Kalenderblatt vom 23. Februar 2012

Heute
Donnerstag

Losung

Fürchte dich nicht, denn du sollst nicht zuschanden werden.

Jesaja 54,4

Lehrtext

Christus spricht: Wenn man euch abführt und vor Gericht stellt, dann sorgt euch nicht im Voraus, was ihr reden sollt, sondern was euch in jeder Stunde eingegeben wird, das redet. Denn nicht ihr seid es, die reden, sondern der heilige Geist.

Markus 13,11
  • Kirchliche Woche
    Sonntag, 19.02.2012 bis Samstag, 25.02.2012
  • Feiertag
    Estomihi
  • Erklärung

    Die Karnevalszüge ziehen mit Getöse durch die Straßen. Menschen genießen die „tollen Tage“, bevor am Aschermittwoch alles vorbei ist. Der evangelische Gottesdienst macht mit seiner Evangelienlesung eine Woche vor der Passionszeit bereits das Leiden zum Thema.
    Der Name des Sonntags, Estomihi, mag als Anspruch klingen oder aber Bitte im Angesicht des Leidens sein. Er geht auf den Beginn des Sonntagspsalms zurück: Sei mir ein starker Fels und eine Burg (Psalm 31).
    Wie geht ihr mit dem Leid und der Ungerechtigkeit um? Mit welcher Motivation tut ihr das? Diese Fragen stellen die weiteren gottesdienstlichen Texte. Eines der motivierenden Bilder: Recht und Gerechtigkeit mögen erfrischend sein und nie versiegen.

  • Thema
    Der Weg zum Kreuz

Andacht

Evangelium für Estomihi: Lk 10,38-42

Die grauen Herren haben nur eins im Sinn: den Menschen die Zeit stehlen. Unter den Menschen lebt ein Mädchen mit struppigem Haar. Mit verzerrten Gesichtern verfolgen sie das Mädchen durch eine schmale Gasse. Die Männer rennen und hetzen. Doch sie kommen kaum voran: Je schneller sie rennen, desto weniger kommen sie vom Fleck. Und das Mädchen? Es verschwindet am Horizont und entkommt. Das Mädchen ist Momo – eine Phantasiefigur aus dem gleichnamigen Roman von Michael Ende. Und die Männer sind die „grauen Herren“, die nur eins wollen: Momo und den Menschen die Zeit stehlen.
Wie viel Zeit haben Sie? Ist der Terminkalender für die kommende Woche schon wieder gut gefüllt, um den Pflichten und Verpflichtungen nachzukommen? Fragen Sie sich auch manchmal: Wie viel Zeit bleibt da eigentlich für mich übrig? - „Wir führen ein Leben in Atemlosigkeit“, schreibt ein deutscher Soziologe. Wir leben immer schneller: mit Computer, Smartphone und ICE. Wir springen von einem Ereignis zum nächsten. Wir tun möglichst viele Dinge gleichzeitig. Unser Verstand kann die hohe Geschwindigkeit noch verarbeiten, doch unsere Gefühlswelt hält dem hohen Tempo nicht mehr Schritt: Das, was wir tun, berührt uns immer seltener, schreibt der Soziologe.
Im Lukasevangelium gibt es eine Geschichte, die handelt von zwei Schwestern, Martha und Maria, bei denen Jesus zu Gast ist. Martha nimmt Jesus gastfreundschaftlich in ihr Haus auf. Sie sorgt sich um ihren Gast, sie bekocht ihn, bettet ihn auf Kissen. Sie will, dass Jesus sich besonders wohl in ihrem Haus fühlt. Sie hat keine Zeit, Jesu Rede zuzuhören. Sie verliert sich bei ihrer Geschäftigkeit selbst aus dem Blick. Maria, ihre Schwester, hingegen nimmt sich diese Zeit. Auch wenn das bedeutet, unkonventionell zu sein. Maria verlässt ihre Rolle als Hausfrau und Gastgeberin. Maria sitzt zu Füßen Jesu, ruhig und besonnen. Sie hält inne und unterbricht ihren Alltag. Dann sagt Jesus zu Martha plötzlich: „Martha, Martha, du hast viel Sorge und Mühe. Eins aber ist not.“ Was sagt Jesus hier? Mit anderen Worten: „Stopp! Martha! Halte ein! Nimm dir eine Auszeit. Hole tief Luft und höre zu. Du musst mir nicht dienen, dein Können unter Beweis stellen und etwas leisten. Komm zur Ruhe und gib Gott Raum in deinem Leben. Diese Geschichte macht eines deutlich: Wir sollten uns mehr Zeit nehmen in dieser „beschleunigten Gesellschaft“. Zeit für mich. Zeit für Gott. Für das Eine, das not ist, wie es Jesus sagt. Der rechte Umgang mit der Zeit schafft Lebensqualität. So wie Momo es auch macht: Sie hastet nicht, sondern geht langsam. Sie macht Pause.

Marcus Buchholz, Pastor

Liturgische Farbe

Liturgische Farbe Violett - Bild von Erich Grün

Violett  - Mischfarbe von Himmel (blau) und Erde (rot) bestimmt die Bußzeiten als Zeiten aktiven Wartens auf eine neue Zeit und eine bessere Welt (Adventszeit, Passionszeit, Buß- und Bettag)

Bild: Sammlung Erich Grün                  (c) Ev.-luth. Landeskirche Hannovers

Text: Grethlein, C./Ruddat, G.: Liturgisches Kompendium