sorgenkopf

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Über den Tod sprechen

Gelbe Tulpen vor einem klassischen Grabstein
Es gehört zu den klassichen Liebesdiensten gegenüber einem Verstorbenen, sein Grab zu pflegen. Bild: Kay Oppermann

Sprechen Sie über den Tod des Menschen, den Sie verloren haben. Nennen Sie dabei den Tod beim Namen – sagen sie: „Er ist tot“, „Als er gestorben ist, …“. Jedes Aussprechen hilft Ihnen selbst, den Tod ein Stück mehr zu begreifen. Und es signalisiert Ihren Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern, dass Sie bereit sind, sich auf den Tod und auf Ihre Trauer ansprechen zu lassen. Für sich selber sorgen Nehmen Sie sich Raum und Zeit für Ihre Trauer. Sagen Sie deutlich Ihre Wünsche, lassen Sie sich nicht hetzen, lassen Sie sich nicht einreden, dass Sie sich unangemessen oder verrückt verhielten. Es ist normal und angemessen, auf besondere Umstände und Krisen in besonderer Weise zu reagieren. Trauen Sie Ihren Impulsen und setzen Sie Ihre Bedürfnisse durch, auch wenn es anderen schwer fällt, Ihre Trauer zu ertragen.


Das gilt besonders für die Zeit des Abschiednehmens am Sterbe- und Totenbett und am Sarg: Sie haben dazu nur dieses eine Mal die Gelegenheit. Nutzen Sie sie in der zu Ihnen passenden Weise. Gehen Sie zum Friedhof, so oft Sie wollen. Erzählen Sie Geschichten über Ihre Verstorbenen, so oft Sie möchten. Wenn die Menschen in Ihrer unmittelbaren Umgebung sie nicht mehr hören können, suchen Sie andere Zuhörende wie Pastor oder Pastorin, eine Selbsthilfe- oder Trauergruppe, psychologische Beratung. Bedürfnisse äußern Menschen, die Ihnen nahe stehen, möchten Sie in der Zeit der Trauer gern unterstützen, sind aber vielleicht unsicher, wie sie sich Ihnen gegenüber verhalten sollen. Sagen Sie anderen direkt und offen, was Sie brauchen und wünschen, sei es seelischer oder emotionaler Beistand, etwa dass jemand bei Ihnen bleibt, Sie in den Arm nimmt, Sie weinen lässt, Sie erzählen lässt, mit Ihnen schweigt oder betet. Oder Sie brauchen tätige Hilfe beispielsweise beim Gang zum Grab, bei Behördengängen, beim Sortieren des Nachlasses der Verstorbenen, bei Einkauf, Kochen oder Haushalt.


Möglicherweise verlangt es Sie nach Ruhe, Abstand, Rückzug. Sie wollen keine Besuche, keine Fragen nach der Trauer, keine Beileidsbekundungen. Äußern Sie auch, wenn Ihre Bedürfnisse sich nach einiger Zeit verändern !

Pastor Edzard Stiegler: Vom christlichen Umgang mit Sterben und Tod, Matthäus Kurier No. 144