sorgenkopf

Bild: © freeday - photocase.com 

Der Trauergottesdienst

Sie sollten einen vertrauten Menschen bitten, beim Trauergottesdienst und bei der Bestattung an Ihrer Seite zu sitzen und Sie auf dem Weg an das Grab zu begleiten. Der Tag der Beisetzung ist so wichtig, weil er dem oder der Verstorbenen die Würde eines öffentlichen Abschieds gibt. Sie und andere Menschen, die mit Ihnen trauern, erhalten die Möglichkeit, dem Toten das letzte Geleit zu geben, an ihn, an sie zu denken, ihm oder ihr noch einmal Zeit zu schenken und für ihn, für sie zu beten. Natürlich gibt es auch gute Gründe für einen Abschied „in aller Stille“ und eine Beisetzung im engsten Familienkreis. Überlegen Sie mit anderen gemeinsam, was in Ihrer Situation die passende Form ist, und bedenken Sie bitte, dass beim Abschied in „aller Stille“ die Freunde und Freundinnen, Kollegen und Kolleginnen, Nachbarn und Nachbarinnen... das Gefühl haben können, vom Abschied nehmen ausgeschlossen zu sein. Der Trauergottesdienst findet in der Regel in der Friedhofskapelle statt.


Es ist gut, wenn die Angehörigen rechtzeitig da sind. Sie haben so Zeit, persönlich Abschied zu nehmen und sich auf die Situation einzustellen. Der Trauergottesdienst wird in der Regel mit Orgelmusik, Begrüßung und Gebet eröffnet. Biblische Lesungen, aus dem Neuen Testament, die vom Trost und der Hoffnung auf Auferstehung künden, folgen.


Die Ansprache bringt das Leben der Verstorbenen in Zusammenhang mit den Verheißungen Gottes, der Schuld vergibt, der niemanden allein lässt. Von der Trauergemeinde gesungene Lieder helfen, der Hoffnung Ausdruck zu geben, dass Gott Wege eröffnet, wo keiner mehr ein noch aus weiß. Die Klage klingt angesichts eines hochbetagten Menschen anders als angesichts eines durch Unfall aus dem Leben Gerissenen oder gar eines Kindes. Aber wenn Traurigkeit und Leid in Worte gekleidet werden und so Sprache finden, hilft das. Wenn Traurigkeit und Leid ausgesprochen, herausgeweint oder -geschrieen werden, können sie sich nicht mehr ausbreiten, wohin sie wollen – sie bekommen eine Richtung hin zu Gott, der heilen kann.


Nach der Trauerfeier begleitet die Gemeinde den verstorbenen Menschen in einem Trauerzug auf den Friedhof zur Grablegung. Pastorin oder Pastor gehen mit dem Friedhofsgärtner voraus, dann folgt der Sarg und die nächsten Angehörigen hinter dem Sarg. Draußen am Grab nehmen Angehörige, Verwandte und Freunde mit der ganzen Trauergemeinde endgültig Abschied. Sichtbar vollzogen wird dieses Hergeben des verstorbenen Menschen bei der Erdbestattung durch das Absenken des Sarges.

Handelt es sich um eine Trauerfeier vor einer Einäscherung, so wird der Sarg im Anschluss an die Trauerfeier ins Krematorium überführt. In der Regel findet die Aussegnung am geöffneten Bestattungswagen statt. Die Trauergemeinde bleibt solange vor der Kapelle zusammen, bis der Wagen das Gelände verlassen hat.
Eine Urnenbeisetzung erfolgt meist einige Zeit nach der Trauerfeier; auch sie wird normalerweise von der Pastorin oder Pastor begleitet und entspricht in etwa dem Ablauf der Erdbestattung. 

Nach dem Absenken des Sarges oder der Urne erfolgt der dreimalige Erdwurf mit den Worten: „Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub“ (Psalm 104,29). Die Pastorin und der Pastor werfen Erde auf den Sarg. Damit beginnen sie symbolisch, das Grab zu schließen. Der Erdwurf hat einen hart wirkenden Anteil: die Erde fällt auf den Sargdeckel. Dieses Element der Bestattung ist wichtig, denn ohne diese herbe Geste können wir uns hier wie sonst im Leben nicht trennen. Der Erdwurf hat auch einen zärtlichen Anteil: Schützend soll der Sarg mit Erde zugedeckt werden. Nach dem dreimaligen Erdwurf wird der Tote, die Tote Gott anbefohlen: Wir befehlen ihn, sie in Gottes Hand; Jesus Christus wird ihn, sie auferwecken an seinem Tag.

Autor: Pastor Edzard Stiegler