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Alles der Kinder wegen
Netzwerke in den Arbeitsformen für Kinder knüpfen
Kooperation sollte stattfinden zwischen den unterschiedlichen Angeboten für Kinder und Eltern in einer Region oder in einem Gemeindeverbund. Empirische Untersuchungen zeigen: „Alle reden über Kooperation, in der festen Überzeugung, genau zu wissen, was damit zum Ausdruck gebracht werden soll, aber jeder meint etwas anderes und manchmal bedeutet die Rede über Kooperation auch gar nichts.“ Eine Definition tut not. Ich meine, eine Kooperation ist der gemeinsame und freiwillige Versuch von mindestens zwei Arbeitsformen, Einrichtungen oder Verbänden, aus einer Zusammenarbeit einen Vorteil zu erzielen, der allein nicht so effektiv erreicht werden kann. Von einem Netzwerk kann gesprochen werden, wenn mehr als fünf Partner beteiligt sind.
Wer könnte kooperieren?
- Die verschiedenen Arbeitsformen kirchlicher außerschulischer bzw. schulnaher Arbeit mit Kindern: Kinderprojekte, Kindermittagstisch und Hausaufgabenhilfe, Kinderzeltlager, Kindergottesdienst, Kindergruppen, Vater- und Mutter-Kind-Gruppen, Krabbelgottesdienst, Konfirmandenunterricht im Grundschulalter, Kinderchöre, Kindergarten …
- Die verschiedenen Angebote für Kinder unterschiedlicher Altersgruppen außerhalb der Gemeindestrukturen: Arbeit mit Kindern in der katholischen Gemeinde, „Lückekinderhaus“, Kindergarten, Hort, Grundschule und andere Schulformen für die in den Blick genommene Altersstufe, insbesondere der Religionsunterricht, Vereine, Jugendfeuerwehr, Musikschule …
Zusammenarbeit ist sinnvoll, wenn man und frau eine Idee hat, was sie mit anderen gemeinsam machen wollen:
- Eine Kinderfreizeit oder Kinderbibelwoche ist aufwendig, aber zusammen mit den Mitarbeitenden im Kindergottesdienst und den Mitarbeitenden im Kinderchor?
- Gelegenheiten zur Begegnung schaffen zwischen den ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitenden in der Kirche oder vielleicht ein Neujahrsempfang aller Mitarbeitenden im Arbeitsfeld Kinder in einer Kommune. Wer sich besser kennenlernt, kann sich sympathisch finden und feststellen, dass auch gut einmal etwas zusammen für die Kinder unternommen werden könnte.
- Kinderfeste zum Martinstag oder zum jährlich stattfindenden Weltkindertag
- Die Krabbelkinder kommen in das Alter, wo sie auch schon mal ohne Mama und Papa etwas unternehmen wollen. Wie können die Mitarbeitenden in der Arbeit mit Kindern Kontakte zu den Familien herstellen, um die begonnene Arbeit in den Mutter- und Vater-Kind-Gruppen auf andere Weise fortzuführen?
- Die Kinder werden älter. Wie werden Verbindungen zum Konfirmandenunterricht und zur Jugendarbeit geknüpft und gepflegt?
- SchulanfängerInnengottesdienste können Mitarbeitende aus der Arbeit mit Schulkindern im Kindergottesdienst und in Kindergruppen zusammen mit LehrerInnen gestalten, um sich im Blick der Kinder und Eltern zu verankern. Vielleicht entwickelt sich so auch einmal Zusammenarbeit bei einer Projektwoche in der Grundschule.
- …
Große Chancen für eine Zusammenarbeit bestehen, wenn neben einer konkreten Idee die folgenden Aspekte berücksichtigt werden:
- Eine Kooperation braucht Führung und Leitungspersonen. Sie müssen immer wieder der Motor sein und halten insbesondere im Anfangsstadium, die noch losen Partner zusammen. Im Verlauf sorgen sie immer wieder für Verbindungen und die Motivation der Mitarbeitenden.
- Je größer der Kreis der Kooperationspartner, d.h. der haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden ist, umso eher bedarf es einen „harten Kerns“, der die Fäden zusammenhält, auf den Verlass ist.
