Kirchenmusik
Musik vertreibt den Teufel
Die Musik „vertreibt den Teufel und macht die Menschen fröhlich“, erklärt der Reformator Martin Luther die Wirkung der Musik. Luther, seine Anhänger und im Gefolge viele Musiker machten das volkssprachliche Kirchenlied wie überhaupt die Musik zum wesentlichen Bestandteil ihres Glaubens und der Feier des Glaubens.
Die Kraft des Evangeliums in der Verbindung von Sprache und Musik erreichte die Menschen, vermittelt seither reformatorische Glaubensgewissheit, bringt die Texte der Bibel zum Klingen, deutet, bekennt, ermahnt, tröstet und betet. Folglich sind unter anderem die reformatorischen Lieder ein wichtiger Teil deutscher Theologie-, Literatur- und Musikgeschichte. Sie haben bei den Menschen durch die Jahrhunderte Spuren hinterlassen, aber auch in herausragenden musikalischen Schöpfungen, in Film und Theater, in Lyrik und Romanen.
Das gemeinsame Singen setzt Kräfte frei
Ein ureigener reformatorischer Impuls ist, dass alle an der Musik aktiv teilhaben. So gehört der Gemeindegesang als wichtiger Bestandteil in den protestantischen Gottesdienst.
„Es hat ja in der Geschichte der Reformation Zeiten gegeben, da sind durch das Absingen neuer Choräle, neuer lutherischer Choräle, katholische Gottesdienste gesprengt worden – und zwar so gründlich, dass die Menschen seitdem protestantisch waren. Das waren Leute, die nicht lesen und schreiben konnten, wahrscheinlich auch die Thesen an der Schlosskirche in Wittenberg nicht lesen konnten, sie konnten aber singen."
aus: Reformation und Musik, EKD-Magazin zum Themenjahr der Lutherdekade Nr. 4
Musikalischer Reichtum
Im Laufe der Jahrhunderte brachte die evangelische Kirchenmusik eine Vielzahl von Kompositionen hervor. Instrumentalisten, Organisten und Organistinnen, Chöre, Solistinnen und Solisten, Posaunenchöre und Bands bringen sie in den Kirchen zum Klingen. Alte und neue Texte, alte und neue Melodien werden so in die Welt hinaus und in die Menschen hinein getragen. Freude und Trauer, Lob und Klage, Staunen und Protestieren bekommen mit ihnen eine Stimme und im doppelten Wortsinn eine Resonanz.
Am 31. Oktober 2011, dem Reformationstag, wurde das fünfte Themenjahr der Lutherdekade „Reformation und Musik“ in Eisenach eröffnet. Es soll den großen Reichtum protestantischer Kirchenmusik mit Konzerten, Ausstellungen und Wettbewerben widerspiegeln.
Jahr der Kirchenmusik 2012
Das Themenjahr 2012 der Lutherdekade gehört der Kirchenmusik.
Zentrum für Gottesdienst und Kirchenmusik
Das Evangelische Zentrum für Gottesdienst und Kirchenmusik im Hildesheimer Michaeliskloster fördert die Kirchenmusik in ihren traditionellen und neuen Formen.
Aus den Tagesthemen
Die hannoversche Landeskirche hat ihren ersten „Pop-Kantor“. Der Musiker Til von Dombois (31) will mit neuen Songs, Keyboard und E-Gitarre ein junges Publikum ansprechen.
Buchtipp
Jochen Arnold, Klaus-Martin Bresgott (Hg.): Kirche klingt - 77 Lieder für das Kirchenjahr
ISBN 978-3-7859-1065-8
In diesem Buch aus der Reihe „gemeinsam gottesdienst gestalten“ werden 77 alte und neue Lieder der Reformation, deren Geschichte und Kurzportraits ihrer Komponisten vorgestellt.
(erscheint im Dezember)
E-wie-evangelisch
Für Martin Hoepfner sind Komponisten diejenigen, die durch ihre Musik, eine gute Botschaft und die Menschen, die sie hören, miteinander verbinden.