Die Preußen kommen

Gerhard Uhlhorn (1826-1901), Mitglied des Landeskonsistoriums 1866-1901

Doch am 16. Juni 1866 fielen die Truppen des preußischen Königs Wilhelm ins Königreich Hannover ein. Der hannoverschen Regierung war klar, dass eine dauerhafte Vereinnahmung des Landes durch Preußen geplant war. Für die hannoversche Kirche würde dieses den unvermeidlichen Anschluss an die preußische Unionskirche bedeuten. Um das zu verhindern und die Kirche in eine bessere Verhandlungsposition zu bringen, mussten Fakten geschaffen werden.

In der Nacht vom 16. auf den 17. Juni 1866, als der König Hannover verlassen hatte und die preußischen Truppen für den nächsten Tag erwartet wurden, rief der Kultusminister v. Hodenberg die designierten Konsistorialräte zusammen und installierte mit einer Ansprache das Landeskonsistorium zwei Tage früher als geplant. Die bereits vorbereiteten Schriftstücke wie z. B. die „Provisorische Geschäftsordnung“ wurden handschriftlich vom 18. auf den 16. Juni zurückdatiert. Der Schachzug ging auf: Da Preußen die bestehenden Verwaltungsstrukturen in neubesetzten Gebieten anfangs möglichst wenig antastete, konnte das Landeskonsistorium seine Arbeit aufnehmen.

Kultusminister Bodo von Rodenberg

Als der Anschluss an die preußische Union gefordert wurde, beriefen sich die Hannoveraner auf ihre verfasste, funktionierende Kirchenverwaltung und konnten – auch Dank des guten Willens Bismarcks – dem Anschluss entgehen. So blieb, nicht zuletzt durch die Existenz des Landeskonsistoriums, die hannoversche Kirche als eigenständige lutherische Landeskirche bis heute erhalten. Auch in der Folgezeit war die kirchliche Eigenständigkeit ein wichtiges Mittel der Abgrenzung zu den weitgehend unbeliebten preußischen „Besatzern”. Noch bis zum Ende des deutschen Kaiserreiches gab es in vielen Teilen der Bevölkerung große Vorbehalte gegen Preußen und die unierte Kirche.

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Provisorische Geschäftsordnung 1866

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