Drohende Abschiebung der Iranerin Zahra Kameli

Pressemitteilung 11. Februar 2005

Landesbischöfin Käßmann bittet eindringlich um neues Asylverfahren

Am Donnerstagabend ist auf dem Flughafen Frankfurt/Main in letzter Minute die Abschiebung der 24-jährigen Iranerin Zarah Kameli abgebrochen worden. Der Kapitän der Lufthansa-Maschine nach Teheran hatte sich geweigert, die Frau zu transportieren. Sie wurde anschließend in ein Frankfurter Krankenhaus eingeliefert und wieder den niedersächsischen Behörden übergeben.
Kameli hatte sich von ihrem iranischen Mann getrennt und war im Dezember 2004 in Göttingen getauft worden. Nach Einschätzung von Menschen-rechtsorganisationen droht ihr deshalb im Iran unter Umständen der Tod durch Steinigung.

Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann bittet alle in diesem Verfahren Beteiligten eindringlich um eine erneute Prüfung dieses „Falles“. Nachfolgend ihre Erklärung im Wortlaut:

"Viele in unserer Kirche treibt die verzweifelte Situation von Zarah Kameli um, auch mich. Dass sie seit 31. Januar in Abschiebehaft saß, dass die Glaubwürdigkeit ihres Übertritts zum Christentum angezweifelt wird, dass sie monatelang Angst hatte vor der Abschiebung nach Teheran – ein Land, das nicht gerade dafür bekannt ist in der Welt, dass es die Menschenrechte vor allem von Frauen respektiert - und dann in letzter Minute von einem Lufthansapiloten bewahrt wird – jeder Mensch kann ahnen, was das bedeutet. An ihrem „Fall“ wird noch einmal deutlich, dass Recht und Mitmenschlichkeit in einem krassen Gegensatz stehen können. Das Bundesinnenministerium sieht keine Abschiebungshindernisse, Flüchtlingsrat, Asylgruppen und Kenner der Lage im Iran aber sehen sie akut an Leib und Leben gefährdet. Hier klafft eine Lücke im Recht, die der besondere Lage eines einzelnen Menschen nicht gerecht wird. Für einzelne ist das Gestrüpp zwischen Landes- und Bundesrecht schwer nachvollziehbar und es wäre für unser Land schlicht ein Armutszeugnis, wenn ein Mensch sich in einem Rechtsstaat in diesem Gestrüpp verfängt, beispielsweise durch den Vorwurf, Begründungen seien irrelevant, weil zu spät geliefert.

In der Bibel heißt es: „Gott hat die Fremdlinge lieb“ (5. Mose 10,18). Dem fühlen wir uns verpflichtet. Zahra Kameli ist Mitglied unserer Kirche, wir wollen alles in unserer Macht stehende tun, ihr in unserem Land einen gesicherten Aufenthaltstatus zu verschaffen. Deshalb bitte ich das Bundesamt eindringlich, erneut zu prüfen, ob nicht doch ein neues Asylverfahren in Gang gesetzt werden kann. Hier geht es nicht um Bürokratie und Paragrafen, sondern um eine Frau in sehr realer Angst um Leib und Leben.

Ausdrücklich will ich allen danken, die sich in den letzten Wochen und Monaten für Frau Kameli eingesetzt haben, der Gemeinde in Göttingen, Pastor Kutzner, der sie nach Frankfurt begleitet hat, aber auch dem BGS, der sich mit Kompetenz und Respekt verhalten hat sowie der Flughafenseelsorge in Frankfurt und vor allem dem Piloten sowie dem Arzt an Bord der Maschine nach Teheran von gestern Abend."