Die Arbeit des Konsistoriums

Neue Rechtsnormen

Ministerialgebäude Calenberger Str./Archivstr. 2, Sitz des Landeskonsistoriums von 1885 bis 1924

In den Folgejahren entstanden unter Aufsicht des Landeskonsistoriums viele wichtige Rechtsnormen, die die bisher regional unterschiedlichen Gepflogenheiten vereinheitlichten. Dieses war nötig, um auch der wachsenden Migrationsbewegung im 19.Jh. gerecht zu werden:

  • Pastoren konnten nun in der gesamten Landeskirche eingesetzt werden;
  • Gemeindemitglieder, die im Zuge der Industrialisierung ihre Heimatgemeinden verließen, fanden in anderen Gemeinden vertraute Riten und einheitliche Glaubensgrundlagen und behielten ihre geistliche Heimat.

1885 und 1903 gab es umfangreiche Neuordnungen der hannoverschen Kirchenverwaltung. Die Schulaufsicht ging an die Zivilbehörden. Die Provinzialkonsistorien wurden, mit Ausnahme von Hannover und Aurich, aufgelöst. Das Landeskonsistorium erhielt weitere Kompetenzen vom preußischen Kultusministerium, wurde von diesem aber nie, wie gehofft, unabhängig.

Eine neue Verfassung

1918 endete mit dem Sturz der Monarchie in Deutschland auch das landesherrliche Kirchenregiment über die evangelischen Kirchen. Hannover gehörte auch nach dem Ende des Kaiserreiches politisch zu Preußen. Die Weimarer Reichsverfassung ordnete jedoch an: „Es gibt keine Staatskirche, jede Religionsgemeinschaft ordnet und verwaltet ihre Angelegenheiten selbständig.” Darauf berief sich die hannoversche Landeskirche – und war erfolgreich. Am 6. Dezember 1921 übernahm das Landeskonsistorium alle Aufgaben, die bisher noch beim Kultusministerium in Berlin verblieben waren. Damit war die Landeskirche Hannovers faktisch selbstständig.

Am 20.12.1922 wurde eine neue Kirchenverfassung verabschiedet, die eine pluralistische Kirchenleitung aus mehreren Organen, darunter Landesbischof, Kirchensenat, Landeskirchentag (Synode) und Landeskirchenamt, installierte.

Als diese Kirchenverfassung am 1. November 1924 in Kraft trat, endete die Arbeit des Landeskonsistoriums. Es wurde, wie die verbliebenen Provinzialkonsistorien, aufgelöst und seine Aufgaben dem Landeskirchenamt Hannover übertragen.

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Gesetze und Verordnungen. an denen das Landeskonsistorium Hannover mitwirkte: (Auswahl)

1866 - Verteidigung der hannoverschen Landeskirche gegenüber Preußen, Überleitung des Kirchenregiments vom hannoverschen auf den preußischen König

1868 - Neuordnung d. pfarramtlichen Prüfungswesens Gründung des Allgem. ev.-luth. Kirchenfonds

1869 - Durchführung der ersten Landessynode

1870 - Pfarrergesetz

1876 - neue Trauungsordnung

1883 - Gesangbuch f. d. Hannoversche Landeskirche

1889 - Gottesdienstordnung zum Hauptgottesdienst

1891 - Gründung des Predigerseminars Erichsburg

1895 - Gottesdienstordnungen Taufe und Konfirmation

1900 - Pfarreinkommensgesetz, Ruhegehaltsordnung; landesweit einheitliche Agende