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Bild: Ulrich Ahrensmeier

Abschiede feiern

Wie wird es jetzt weitergehen?

Eine lange Straße
Bild: olly - Fotolia.com
  • Der kleine Junge lässt seine Mutter nicht gehen, er weint: Heute ist sein erster Tag im Kindergarten.
  • Die Eltern winken dem Bus hinterher: Ihre Kinder brechen zu einer Freizeit auf.
  • Die Kartons stehen gepackt im Flur: Der Sohn zieht in eine eigene Wohnung.
  • Ohne ein Wort hat der Mann die Tür hinter sich ins Schloss fallen lassen: Nach zwölf gemeinsamen Jahren will er die Scheidung.
  • Die Kollegen und Kolleginnen haben Fotos aus dem gemeinsamen Berufsleben gesammelt und ein kleines Album zusammengestellt, Hände werden gedrückt, man umarmt sich: der Abschied in den Ruhestand.
  • Eine Tochter sitzt am Bett ihres Vaters, sie hält seine Hand: Er liegt im Sterben.
  • Die Familie hat sich am offenen Sarg versammelt: Noch eine letzte zärtliche Berührung.

Abschied fällt schwer. Es schmerzt, einen lieben Menschen loslassen zu müssen. In dem Wort Abschied steckt das Wort scheiden. Die Wege trennen sich, sei es nur für kurze Zeit oder für immer. Abschied bedeutet loslassen müssen können.

Manchmal auch loslassen wollen. Abschied kann auch befreiend sein: ein Schritt ins eigene Leben, eine neue Perspektive. Sogar der Tod kann Befreiung bedeuten: „Sie ist jetzt erlöst".

Da tut es gut, ihn noch einmal in den Arm nehmen zu können, ihr einen Kuss zu geben: noch einmal einander spüren. Es ist wohltuend, dem oder der anderen etwas mit auf den Weg geben zu können oder selbst etwas als Erinnerung, als Andenken zu behalten. Gute Wünsche gehören dazu.

Abschiedsrituale helfen. Sie ermöglichen den Blick zurück, suchen danach, was bleiben, was festgehalten werden kann. Und sie fragen nach einer Perspektive: Wie wird es jetzt weitergehen?

Im Zusammenhang mit solchen Ritualen sprechen wir auch von „Abschied feiern“. Noch einmal zusammenkommen, Wünsche und Zeichen mit auf den Weg geben. Das kann auch in einem besonderen Gottesdienst oder einer Andacht geschehen: Einerseits bedenken, dass zum Leben das Loslassen gehört, andererseits sich eines bleibenden Halts zu vergewissern.
 

E-wie-evangelisch

Leben sei Bewegung und damit Abschied, schreibt Iris Volk in „e-abschied“.

e-abschied