Bild: Jens Schulze

Reformationsjubiläum 2017: "Das dürfen Sie auf keinen Fall versäumen!"

Bericht 04. Mai 2017

“Da müssen Sie in diesem Jahr gewesen sein, das dürfen Sie auf keinen Fall versäumen”, warb Arend de Vries unter den Synodalen für einen Besuch der Weltausstellung Reformation und des “Erlebnisraums Taufe” in Wittenberg. Vom 20. Mai bis zum 10. September 2017 lädt die Landeskirche in der Lutherstadt zur Tauferinnerung ein. Das Projekt im Rahmen der Weltausstellung ist einer von ungezählten Beiträgen der Landeskirche zum 500-jährigen Reformationsjubiläum.

“Freude kommt bei mir auf, wenn ich sehe, mit wie großem Engagement und mit wieviel Kreativität in den Gemeinden und Kirchenkreisen geplant worden ist”, sagte der Geistliche Vizepräsident des Landeskirchenamtes in seinem Bericht. Die Aufmerksamkeit für das Reformationsjubiläum habe längst die kirchlichen Räume und Mauern übersprungen.

Den Auftakt hätten zwei Konzertabende “Lieder der Reformation” mit sehr unterschiedlichen musikalischen Akteuren in Hannover gebildet. Als nächsten Höhepunkt aus landeskirchlicher Sicht nannte der Vizepräsident den Stationenweg der Reformation. In Osnabrück sei das Event konsequent ökumenisch gestaltet worden. Wolfsburg habe die Auszeichnung “Reformationsstadt Europas” erhalten. Mit dem Themenfeld Beruf und Arbeit sei es gelungen, ein aktuelles Thema auszuwählen, das weithin Beachtung gefunden habe, bilanzierte de Vries. In der Autostadt habe die Frage der Ethik in der Wirtschaft, sowohl im Blick auf den Konzern im Abgasskandal, aber auch im Blick auf sein internationales Agieren eine wichtige Rolle gespielt.

Das Pop-Oratorium “Luther” habe besonders hohe Aufmerksamkeit erfahren: Die zwei Aufführungen in der TUI-Arena in Hannover hätten ein großes Medienecho hervorgerufen. Und auch die Regionalaufführungen wären ein großer Erfolg gewesen. “Alle vier Veranstaltungen in Hildesheim, Aurich, Loccum und Celle waren ausverkauft und fanden bei den Mitwirkenden und den Besucherinnen und Besuchern ein begeistertes Echo”, so de Vries.

Auch die Aufführung der Lukaspassion von Krzysztof Penderecki an drei Orten sei etwas Besonderes gewesen. “Mich hat das Werk sehr beeindruckt in seiner Dichte und Tiefe.” Neben der logistischen und musikalischen Bedeutung des Penderecki-Projekts nannte de Vries die gelungene Musikvermittlung durch “VISION KIRCHENMUSIK”.

Weniger erfreulich sei für ihn ein Streit zwischen dem Cheftheologen der EKD, Thies Gundlach, und Universitätstheologen gewesen, gestand der Geistliche Vizepräsident des Landeskirchenamtes. “Dahinter steht die Suche nach dem Kern der Theologie Luthers und wie man sie heute vermittelt.” Verfehlt sei jede Form der Heroisierung. Luther dürfe nicht zum “Opfer einer smarten Luther-Ideologie werden, an der wir die Errungenschaften der Neuzeit begründen.”

Den ökumenischen Gottesdienst in der Verantwortung des Rates der EKD und der Deutschen Bischofskonferenz am Vorabend des Fastensonntags Reminiszere in Hildesheim bezeichnete de Vries als einen der Höhepunkte des Jubiläumsjahres. Die Repräsentanten der evangelischen und katholischen Kirche konnten einander sagen, was sie an der jeweils anderen Kirche schätzen. “Es mündete ein in der jeweiligen Zusicherung: Wir danken Gott, dass es Sie gibt und dass Sie den Namen Jesu Christi tragen”, nannte de Vries eine "Sternstunde der Annäherung der Konfessionen". Der Theologe fügte allerdings zurückhaltend hinzu: “Ob es in diesem Jahr noch zu einem deutlichen Zeichen seitens der Deutschen Bischofskonferenz im Blick auf die Zulassung konfessionsverbindender Ehepaare an der Eucharistiefeier kommt, bleibt abzuwarten.”

Der Abt des Klosters Loccum, Horst Hirschler, forderte im Anschluss an den Bericht zum Reformationsjubiläum 2017 eine weitergehende theologische Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche. “Wenn wir jetzt nicht an die Gegensätze herangehen, war das eine Seifenblase”, sagte Hirschler mit Blick auf den ökumenischen Gottesdienst in Hildesheim, den er selbst als eindrucksvolles Fest erlebt habe. In der Frage des Abendmahls und beim Amtsverständnis bestünden indes weiterhin Differenzen. In den Augen der offiziellen katholischen Lehre seien die Lutheraner weder eine Kirche noch könnten ihre Amtsträger ein gültiges Abendmahls feiern. “Hier müssen Brücken gebaut werden”, forderte der ehemalige Landesbischof.