Kalenderblatt vom 25. August 2016

Losung

Meine Lippen und meine Seele, die du erlöst hast, sollen fröhlich sein und dir lobsingen.

Psalm 71,23

Lehrtext

Freut euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.

Lukas 10,20

Aktuelle Woche

Kirchliche Woche

Sonntag, 21. August 2016 bis Samstag, 27. August 2016

Wochenspruch

Christus spricht: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. (Matthäus 25, 40)

Feiertag

13. Sonntag nach Trinitatis

Erklärung

Liebe, Nächstenliebe, Barmherzigkeit: große Worte und oft im Munde geführt. Aber wie sind sie im Miteinander von uns Menschen mit Leben zu füllen? Die Texte am 13. Sonntag nach Trinitatis versuchen Antworten. „Soll ich meines Bruders Hüter sein?“ ist die Frage, die der Brudermörder Kain zu seiner Rechtfertigung stellt. Gott und seinen Nächsten lieben, ist das Gebot, das die Frage nach dem Nächsten herausfordert. Gott ist die Liebe, so definiert der 1. Johannesbrief die Quelle menschlicher Liebe. Fazit des Sonntags: Gott und seine Liebe suchen Nachfolger.

Thema

Die Liebe Gottes

1. Johannes 4, 7-12

Ihr Lieben, lasst uns einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist von Gott geboren und kennt Gott. Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe.
Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden.
Ihr Lieben, hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben. Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen

Andacht der Woche

Wenn man sich die Texte des heutigen 13. Sonntages nach Trinitatis anschaut, wird man schnell merken, dass sie um ein gemeinsames Thema kreisen. Alle Texte beschäftigen sich mit dem, was wir Christen als „Nächstenliebe“ kennen.

Im 112. Psalm (Wochenpsalm)  lesen wir: „Wohl dem Menschen, der gnädig leiht!“ 

Im 1. Johannesbrief  „Geliebte, lasst uns einander lieben, denn die Liebe ist aus Gott, und jeder, der liebt, ist aus Gott geboren und erkennt Gott.“

Am bekanntesten aber dürfte das Evangelium vom barmherzigen Samariter sein.  Zwei, von denen man Hilfe erwartet hätte, gingen vorüber. So lag der Mensch hilflos da, bis der dritte kam, zupackte und tat was die Situation erforderte, weil er „innerlich bewegt wurde“.

Liebe, das wissen wir alle, bewegt mich innerlich, setzt meine Hilfsbereitschaft in Bewegung, schafft, wie es die moderne Soziologie beschreiben würde, ein Resonanzverhältnis, lässt eine Beziehung erklingen.

„Was für ein übergroßes Glück, zu lieben und geliebt zu werden“, schrieb der russische Dichter Tolstoi. Recht hat er. Er drückt unsere Sehnsucht aus.  Wir alle wollen Liebe, wollen lieben und geliebt werden, wollen ein stimmiges Leben.

Was ist die Realität? Wer wird die Welt in Ordnung finden? Sie ist voller Hass, Mord, Bitterkeit, Hunger und Furcht, voller Überfluss und Verteilungsproblemen. Die Spannung zwischen unserem Wunsch und unserer Sehnsucht nach einem stimmigen liebevollen Leben und dem Scheitern dieser Sehnsucht begleitet uns unser ganzes Leben lang, und wenn wir in die Geschichte der Menschheit schauen - unsere ganze Geschichte.

Dabei hören wir Menschen seit 2000 Jahren bis auf den heutigen Tag die werbenden Worte, wie sie im 1. Johannesbrief geschrieben stehen: „ Gott ist die Liebe ... er liebt uns.“ Heißt das nicht:        

Weil DU geliebt bist von Gott, darfst DU dich selber lieben, brauchst Dich nicht         zu hassen, und bist deshalb liebesfähig, kannst Deinen Nächsten lieben. Und das, weil du ohn’ all’ Dein Verdienst und Würdigkeit geliebt bist - nicht          etwa, weil Du dieses oder jenes leistest.      Nur deshalb, weil DU bist, bist DU geliebt, und deshalb bist DU liebesfähig, fähig zu Frieden, Gemeinschaft und Hingabe, fähig zum Verzicht auf Deine eigenen, Unfrieden und Hass säenden Begierden.

