Meister: Gedenken an Kriegsopfer muss völkerverbindend sein

Nachricht 09. November 2018

Hannover/Leeds. Für den hannoverschen Landesbischof Ralf Meister darf das Gedenken an die Opfer von Krieg und Terror heutzutage keine Grenzen und Nationen mehr kennen. "Es ist ein mitmenschliches, völker- und generationenverbindendes Anliegen", sagte der evangelische Theologe im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) anlässlich des Gedenkens an das Ende des Ersten Weltkrieges an diesem Sonntag. Als Vorsitzender der Meißen-Kommission, in der sich Anglikaner und deutsche Protestanten 1991 zur Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft verpflichtet haben, wird Meister im nordenglischen Ripon predigen.

Sein Besuch in der Diözese Leeds aus Anlass des 100. Jahrestags des Waffenstillstands von Compiègne sei ihm wichtig, betonte der Landesbischof. "Kann es denn ein stärkeres Zeichen für die Sehnsucht nach Frieden und Verständigung geben, als die bewusste Begegnung mit gemeinsamer Geschichte und Kultur, und das gerade auch an symbolträchtigen Tagen?", sagte Meister zu der Einladung der anglikanischen Kirche, am britischen "Remembrance Day" in der Kathedrale von Ripon zu predigen.

Der sogenannte Meißen-Prozess habe von Anfang an unter dem Zeichen der britisch-deutschen Versöhnung gestanden, erläuterte Meister. Auslöser sei der Besuch des damaligen Erzbischofs von Canterbury, Robert Runcie, in der BRD und DDR aus Anlass des 500. Geburtstages von Martin Luther im Jahr 1983 gewesen. Der Erzbischof habe in Dresden betroffen an der Ruine der von britischen Bombern zerstörten Frauenkirche gestanden.

Dies sei der Impuls dafür gewesen, dass die protestantischen Kirchen in Ost- und Westdeutschland zusammen mit der Kirche von England einen substanziellen Beitrag zur Versöhnung zwischen den Völkern leisten wollten, sagte Meister. Das Ergebnis sei die Meißener Erklärung von 1991 gewesen. Das Besondere sei dabei nicht, dass es die theologische Erklärung zur Kirchengemeinschaft gegeben habe.

Meißen habe vielmehr dazu ermutigt, persönliche Begegnungen zu organisieren, Partnerschaften zu etablieren und miteinander als Christenmenschen gemeinsame Schritte zu gehen, betonte der Bischof: "Die zugrundeliegende Überzeugung ist, dass dort, wo Menschen sich austauschen, Hass und Vorurteile überwunden werden." Meißen lebe zwar auch von der theologischen Diskussion, aber mindestens ebenso von persönlicher Nähe zwischen den Menschen. Auf dieser Grundlage gebe es heute mehr als 40 lebendige Partnerschaften auf allen kirchlichen Ebenen: "Allein deren Existenz ist doch das beste Beispiel für gelingende Versöhnungsarbeit."

epd Landesdienst Niedersachsen-Bremen