Stellungnahme des Bischofsrates zur Orientierungshilfe „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit. Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken“

Pressemitteilung 14. August 2013
Der Bischofsrat der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers hat die Orientierungshilfe „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit. Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken“ des Rates der Evangelischen Kirche in  Deutschland (EKD) diskutiert und gibt die folgende Stellungnahme heraus:
 
Der Bischofsrat würdigt die ausführliche Darstellung der Situation von Familien in Deutschland in der Orientierungshilfe der EKD „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit“. Die Skizze der Entwicklung der Gesetzgebung in Bezug auf Ehe und Familie bildet einen wichtigen Hintergrund für das Verständnis gesellschaftlicher und staatlicher Veränderungen in der Betrachtung und Bewertung von Familien- und Partnerschaftsmodellen. Die historische Perspektive lässt dabei die vielfältigen Entwicklungen des Familienlebens mit ihren Stärken und Gefahren sichtbar werden.
 
Der leitende Care-Gedanke, also das Motiv der Mitsorge und Verantwortung füreinander, führt zu einer Weitung des Familienbegriffs und formuliert eine zentrale Herausforderung für das familiäre Zusammenleben. Damit wird eine generationenübergreifende Verantwortung einem einseitigen Individualismus entgegen gestellt und eine wichtige Aufgabe gesellschaftlichen und kirchlichen Handelns benannt.
 
Wir sehen in dieser Orientierungshilfe primär einen sozialpolitischen Beitrag.  In dieser  Perspektive vermittelt der Text Hintergründe, Einsichten und Herausforderungen, die wir teilen und unterstützen.
 
Für eine evangelische Orientierung zu Familie und Ehe wäre allerdings eine vertiefte theologische Reflektion notwendig gewesen. Die biblisch-theologische Grundlegung von Familie und Ehe reicht in der vorliegenden Darstellung nicht aus.
 
Wir vermissen eine spezifisch biblisch-theologische Auseinandersetzung mit Ehe und Familie im Horizont der Gottesbeziehung. In dieser Gottesbeziehung müssen auch die Werte Verlässlichkeit, Verbindlichkeit und Verantwortung begründet werden.
Die Gabe und Aufgabe der verlässlichen Gemeinschaft wird biblisch in der Beziehung Gottes zum Menschen begründet, die sich in der Beziehung von Mann und Frau widerspiegelt.
 
Im Horizont der Gottesbeziehung wird Gemeinschaft in Verlässlichkeit, Verbindlichkeit und Verantwortung zu Recht Menschen auch in anderen Lebensformen als der Ehe zugetraut. Das schmälert nicht den Leitbildcharakter der Ehe. Wir hätten uns eine deutlichere Ermutigung gewünscht, treue, mitsorgende und verantwortliche Gemeinschaft in verbindlicher Gestalt unter Gottes Verheißung und Gebot zu leben.
 
Wir begrüßen, dass die Orientierungshilfe eine breite Diskussion über die Familie in Kirche und Gesellschaft eröffnet.
 
Hannover, den 15. August 2013
Der Bischofsrat
 
Im Bischofsrat der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers sind unter der Leitung von Landesbischof Ralf Meister die Landessuperintendentin Dr. Ingrid Spieckermann (Sprengel Hannover) und die Landessuperintendenten Dr. Hans Christian Brandy (Sprengel Stade), Eckhard Gorka (Sprengel Hildesheim-Göttingen), Dr. Detlef Klahr (Sprengel Ostfriesland), Dr. Burghard Krause (Sprengel Osnabrück) und Dieter Rathing (Sprengel Lüneburg) vertreten.
 
Pastor Dr. Johannes Neukirch
Pressesprecher der Landeskirche
Landeskirchenamt der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers
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