Experten diskutieren kontrovers über Kirche und Singles

Nachricht 14. September 2018

Hannover. Die evangelische Kirche muss nach Ansicht von Fachleuten die Lebensform Singles stärker in den Blick nehmen. Singles seien keine homogene Gruppe, sondern Menschen mit sehr unterschiedlichen Lebensentwürfen, sagte Irmgard Schwaetzer, Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), am Donnerstag bei einem Fach-Hearing des Evangelischen Zentrums Frauen und Männer in Hannover. "Für mich stellt sich die Frage: Wo schließen wir als Kirche Singles aus? Und wie können wir das ändern?", sagte Schwaetzer. Die evangelische Kirche müsse besser darin werden, Menschen so wahrzunehmen, wie sie heute lebten.

Die Geschäftsführerin des Evangelischen Zentrums Frauen und Männer, Eske Wollrad, betonte, die evangelische Kirche habe ein Problem damit, Singlesein als theologisch legitime Lebensform zu qualifizieren: "Wenn unsere Kirche immer und immer wieder die Ehe als evangelisches Leitbild hervorhebt, muss Singlesein als defizitär erscheinen." Sie sehe hier einen großen Bedarf an theologischer Reflexion, fügte Wollrad hinzu. Dazu gehöre auch die Auseinandersetzung mit der Paarbeziehung als Norm. Oftmals würden einzelne Bibelstellen herangezogen, um die Paarbeziehung als göttliches Gebot zu belegen.

Dem widersprach der Vizepräsident des EKD-Kirchenamtes, Thies Gundlach. Die christliche Kirche stelle den Einzelnen vor Gott, sagte er: "Das Christentum ist seit den allerfrühesten Tagen der Erfinder des Single-Seins." Kirche marginalisiere das Single-Dasein nicht. Sie sei vielmehr offen für diejenigen, die allein lebten. "U-Bahn und Gottesdienst - wo sonst können Singles problemloser auftreten als hier?", fragte Gundlach.

epd Landesdienst Niedersachsen-Bremen