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Bild: Jens Schulze

Arbeit mit Flüchtlingen: Integration ist eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft

Bericht 26. Mai 2016
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Bild: Jens Schulze

Oberlandeskirchenrätin Dr. Kerstin Gäfgen-Track leitete für das Landeskirchenamt in das Thema Arbeit mit Flüchtlingen ein: Mittlerweile liege zum Thema Integration der Geflüchteten ein Bundesgesetz als Entwurf vor, das vor allem auch die Situation der Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt ins Zentrum stelle. Da seit Beginn des Jahres weniger Flüchtlinge nach Deutschland kämen, sei auch weniger direkte Nothilfe nötig. Stattdessen gelte es in der Hauptsache, diejenigen, die bereits gekommen sind und auch die, die noch kommen werden, in die Gesellschaft und auch in die Religionsgemeinschaften zu integrieren. „ Ob Fordern und Fördern dabei ein Meilenstein der Integration ist, das kann aber gefragt werden“, so Gäfgen-Track.

Integration sei eine Aufgabe, die nur breit gesellschaftlich geleistet werden könne. Beruf und Schule müssten bedacht werden und es eine Alltagsperspektive notwendig. In diesem Sinne arbeite die Landeskirche auch bei der Initiative „Niedersachsen packt an“ mit. Es seien vier Dinge, die Flüchtlinge bei dem wenigen, was sie mitbringen könnten, im Gepäck hätten. Das seien Bildung, Sprache, Religion/Weltanschauung und Kultur. Alle vier Elemente würden aber in einer neuen Umgebung und in einem neuen Land herausgefordert, zur Bewältigung der Fragen reichten 100 Stunden Integrationskurs nicht aus, so Gäfgen-Track.

Auch die Religion verändere sich in einem fremden Kontext. Um die den Ankommenden fremde Religion der Gesellschaft der Einheimischen zu verstehen und um eine Kommunikation zwischen ihnen und den Migranten aufzubauen, brauche es Bildung. Bildung brauche es auch, um die Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit zu verstehen, Bildung brauche es zuletzt gerade aber auch um zu hinterfragen, wie abendländische Kultur und wie das christliche Abendland eigentlich zu verstehen sei.

Das zeige auch der aktuelle Streit in den Medien. Es bedürfe also vor allem auch non-formaler Bildung, es bedürfe Teilhabemöglichkeiten an Schul- und Arbeitswelt, an Vereinen und auch an Kirche, so Gäfgen-Track weiter.
Mit den zweimal 500.000 €, die durch die Landessynode für die Flüchtlingsarbeit bewilligt worden waren, konnten eine Fülle von Projekten und Programmen umsetzt werden. Die evangelische Erwachsenenbildung setze dabei vor allem auf Sprache und Sprachbildung, aber auch auf die Qualifikation von Ehrenamtlichen. Ähnlich seien auch die Handlungsfelder der evangelischen Heimvolkshochschulen. Ausbildung und Weiterbildung von ehrenamtlichen sei ein Schwerpunkt in der Tätigkeit des Hauses kirchlicher Dienste der Landeskirche.

Projekte gebe es aus dem Landesjugendpfarramt und aus dem Religionspädagogischen Institut in Loccum (dem RPI), das eine große Multiplikatorentagung zum Thema Religion und Glaube bei Flüchtlingen plane. Auch die evangelischen Schulen engagierten sich vielfältig: so gebe es im evangelischen Internat in Dassel eine große Zahl an unbegleiteten Kindern, die dort lebten, betreut und unterrichtet würden.

892.000 € Mittel seien für den Bereich der schulischen Arbeit zugesagt oder ausgegeben worden. Bisher unterstütze aber das Bundesland Niedersachsen die evangelischen Schulen nur mit dem normalen Satz pro Schüler/Schülerin. Hier erhoffe sich die Landeskirche eine Erhöhung des Fördersatzes, um auf die besondere Situation der unbegleiteten, jugendlichen Flüchtlinge an den Schulen besser reagieren zu können. Demgegenüber seien die Mittel des Landes für Evangelischen Bildungsstätten angemessen, eine Umsetzung von Projekten der Sprachförderung sei damit dort gut möglich.

Gäfgen-Track schloss mit dem Ausblick, dass im kommenden Jahr die Arbeit mit geflüchteten Frauen und mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen im Zentrum stehen solle.

Bildungsarbeit für Flüchtlinge

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Oberlandeskirchenrätin Dr. Kerstin Gäfgen-Track über die nächsten konkreten Schritte in der Flüchtlingsarbeit der Landeskirche Hannovers.