luthers in einer Anhörung noch einmal zur Kenntnis zu nehmen.

Wie fragt Kirche nach dem Weg des gerechten Friedens? (Abschnitt 4 Bischofsbericht)

Dr. Jens Rannenberg, Synodaler des Kirchenkreises Gifhorn, stellte im Anschluss an den Bischofsbericht den Antrag, die hannoversche Landeskirche möge dem internationalen Bündnis ICAN (Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen) beitreten. Dieser Antrag wurde mehrheitlich angenommen und zur weiteren Prüfung an den Ausschuss für Mission und Ökumene weitergeleitet, der in einem Jahr der Synode berichten soll.

Hans-Martin Heinemann, Stadtsuperintendent in Hannover, dankte Bischof Ralf Meister für sein abschließendes „Halleluja“, mit dem er im Jahr des Reformationsjubiläums gerade die Ehrenamtlichen besonders geehrt habe. „Damit haben Sie die Menschen an der Basis wertgeschätzt.“