Der Sehnsucht nach einem liebevollen, resonanten Leben begegnet der Erfahrung, nicht, vielleicht niemals, geliebt gewesen zu sein. Schon als Kind nicht. Und was wir als Kinder nicht erfahren durften, können wir als Erwachsene schlecht weitergeben. Diese frühesten Erfahrungen des Geliebtwerdens und des Nichtbeachtetwerdens sind tief in uns gespeichert und im erwachsenen Leben jeder Zeit abrufbar, im negativen wie im positiven Sinne. Im positiven Sinne kann folgende Erfahrung „gespeichert“ werden: Ich bin geliebt, auch wenn nicht jeder Wunsch in Erfüllung geht, ich kann es aushalten, nicht immer geliebt zu werden, auch gelegentlich abgelehnt zu werden und enttäuscht zu werden.  Im negativen Sinn würde folgende Erfahrung gespeichert: ich bin nur unter bestimmten Bedingungen liebenswert, ich störe eher mit meinen Bedürfnissen und Wünschen, ich muss mich erst  auf den anderen einstellen, bevor ich liebenswürdig bin, ich muss immer um die Liebe kämpfen. Wir Menschen machen im günstigsten Falle - auch wenn sich unsere Eltern und andere wichtige Bezugspersonen anstrengen - immer beide Erfahrungen.

Unser Glaube will uns helfen, dass wir der Liebe immer mehr vertrauen als unseren negativen Erfahrungen. Wir glauben an einen Gott, der die Liebe ist, der durch Jesus die Erfahrung des Geliebt-Sein mutig in diese heillose Welt der enttäuschten Sehnsucht und Verzweiflung hinein verkündigt und selbst danach gehandelt hat. Jesus war wie kein anderer davon überzeugt, dass die Liebe ansteckend wirkt und sich am Ende durchsetzt.

Martin Luther King hat auch einmal über diesen Text vor schwarzen Amerikanern gepredigt, also zu Menschen, denen man alles Mögliche angetan hatte, um ihr Fortkommen zu beschneiden, ihre Würde zu schänden, ihre menschliche Aussicht auf Zufriedenheit und Glück zu zerstören, ja, oft sogar ihre Gesundheit zu verwüsten; er sprach zu den Ärmsten der Armen in Alabama, und er hielt eine Rede, in der er eigentlich nur aufzählte, was man seinen Zuhörern möglicherweise zugefügt hatte:

„Es kann sein, du hast nie eine Schule besuchen können; es kann sein,  du hast nie ein paar Schuhe an deinen Füßen getragen; es kann sein, du kannst niemals deine eigene Muttersprache richtig reden; es kann sein, dass du deine Mutter nicht einmal kennen gelernt hast; es kann sein, dass du kein Zuhause hast; es kann sein, dass du kein Einkommen besitzt; es kann sein, dass du nicht weißt, wo du heute Abend schlafen sollst...“ Und nach jeden Satz fügte Martin Luther King hinzu: „Aber ich bin jemand!“  „Es kann sein, man hat dir oft erzählt, dass du ein Nigger bist;  - ,but I am somebody’ - „aber ich bin jemand!“  Nach wenigen Sätzen schon verwandelte sich diese Predigt in einen Gesang, in dem die Zuhörer refrainartig immer wiederholten: „Aber ich bin jemand!“ - but I am somebody.

Menschen zu zeigen, wie sie von Gott her ihre Würde wieder finden können, das bedeutet es, Gott zu lieben mit ganzen Herzen und den Nächsten wie sich selbst. Menschen zu zeigen, dass das wichtigste und schönste im Leben ist, für einander da zu sein, damit daraus die unableitbare Schönheit eines jeden Menschen  zum Vorschein kommt, heißt Gott zu lieben und den Nächsten wie sich selbst. 

Eines Tages fragte der Stoffhase das Holzpferd: „Was ist eigentlich wirklich?“

Das Holzpferd antwortete: „Wirklich ist nicht, woraus man gemacht ist, sondern was an einem geschieht. - Die Liebe macht wirklich.“

Pastor J.-Stephan Lorenz

 

Liturgische Farbe

Liturgische Farbe Grün - Bild von Erich Grün

Grün als Farbe der erwachenden und lebenden Natur bestimmt die Sonntage nach Epiphanias bis zur Passionszeit und die Sonntage nach Trinitatis.

Bild: Sammlung Erich Grün                 

© Ev.-luth. Landeskirche Hannovers

Text: Grethlein, C./Ruddat, G.: Liturgisches Kompendium

Quelle Losungen: Herrnhuter Losungen

Moment mal

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Wochenlied

Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ (EG 343

Jahreslosung 2016

Gestaltung: Dorothee Krämer