Bild: Jens Schulze

Neues Kunstwerk "Ecclesia und Synagoga": Schlussstein einer jahrzehntelangen Entwicklung

Nachricht 04. Mai 2017

Eine neue Skulptur in Hannover wird künftig das positive Verhältnis von Christen- und Judentum bekräftigen. Das Bronze-Denkmal zeigt zwei lebensgroße Frauen, die die beiden Religionen verkörpern sollen. Die Statue des belgischen Künstlers Johan Tahon mit dem Titel "Twins - Zwillinge" wurde am Donnerstag Abend in Anwesenheit zahlreicher Mitglieder der Landessynode am Landeskirchenamt enthüllt. In direkter Nähe zu dem Ort stand bis zum 9. November 1938 die hannoversche Synagoge, die während der Reichspogromnacht von Nationalsozialisten niedergebrannt wurde.

Tahon hatte sich den Angaben zufolge in einem internationalen Künstlerwettbewerb gegen Bildhauer aus Europa und Israel durchgesetzt. Im Jahr 2015 hatte die hannoversche Landeskirche dazu aufgerufen, Entwürfe zum Thema "Kirche und Synagoge" vorzulegen. Damit sollte eine Änderung der Kirchenverfassung von 2013 versinnbildlicht werden, in der es heißt, die Kirche sei "durch Gottes Wort und Verheißung mit dem jüdischen Volk verbunden". Kirche und Judentum in Deutschland stünden sich im Gegensatz zu vergangenen Jahrzehnten heute mit einer Theologie des Respekts und in einer Beziehung auf Augenhöhe gegenüber.

Die Skulptur sei der "Schlussstein einer jahrzehntelangen Entwicklung in der Kirche", sagte Landeskirchenamtspräsidentin Stephanie Springer. Ikonographien früherer Jahrhunderte, die Christen und Juden nebeneinander zeigten, hätten das Verhältnis der beiden Religionen diffamiert. "Dies galt es neu zu interpretieren."

Historische Werke zeigten den herabsetzenden Blick der Kirche auf das Judentum, ergänzte Ursula Rudnick, landeskirchliche Beauftragte für Kirche und Judentum. Tahons Skulptur stelle hingegen Figuren auf Augenhöhe dar. Es sei nicht einmal ersichtlich, welche der beiden für welche Religion stehe. "Die Gestalt, die ihr Haupt senkt, muss die Kirche sein, denn da ist immer noch Scham", vermutete die Theologin.

Die Skulptur sei sein bislang wichtigstes Werk, betonte der Künstler bei der Enthüllung. Es gebe kaum notwendigere Denkmäler, die man erschaffen könne. "Für einen Künstler ist es sehr wichtig, dass sich sein Werk im richtigen Kontext und am richtigen Ort befindet", sagte der 52-jährige Bildhauer. Dieser Platz, an dem früher die Synagoge stand und in dessen Sichtweite sich mehrere christliche Kirchen befinden, sei für seine Skulptur ideal.

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