- Es bedarf eines Regelwerks, wie die Zusammenarbeit erfolgen soll, wer welche Verantwortung trägt. Das kann mündlich miteinander besprochen werden. Es kann aber auch ein schriftlicher Vertrag entstehen. Dabei muss Spielraum für Veränderungen vorgesehen werden.
- Gemeinschaftsfördernde und Identitätsbildende Maßnahmen sind wichtig, damit ein Wir-Gefühl und gegenseitiges Vertrauen entstehen kann.
- Das Praxiswissen und die Erfahrungen der Beteiligten mit Kindern und Eltern in ihrem Tätigkeitsfeld müssen ihren wichtigen Platz haben.
- Es muss miteinander formuliert werden, was gemeinsam erreicht werden soll und dies muss im festgelegten Rhythmus immer wieder überprüft werden.
Wie kann nun die Arbeit mit Kindern in einer Region oder einem Gemeindeverband aufgebaut oder verändert werden?
1. Es finden sich – vielleicht zunächst wenige Leute zusammen, die Interesse an den Kindern und der Arbeit mit ihnen haben: Ehrenamtliche (Jugendliche und/oder Erwachsene), Hauptamtliche (DiakonInnen, PastorInnen, ErzieherInnen, LehrerInnen), Mitglieder der Leitungsebene (Kirchenvorstand, Vereinsvorstand …), Eltern. Sie sollen folgende Fragen miteinander klären:
- Was ist das Ziel unserer Zusammenarbeit?
- Was versprechen wir uns davon?
- Was soll praktisch für Kinder durch uns geschehen?
- Wer soll was tun?
- Was ist notwendig an Räumen, Zeit, Geld, Personen, Kompetenzen… und wer kann was einbringen?
- Welche Anforderungen haben wir aneinander?
- Was spricht als erste Abschlussbeurteilung für eine mögliche Zusammenarbeit, was dagegen? Geht es um eine Zusammenarbeit von Konkurrenten oder von sich ergänzenden Arbeitsformen bzw. Einrichtungen? Reichen die positiven Gründe für eine tragfähige Entscheidung?
Die gründliche und ehrliche Vorarbeit ist die Grundlage für die folgende
arbeitsintensive Gründungs- und Praxisphase.
2. Für die Gestaltung der Gründungsphase ist eine Bestandsaufnahme der bestehenden Angebote von der Krabbelgruppe bis zur Jugendarbeit notwendig. Diese Angebote sollten nach inhaltlichen Gesichtspunkten sortiert werden:
- Was lernen Kinder in dem jeweiligen Angebot für ihren Alltag, vom Glauben, über die Natur …?
- Wie lernen die Kinder? (planmäßig, durch Erfahren von Situationen, in
Unternehmungen …) - Was sind die vorwiegenden Tätigkeiten der Kinder in diesem Angebot?
Die Bestandsaufnahme dient nicht allein der Aufzählung und Wertschätzung der vorhandenen Angebote, sondern sollte unter folgenden Gesichtspunkten miteinander besprochen werden:
- Wo gibt es Doppelungen?
- Wo gibt es Lücken?
- Welche Gruppen von Kindern werden mit diesen Angeboten erreicht?
- Wo werden eher Mädchen, wo eher Jungen angesprochen?
- Welche Altersstufen werden angesprochen?
- Wo und wie werden Eltern erreicht?
3. Viel Zeit braucht nun die Klärung inhaltlicher Fragen.
- Wie werden Kinder in unserer Region, in unserer Stadt, in unserem Gemeindeverbund gesehen? (eher als Nachwuchs, als eigenständige Persönlichkeiten …)
- Wie ist es dazu gekommen? Wem nützt das? Wer bestimmt das?
- Was möchten wir fortführen und warum?
- Was möchten wir in Zukunft anders machen und warum?
- Eine nach Schwerpunkten gegliederte Gesamtplanung wird vorläufig entwickelt.
- Welche Ziele und Aufgaben wollen wir gemeinsam tragen? Wer übernimmt welche Aufgaben?
- Was heißt für uns Erfolg? Woran merken wir, dass wir erfolgreich waren?
- Was haben wir konkret davon? Wie groß ist der Nutzen im Verhältnis zum Aufwand?
