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Texte und Gebete

Bibelwort über das Alter

Dankbarkeit
Viele Menschen sind dankbar über das erreichte Alter. 62% der 70-85-Jährigen gaben 2008 an, mit ihrem Leben hoch zufrieden zu sein. Dieser hohe Zufriedenheitswert zeigt, dass die Menschen gesundheitliche Einschränkungen und Verluste akzeptieren und in ihr Leben integrieren können. Außerdem sind sie sich dessen bewusst, dass frühere Generationen es häufig schwerer hatten, früher erkrankten und verstarben. 

In unserem evangelischen Gesangbuch (EG) gibt es unter der Nr. 940 ein Gebet, das von der Dankbarkeit im Alter spricht. (Siehe rechte Box)

Freude und Dankbarkeit über das Erreichen eines hohen Alters sind schon ein biblisches Thema. Es gibt eine Sichtweise im Alten Testament, die das Alter als Segen und Verheißung beschreibt:
„Es soll keine Frau in deinem Lande eine Fehlgeburt haben und ich will dich lassen alt werden.“ 2.Mos. 23,26
„Es sollen keinen Kinder mehr da sein, die nur einige Tage leben oder Alte, die ihre Jahre nicht erfüllen.“ Jes. 65
Hier wird die ganze Spanne des Lebens vor dem Menschen ausgebreitet. Die Lebenszeit gilt als Verheißung, sie soll durchlaufen werden können, ohne durch Krieg und Not vorzeitig zerstört zu werden. Wo das gelingt, wird es als Segen empfunden- so, wie die Fruchtbarkeit des Landes, der Felder und des Viehs ein Segen sind. Anfang und Ende als Segen aus Gottes Hand.

Mose wurde verheißen, dass er nach einem erfüllten Leben im hohen Alter sterben würde:
„Du sollst fahren zu deinen Vätern mit Frieden und in gutem Alter begraben werden.“ 1.Mose 15,5
In gutem Alter - das heißt, wenn der Lebensauftrag erfüllt ist. Mose hatte das Volk soweit geführt, dass das gelobte Land vom Berg aus zu sehen war. Betreten hat er es nicht mehr. Es heißt, er wurde 120 Jahre alt. Selbst wer so alt wird, blickt auf Erreichtes und Unerreichtes zurück. Das gelobte Land liegt jeweils in der Zukunft. Der Glaube kennt eine Zukunft jenseits des irdischen Horizontes.
Alt werden gehört zum verheißenen Leben.

Gebet um Gottes Hilfe

Unter der alten Brücke zieht der Fluss ruhig hindurch.
Bild: rike / pixelio.de

Im Psalm 71 betet der Gläubige um Gottes Hilfe im Alter:
„Verwirf mich nicht in meinem Alter, verlaß mich nicht, wenn ich schwach werde.
Gott, sei nicht ferne von mir; mein Gott, eile, mir zu helfen!“
(Psalm 71,9-11).
Aus den Psalmen lernen wir, dass auch die Klage des Kranken und Bitte um Gottes Schutz und Trost in der Not seit jeher zum Glauben gehören.
Psalm 3, 1-9 in Auswahl1:
„HERR, auf dich traue ich, laß mich nimmermehr zuschanden werden, errette mich durch deine Gerechtigkeit!
3 Neige deine Ohren zu mir, hilf mir eilends! Sei mir ein starker Fels und eine Burg, daß du mir helfest!
4 Denn du bist mein Fels und meine Burg, und um deines Namens willen wollest du mich leiten und führen.
8 Ich freue mich und bin fröhlich über deine Güte, daß du mein Elend ansiehst und nimmst dich meiner an in Not
9 und übergibst mich nicht in die Hände des Feindes; du stellst meine Füße auf weiten Raum.“

Auch heute erfahren Menschen im Gebet die Nähe Gottes. Die Psalmen können eine Hilfe sein, viele Generationen vor uns haben so gebetet. Gott erhört aber ebenso die selbst formulierten Gebete. Wichtig ist die persönliche Hinwendung zu Gott und das Vertrauen, dass er freundlich ist. Studien zeigen, dass Menschen, die aus eigener, innerer Überzeugung religiös sind und ein positives Gottesbild haben, Krankheiten und Verluste des Alters besser bewältigen.

Demnach kann Religiosität das Älterwerden erleichtern, weil

  • „sich der ganze Mensch trotz abnehmender Leistungsfähigkeit und Attraktivität angenommen weiß,
  • das Vertrauen auf eine helfende und Schuld verzeihende Macht sich in einer spirituellen Grundhaltung niederschlägt, die Hoffnung vermittelt,
  • Sinn auch im Leiden erfahren werden kann,
  • das Gefühl des Getragenseins in einer Gemeinschaft weiterhilft,
  • die Haltung, sich „dem Willen Gottes“ vertrauensvoll überlassen zu können, entlastet
  • durch gemeinsame Rituale wie Gebet oder Meditation Stress abgebaut wird“


Zitat aus: Dr. Michael Utsch, Berlin: Hilft Glaube heilen? Die Bedeutung des Gebets. Aufsatz 2005

Dankbarkeit

Heute, mein Gott, will ich dir danken, für die bisherige Lebenszeit mit allem, was sie mir gebracht hat. Ich danke dir für die kleinen Freuden des Alltags, für jeden Baum, für jeden Strauch, für den Gesang der Vögel in den zweigen, für die menschen, die mir begegnen, und die zu mir gehören.
Es ist noch so viel, was mein Leben reich macht. Erhalte mir, Herr, ein waches Bewusstsein für den Reichtum meiner Tage.
Ich will nicht klagen über das, was mich beschwert, freuen will ich mich, daß ich deiner Treue gewiß sein darf und deiner Vergebung.
Hilf mir, Herr, daß ich den Menschen meiner Umgebung mit offenen Augen begegne. ich weiß nicht, wieviel Zeit du mir noch zumessen wirst. Darum will ich dir danken, Gott, für jeden Tag und jede Stunde, die du mich leben läßt. 

Evangelisches Gesangbuch 940