Landesbischof wünscht allen Musliminnen und Muslimen in Niedersachsen ein gesegnetes Ramadanfest

Pressemitteilung 24. Juli 2014

In einem Brief an Avni Altiner, den Vorsitzenden des Landesverbandes der Muslime in Niedersachsen e.V., und an Yilmaz Kiliç, den Vorsitzenden des Landesverbandes der Türkisch-Islamischen Union (Ditib), wünscht Meister den Moscheen und allen Musliminnen und Muslimen in Niedersachsen ein gesegnetes Ramadanfest.

Meister schreibt:

"Der Ramadan ist für Sie ein ganz besonderer Monat, und die Art und Weise, wie Sie ihn begehen, beginnt in das Land hinein auszustrahlen.

So viele Fastenbrechen sind es mittlerweile, zu denen wir als evangelische Christinnen und Christen eingeladen werden, dass viele von uns gar nicht mehr alle Termine wahrnehmen können – selbst in diesem Jahr, wo der Iftar so spät am Abend gefeiert wird, dass manche Moscheen und Verbände darauf verzichtet haben, Nicht-Muslime einzuladen.

Mancherorts feiert man das Fastenbrechen mittlerweile auf den Straßen und Plätzen der Stadt. So war es im letzten Jahr erstmals in Hannover, und der Zuspruch war so groß, dass die Veranstalter es in diesem Jahr gleich wieder gemacht haben, mit noch größerem Zuspruch. Auch andere Städte haben den Brauch mittlerweile für sich entdeckt. (…)

Auch ich selbst gehe gern zum Fastenbrechen. Vieles von dem, was Sie im Iftar begehen, steht auch für mich im Zentrum meiner Religion: die Besinnung auf Gott und auf das, was das Leben ausmacht. Der bewusste Verzicht und das Nachdenken darüber, was wir Menschen wirklich zum Leben brauchen. Die Sorge um die, die nicht genug zum Leben haben. Und nicht zuletzt die Pflege der Gemeinschaft, in der Familie und mit denen, die nicht zu meiner Religionsgemeinschaft gehören.

Leider ist die politische Lage, in der der Ramadan in diesem Jahr gefeiert wird, belastend. Uns alle erschrecken die Nachrichten aus dem Irak, aus Syrien und auch aus Israel bzw. Palästina. Gewalt, Terror und Krieg nehmen überhand, der Frieden scheint vielerorts zurzeit kaum eine Chance zu haben. Auch in Deutschland machen uns die Entwicklungen Sorge. Der Radikalismus unter Jugendlichen scheint zuzunehmen. Deutsche Jugendliche ziehen in den Dschihad nach Syrien. Und die rechtsradikalen und rechtspopulistischen Gruppen und Parteien rufen uns zu: „Seht her, wir haben es euch doch schon lange gesagt: Mit Muslimen lässt sich kein Staat machen.“ Angesichts der internationalen und nationalen Lage, in der Gewalt religiös begründet und gerechtfertigt wird, braucht es eine öffentliche und klare Haltung gegen Gewalt und Krieg, die wir gemeinsam vertreten müssen. Ich wünsche mir dazu das Gespräch mit Ihnen.

Denn unsere Erfahrungen hier in Niedersachsen sind andere, die mich hoffen lassen, dass wir zusammen nach außen treten. Sie verhandeln gerade mit dem Land über einen Staatsvertrag. Der Islamische Religionsunterricht wird im neuen Schuljahr auch ab Klasse 5 unterrichtet. Und an vielen anderen Stellen gibt es Fortschritte, nicht zuletzt in dem kleinen Projekt zur Begleitung muslimischer Patienten im Krankenhaus, das wir als Landeskirche in diesem Jahr erstmals mit Ihnen durchgeführt haben.

Lassen Sie uns diesen Dialog und diese Zusammenarbeit weiter stärken! Gern stehen wir als Landeskirche als Ansprech- und Kooperationspartner zur Verfügung.
Möge der Ramadan Sie und die Gemeinschaft von Muslimen und Christen in Niedersachsen stärken!

Eid mubarak wünscht

Ihr Ralf Meister, Landesbischof"


Hannover, 25. Juli 2013
Dr. Johannes Neukirch, Pressesprecher
Pressestelle der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen
Rote Reihe 6, 30169 Hannover. Tel.: 0511 / 1241-399,
Mobil: 0172 / 4159584, E-Mail: Johannes.Neukirch@evlka.de
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