Akademie Loccum: Landesbischof Meister zum Thema Endlagersuche

Pressemitteilung 31. Mai 2012

Auf einer Tagung der Evangelischen Akademie Loccum zum Thema „Endlagersuche - Auf ein Neues? Der Weg zu einem gerechten und durchführbaren Verfahren“ vom 1. bis 3. Juni 2012 diskutieren hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Gesellschaft und Wissenschaft über das geplante Endlagersuchgesetz.

Landesbischof Meister äußerte sich am Freitag, 1. Juni in seinem Vortrag „Ethisch handeln im Umgang mit unseren radioaktiven Abfällen – Eine christliche Position und resultierende Erwartungen“:

„Wir stehen im Blick auf die Endlagersuche vor zwei Dilemmata: Das eine ist das Dilemma des Verursacherprinzips und des Prinzips der allerhöchsten Sicherheit eines Endlagerstandortes: Da trifft eine grundlegende globale Gefährdung auf staatlich-nationale Beschränkungen. Das zweite ist das Dilemma der Rückholbarkeit und der Erkenntnis, wie wenig wir über die technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Zukunft sagen können. Der Versuch, Szenarien zu entwerfen, bleibt Spekulation. Beide Dilemmata machen mich skeptisch gegenüber manchen so genannten Sicherheiten in dieser Sachdiskussion und fordern eine Rücksicht bei der Formulierung großer ethischer Standards.

Christliche Ethik ist eine Ethik der Lebensform. Sie zielt auf eine Haltung, die vom Geist der Liebe, der Freiheit, des Friedens und der Verständigung getragen ist. Diese Haltung fordert für die Endlagersuche einen Prozess, der eine gerechte, faire, transparente und öffentliche Beteiligung zivilgesellschaftlicher Akteure gewährleistet. Das bedeutet eine neue Qualität der Beteiligung. Entscheidungswege sind plausibel und überzeugend zu gestalten. Ihre Kriterien müssen transparent und wissenschaftsfest sein: Geologie, nicht Politik entscheidet.

Wir werden in dieser Frage bei verschiedenen Positionen bleiben. Dennoch müssen wir versuchen, einen breiten gesellschaftlichen Konsens über den Standtort zu erzielen. Diese Verständigung gelingt nur, wenn unterschiedliche Orte erforscht, bewertet und qualifiziert werden.

Die Aufgabe der Kirche wird es weiterhin sein, klar für die Energiewende und ein transparentes, öffentliches und faires Verfahren bei der Endlagersuche einzutreten. Für einen gelingenden Prozess brauchen wir besonders die Vermittlungskompetenz von Kirchengemeinden vor Ort. Die evangelische Kirche im Wendland ist ein starkes Beispiel verantwortlicher Begleitung von Menschen bei diesem strittigen Thema. Als Kirche werden wir sehr aufmerksam an die Schadensträchtigkeit der Technik erinnern und klar Position beziehen, wo technische Möglichkeiten den christlichen Geist der Liebe, der Freiheit, des Friedens und der Verständigung bedrohen.“

Hannover, 1. Juni 2012

Pressestelle der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers
Stefanie Arnheim, Stellvertretende Pressesprecherin
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