- Was sind unsere Befürchtungen oder Schwächen bei der vorläufigen
Gesamtplanung? Wie können wir sie mildern? - Was muss noch geregelt und vereinbart werden? (Art der Zusammenarbeit, Aufgabenverteilung, Verantwortlichkeiten, Entscheidungswege, Dauer der Kooperation …)
- Wer wacht darüber, dass auch alles eingehalten wird?
4. Die vorläufige Planung wird überprüft mit der Frage: Sind die vorläufig geplanten Angebote für die Kinder in unserer Region zureichend? Es geht dabei weniger um eine repräsentative und empirisch abgesicherte Untersuchung, sondern darum, sich einen persönlichen Eindruck von der Lebenswelt der Kinder vor Ort zu verschaffen.
Trotzdem müssen Untersuchungsfragen festgelegt werden. Eine mögliche Auswahl:
- Wo und wie wohnen Kinder hier?
- In welche Schulen gehen sie? Welche Schulwege haben sie?
- Welche Kindergärten besuchen sie?
- Welche bestehenden Angebote nutzen sie und warum?
- Wo und wie verbringen sie ihre Freizeit außerhalb von Einrichtungen und Verbänden?
- Wie möchten Kinder ihre Freizeit gerne/lieber verbringen?
- Welche Freizeitangebote wünschen Eltern für ihre Kinder bzw. mit ihren Kindern?
- Wie legen Kinder ihre Wege zurück? (allein, mit Gleichaltrigen oder mit der „Mutterchauffeurin“)
- …
Art der Untersuchung:
Wichtiger als die Sammlung vieler Daten ist es, sich mit Kindern und Erwachsenen anhand der entwickelten Fragen zu unterhalten. Daher sollten keine Fragebögen erstellt werden, sondern die Form des persönlichen Befragens und Beobachten gewählt werden. Allerdings erhält man und frau durch diese Art der Untersuchung eher Meinungen und nicht unbedingt Tatsachen.
Aufgabenverteilung:
- Hospitation bei bereits bestehenden Angeboten anderer Anbieter aus dem gebildeten Netzwerk oder der Kooperation. Dazu muss ein
Vertrauensverhältnis bestehen, was bereits unter den vorhergehenden Schritten erläutert worden ist. (Wer besucht wen?) - Befragung von Kindern (an welchen Orten und Plätzen? Zu welcher Zeit?)
- Befragung von Erwachsenen, die mit Kindern zu tun haben: LehrerInnen, KinderärztInnen, Passanten in der Umgebung von kindlichen Spielorten, Vereinsleitungen, Mitarbeitende in Erziehungsberatungsstellen oder Kinderschutzzentren, Geschäftsleute, z.B. Kioskbetreiber, Spielzeugläden etc.
- Beobachten (eventuell fotografieren) von öffentlichen Spielorten (solche, die angelegt sind und solche die Kinder selbst wählen)
- …
Sichtung und Auswertung der Ergebnisse:
Eine beschreibende Sammlung von Daten nützt wenig. Es ist nötig, Einzelergebnisse im Hinblick auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu verstehen, zu deuten und zu erklären. Hilfsfragen, um zu einer Einschätzung der bereits bestehenden und neu gewollten Angebote zu kommen, können sein:
- Wie werden bestehende Angebote genutzt? Sind sie ausreichend? Sind sie nicht ausreichend? Warum?
- Welche Kinder erscheinen benachteiligt? Warum?
- Welche bestehenden und welche geplanten Angebote sollten aus diesem Blickwinkel vordringlich beendet bzw. neu begonnen werden?
- Die Ergebnisse müssen geordnet und schriftlich festgehalten werden, um eine Bestätigung bzw. Veränderung der vorläufigen Gesamtplanung zu erhalten.
5. Weitere Überprüfung und Rückbindung in die Leitungsebene oder verschiedene Leitungsebenen. Das ist davon abhängig, ob sich unterschiedliche Träger zu einer Kooperation oder einem Netzwerk zusammengeschlossen haben. Dazu können folgende Fragen hilfreich sein, bevor es zu einer Präsentation und einem Beschluss über die Gesamtplanung kommt.
- Wen können wir vielleicht als Bündnispartner gewinnen? Was ist mit
möglichen Gegnern? - Welche Entscheidungen sollen gefällt werden?
