In Partnerschaft
Jeder seinen eigenen Kopf
Die eigene Zeit und die gemeinsame Zeit müssen aufgrund der Veränderungen durch den Ruhestand neu strukturiert werden. „Bei den meisten erwerbstätigen Paaren war die Tages- und Wochenstruktur jahrzehntelang von der Erwerbstätigkeit eines oder beider Partner geprägt.“ Für viele ältere Menschen ist die Zeitverwendung sehr stark durch das Haushaltsleben geprägt. „Der Haushalt liefert gleichsam neue ‚Zeitmarken’ für den Alltag und strukturiert den Tagesablauf.“ Die eigene und die gemeinsame Zeit bedürfen einer Neustrukturierung. Probleme können sich beispielsweise ergeben, wenn der pensionierte Partner eine starke Fixierung auf die Arbeit aufgewiesen hat und nun mit der plötzlich frei gewordenen Zeit nicht viel anzufangen weiß.
Die Rollenverteilung in Partnerschaften steht in einem engen Zusammenhang damit, wie die anfallenden Aufgaben verteilt werden. Buchebner-Ferstl zitiert mehrere Untersuchungen, die darauf hinweisen, dass die Verteilung der Haushaltsaufgaben nach dem Ruhestand (des Mannes) grundsätzlich nahezu unverändert bleibt. „Männer verstärkten ihre Aktivitäten hinsichtlich ‚maskuliner’ Tätigkeiten (Reparaturen u.ä.), beteiligten sich jedoch kaum an ‚femininen’ Tätigkeiten wie Kochen oder Bügeln.“ Die Autorin weist auch auf Untersuchungen hin, in denen die Beteiligung des Mannes am Haushalt von den Frauen zum Teil gar nicht gewünscht bzw. stark kritisiert wurde.
Gewohnheiten fallen weg
Der tägliche Gang zum Bus morgens um die gleiche Zeit, der Anruf um die Mittagszeit, der Begrüßungs- und der Abschiedskuss, das Bügeln der Arbeitshemden, das frühe Aufstehen unter der Woche und das Ausschlafen am Wochenende. Gewohnte Handlungen, die mit der Berufstätigkeit in Verbindung standen, fallen einfach weg. Aber sie gehen nicht von einem Tag auf den anderen verloren. Die Bedeutung von Ritualen in der Partnerschaft, ihre Kraft, die Gewohnheiten zusammenhält, bleibt unumstritten.
Der Ruhestand steht in Gefahr, als Zeit erlebt zu werden, in der weniger „eigenes Leben“ möglich erscheint. Sabine Buchebner-Ferstl fragt nach einer „Notwendigkeit der Neudefinition der Beziehung“ und konkretisiert weiter: „Verbringen die Partner jetzt, wo sie die Zeit haben, diese Zeit auch vermehrt miteinander? Wie gestalten sie diese gemeinsame Zeit? Findet eine Anpassung der Rollen- und/oder Aufgabenverteilung statt? Was bleibt von einer Beziehung, die zum Großteil von Ritualen und Gewohnheiten im Zusammenhang mit dem Erwerbsleben zusammengehalten wurde?“
Wenn Paare älter werden
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