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Miteinander feiern

Bubte Fähnchen
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Die Feuerwehr feiert ihr Jubiläum, der Schützenverein möchte mit der Kirchengemeinde im Festzelt feiern, das Dorffest soll mit einem Gottesdienst beginnen, zum Straßenfest wird eine Andacht gewünscht, ein Geschäft soll mit einer ökumenischen Andacht eröffnet werden …

Vereine, Verbände, Institutionen wünschen sich einen Gottesdienst oder eine Andacht. Das sind oft freudige und dankbare Anlässe.

Aber auch zu den dunklen Augenblicken des Lebens kommen Menschen zusammen in der Kirche oder an einer Unglücksstelle. Das Transrapidunglück im Emsland war solch ein Augenblick oder der Amoklauf eines Schülers oder die Ermordung zweier Kinder. Menschen suchen dann nicht nur einen Ort für ihren Schmerz, ihre Sprachlosigkeit, ihre Fragen. Sie hoffen auch auf eine Perspektive, suchen sie in der Stille und im Gebet oder in einem Zeichen wie einer brennenden Kerze.

Menschen unterschiedlicher Herkunft und Prägung kommen zusammen

Lebensfreude und die Erfahrung, dass Leben bedroht ist, führt Menschen unterschiedlicher Herkunft und Prägung zusammen. Da feiern oder schweigen Seite an Seite Menschen verschiedener Konfessionen, verschiedener Religionen, kirchlich geprägte oder entkirchlichte. Sie sind durch einen Teil gemeinsamen Lebens oder durch gemeinsame Betroffenheit verbunden.

Es ist ein Unterschied, ob wir als evangelische Kirche um einen Gottesdienst gebeten werden oder ob wir gefragt werden, einen ökumenischen Gottesdienst zu feiern, oder ob wir in gemeinsamer Verantwortung mit anderen Religionen feiern.

Im ersten Fall ist die Erwartung eindeutig: Wir mögen mit unseren Texten und Riten unseren Glauben feiern und uns darin vergewissern. Eine ökumenische Gestaltung hat den gleichen Grund und das gleiche Ziel, verlangt jedoch bereits Rücksicht auf den jeweils anderen, Bedenken und Fingerspitzengefühl für Annäherung und Distanz. Im letzten Fall gilt dies verstärkt. Es ist zu unterscheiden zwischen miteinander und nebeneinander:

„Eine solche religiöse Feier ist dann keine interreligiöse Feier, sondern die Darstellung des wirklich Gemeinsamen dieser Gemeinschaft. Antworten, die dabei gegeben werden, dienen eher dem Vertiefen der gemeinsamen Frage und weniger – wie in einem Gottesdienst – der Vergewisserung im gemeinsamen Bekenntnis.“

Zitat aus: „Mit anderen feiern – Gemeinsam Gottes nähe suchen“ – Eine Orientierungshilfe der Liturgischen Konferenz für christliche Gemeinden zur Gestaltung von religiösen Feiern mit Menschen, die keiner christlichen Kirche angehören

Buchtipp

Buchtitel Mit Anderen Feiern

 

 

Liturgische Konferenz (Hg.): Mit Anderen feiern - gemeinsam Gottes Nähe suchen. Eine Orientierungshilfe der Liturgischen Konferenz für christliche Gemeinden zur Gestaltung von religiösen Feiern mit Menschen, die keiner christlichen Kirche angehören
ISBN 978-3-579-03184-2