- Welche finanziellen Mittel werden benötigt? Wie können sie beschafft
werden? - Welche Räumlichkeiten werden gebraucht?
- Schritte planen: Wen wollen wir in der nächsten Zeit ansprechen, besuchen und um Unterstützung bitten?
6. Beginn der praktischen Umsetzung der beschlossenen Gesamtplanung
Jetzt geht es möglicherweise um die angemessene Beendigung von Angeboten, um die Fortführung von Angeboten und/oder um den Anfang mit einem oder mehreren neuen Angeboten. Und wieder gibt es eine Reihe von Fragen, die Hilfestellung bieten können:
- Was sind für uns die ersten Schritte, die getan werden müssen? Wer macht sie?
- Haben wir eine Testphase eingeplant, um frühzeitig Korrekturen vornehmen zu können?
- Wie werden zu beendende Arbeitsformen mit Achtung verabschiedet z. B. mit einem Fest, einem Gottesdienst …
- Wie werden Veränderungen und neue Arbeitsformen eingeführt?
- Wie werden Identitätsstiftende Maßnahmen wie Zeichen, Armbänder,
Schlüsselbänder, T-Shirts, Sticker, …, und Auftritte in der Öffentlichkeit geplant und umgesetzt, damit sich ein Wir-Gefühl entwickeln kann? Wie wird dafür gesorgt, dass sich auch zwischen den Mitarbeitenden ein Wir-Gefühl entwickeln kann, z.B. durch Mitarbeitendentreffen …? - In welchem Rhythmus und in welcher Form wird geprüft, ob sich das Handeln in der Praxis konsequent darauf ausrichtet, die gesetzten Ziele bzw. Ergebnisse zu erreichen?
- Wird die Arbeit mit den Kindern durch Maßnahmen öffentlicher und interner Anerkennung und Aufmerksamkeit unterstützt, z.B. Öffentlichkeitsarbeit, Ehrungen durch die Leitung, Geburtstage im Blick haben, Wertschätzungen für die Leitung, gerade, wenn sie ehrenamtlich tätig ist… Wer achtet darauf?
- Wie wird für die Aus- und Fortbildung haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitender gesorgt?
Im Verlauf wird es immer wieder darum gehen, die Arbeitsfähigkeit herzustellen. Vertrauen ist dabei die zentrale Voraussetzung, die immer wieder neu belebt werden muss. Deshalb sollten regelmäßige Reflexionsrunden über die gemachten Praxiserfahrungen immer auch die
Auseinandersetzung mit der eigenen Person ermöglichen:
- Wie gehe ich mit Neuem und Experimenten um?
- Wie trete ich vor Kindern auf? Wie trete ich vor Eltern auf?
- Wie sage ich was?
- Wie viel traue ich mir zu?
- Wo sind meine Grenzen?
- Wo gehe ich über meine Grenzen hinaus?
- Wo mache ich Kompromisse und ordne mich unter oder ein?
- Wie hört sich meine Stimme an – vor Kindern, vor Eltern, vor anderen
Mitarbeitenden? - Wie fühlt sich mein Körper an, wenn ich allein vor einer Gruppe stehe?
- Wie ergeht es mir mit Kritik? Wie mit Applaus? Wie mit Lob?
- Wie kommt meine Tätigkeit mit den Kindern in meinem Umfeld an?
Diese Strategie zur Entwicklung einer Planung für die Arbeit mit Kindern in einer Region oder einem Gemeindeverbund ist auch in anderer Folge denkbar, z.B. könnte auch mit der Untersuchung der Lebenssituation der Kinder begonnen werden. Wichtig ist in jedem Fall, dass neue Schritte immer auf alte rückbezogen werden; und dass Rückschläge nicht zur Mutlosigkeit, sondern zum Nachdenken veranlassen. Während eines solchen Prozesses hat sich häufig für bestimmte Phasen externe Beratung bewährt. Sie kann beispielsweise in Anspruch genommen werden durch Mitarbeitende im Landesjugendpfarramt, in der Arbeitsstelle Kindergottesdienst und in den Kirchenkreisjugenddiensten.
Und nun viel Spaß und einen langen Atem für die praktische Entwicklung der Arbeit mit den Kindern!