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Bild: Ulrich Ahrensmeier

Geschichte der Posaunenchorbewegung

Klang und Musiziertechnik sollten geistlich sein

kuhlo
Johannes Kuhlo

Geistliche Chöre in reiner Blechbläserbesetzung entstanden erstmalig Mitte des 18. Jahrhunderts in der Herrnhuter Brüdergemeinde. Aber erst 100 Jahre später erfuhr die Posaunenchorarbeit ihre wahre Entfaltung durch Pastor Eduard Kuhlo und vor allem durch dessen Sohn Johannes Kuhlo.

Sie versuchten, der „weltlichen” Blasmusik, wie sie sich vor allem in der Militärmusik manifestierte, eine rein geistliche Blasmusik entgegenzustellen. Diese geistliche Bläsermusik sollte nicht nur durch ihr Repertoire, sondern allein schon durch ihren Klang und ihre Musiziertechnik spezifisch geistlich erscheinen.

Heute sind die Posaunenchöre ein fester Bestandteil des evangelischen Gemeindelebens im deutschsprachigen Raum. Mehr als 60.000 Erwachsene, Jugendliche und Kinder haben heute am Erbe Johannes Kuhlos teil. Auf Blechblasinstrumenten spielen sie alte und neue Musik: Choräle, Instrumentalstücke, Volkslieder aus aller Welt. Damit wollen sie sich und andere Menschen erfreuen und daran erinnern, dass Gott sie liebt. Darum wirken sie vor allem bei Gottesdiensten und Veranstaltungen der Kirchengemeinde mit, darum spielen sie in sozialen Einrichtungen (Altersheim, Krankenhaus) sowie bei Feiern und Festen.

Bei allem Wandel in der Arbeit der Posaunenchöre ist das vorrangige Ziel geblieben, durch das Musizieren Gott zu loben, so wie es Psalm 98 sagt:
„Mit Trompeten und Posaunen jauchzt vor dem Herrn, dem König.”

Johannes Kuhlo (1856 - 1941)

Der später sogenannte  „Posaunengeneral“ und Pfarrer Johannes Kuhlo begann im Alter von acht Jahren als Bläser mit einer Altposaune. Zwei Jahrzehnte später hatte er sich einen Namen durch Bläsertreffen und Bläserschulungen gemacht. 1892 übernahm er das Pfarramt in den von Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel und wurde dort Vorsteher der Diakonenanstalt Nazareth. Die auszubildenden Diakone lehrte er das Spielen von Blechblasinstrumenten.

„Kuhlo I bis IV“ gab er als Notenbücher für Posaunenchöre von ihm heraus. Seine schlichten, aber wirkungsvollen Choralsätze gehören bis heute zum Standardrepertoire eines Posaunenchores.