„Seelsorge mit Grenzen“: 12. europäischer Kongress für Seelsorge und Beratung tagt in Göttingen

Pressemitteilung 13. August 2013

Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers ist vom 15. bis 20. August 2013 gastgebende Kirche für den 12. europäischen Kongress für Seelsorge und Beratung. Der Kongress wird in Göttingen veranstaltet von der Europäischen Gesellschaft für Seelsorge und Beratung (European Council for Pastoral Care and Counselling, ECPCC) und vom Seminar für Praktische Theologie an der Georg-August-Universität Göttingen, Lehrstuhl Prof. Dr. Jan Hermelink. Mehr als 60 Teilnehmende sind angemeldet, davon etwa ein Drittel aus Deutschland, die weiteren aus Skandinavien, den Niederlanden und aus Osteuropa.

Das Kongressthema „Seelsorge mit Grenzen“ („Pastoral Care & Counseling: Boundaries & Borders“) soll den Diskurs über Grenzen im tatsächlichen und übertragenen Sinn anregen. Zum Tagungsprogramm gehören Vorträge unterschiedlicher internationaler und Fachperspektiven, Workshops und Arbeitsgruppen, ökumenische Andachten und ein Gottesdienst in der Universitätskirche. Außerdem gibt es Besuche bei Göttinger Initiativen, die mit Menschen in Grenzsituationen arbeiten sowie Exkursionen ins ehemalige Grenzdurchgangslager Friedland und zu geistlichen Orten im Göttinger Umland.

Zu den Referentinnen und Referenten gehören Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin (Tübingen), Prof. Dr. Daniel Louw (Praktische Theologie, Universität Stellenbosch, Südafrika), Dr. Ulla Schmidt (Zentrum für Kirchenforschung, Oslo, Norwegen), der Autor Michael Kleeberg (Berlin) und die Literaturwissenschaftlerin Dr. Heidi Gidion (Göttingen).

Weitere Informationen:

O-Töne:
Landesbischof Ralf Meister: "Grenzziehungen haben sich verändert, nicht nur in der Seelsorge. Sie werden durchlässiger und verschieben sich. Göttingen als Tagungsort für den Kongress, bis zum Mauerfall 1989 ein Ort im Zonenrandgebiet der deutsch-deutschen Grenze, mag ein Symbol für diese Veränderung sein. Hier fand eine sichtbare, äußere, tatsächliche Verschiebung von Grenzverläufen statt, für die es viele Beispiele im übertragenen Sinne gibt: Die klassische Aufteilungen der Gesellschaft nach Klassen, Statusgruppen, Konfessionen verschieben sich. Die Globalisierung weitet Grenzen der Märkte. Medizinische und ethische Grenzen sind einem ständigen Diskurs unterworfen. Das bedeutet einerseits mehr Freiheit. Gleichzeitig wird unser Leben durch solche Grenzverschiebungen aber auch wechselhaft und scheinbar beliebig. Dieser Umgang mit Entgrenzung ist die fachliche Herausforderung für Seelsorgerinnen und Seelsorger heute. Ich wünsche den Kongressteilnehmenden, die über Landes-, Konfessions- und Herkunftsgrenzen hinweg miteinander an Grenzgeschichten arbeiten werden, Gottes Geist, der uns in die Weite führt und uns gleichzeitig ein Gespür für die eigenen Grenzen gibt."

Oberkirchenrätin Susanne Kruse-Joost, zuständig für den Arbeitsbereich Seelsorge im Landeskirchenamt der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers: "Gesellschaftlich erleben wir, wie sich Grenzen immer mehr auflösen. Darum halte ich das Kongress-Thema für sehr wichtig, denn in der Seelsorge haben wir es vielfach mit den Folgen dieser sich auflösenden Grenzen zu tun. Das gilt für das Verhältnis von Berufs- und Privatleben, Erwerbstätigkeit und Ruhestand, aber auch für medizinethische Fragen, wie sie die Pränataldiagnostik aufwirft. Der Umgang mit Entgrenzungen ist darum für das Arbeitsfeld Seelsorge hoch aktuell. Es wird in Zukunft vielfach um Hilfen zur Begrenzung gehen: Menschen Unterstützung anzubieten, in einer entgrenzten Gesellschaft lebensdienliche Grenzen zu setzen. Auch das neue landeskirchliche Zentrum für Seelsorge befasst sich mit Grenzen und Entgrenzungen. Das gilt etwa im Blick auf interreligiöse und interkulturelle Aspekte der Seelsorge, aber auch für das vielfältige Feld der Spezialseelsorge und die Frage der Inklusion. Mit dem Zentrum für Seelsorge haben wir in der Landeskirche eine gemeinsame Dachstruktur für die Arbeit an diesen Themen geschaffen."

Prof. Dr. Jan Hermelink, Lehrstuhl für Praktische Theologie, Universität Göttingen: "In der Theorie der Seelsorge ist das Thema Grenzen ein ganz klassisches Thema. In gewisser Weise kann die Seelsorge insgesamt verstanden werden als der Versuch der Kirche und des Glaubens, mit den Grenzen umzugehen, die der eigene Körper uns ebenso setzt wie die Beziehungen, in denen wir leben, und die Kultur, die uns prägt, und auch die politischen Verhältnisse. Von dem anstehenden Kongress in Göttingen erhoffe ich mir, dass das Gespräch zwischen Praxis der Seelsorge an den Grenzen und der Theorie der Seelsorge sich vertieft, so dass wir an der Universität einerseits Neues und Weiteres erfahren von den konkreten Grenzsituationen, in denen die christliche Seelsorge gegenwärtig gefordert ist. Andererseits sollen die Verantwortlichen aus der Praxis, von denen viele auf dem Kongress anwesend sein werden, theoretische, auch theologische Einsichten erhalten können, mit denen sie in ihrer jeweiligen Praxis Grenzen überschreiten, Grenzen erträglicher machen – und in dem allen die Freiheit des Glaubens erfahrbar machen können."

Kontakt für weitere Informationen und Anfragen zum Kongress:
Prof. Dr. Jan Hermelink, Tel. 0163 / 510 7977
Heike Komma, Generalsekretärin ECPCC, Tel. 0176 / 24 24 06 69

Internet: http://www.ecpcc.info/5_4_2013-fr-set-dt.htm, http://www.ecpcc.info/5_4_2013-fr-set-dt_schedul.htm, http://www.uni-goettingen.de/de/praktische-theologie-mit-religionspaedagogik/55219.html


Hannover, 14. August 2013

Pressestelle der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers
Stefanie Arnheim, Stellvertretende Pressesprecherin
Rote Reihe 6, 30169 Hannover
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