Neuer Diakoniechef: Flüchtlinge brauchen Perspektiven

Nachricht 03. Januar 2018
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Hans-Joachim Lenke. Bild: privat

"Flüchtlinge brauchen Perspektiven. Wenn sie diese bekommen, werden sich Flüchtlinge auch stärker um Integration bemühen und weniger straffällig werden." So kommentiert der neue Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen, Hans-Joachim Lenke die vorgelegte Studie zur Kriminalität von Flüchtlingen durch den niedersächsischen Kriminologen Prof. Christian Pfeiffer.

Gewalt und Kriminalität unter und durch Flüchtlinge seien in keiner Weise entschuldbar oder schönzureden. "Allerdings haben wir es auch selbst in der Hand, hier gegenzusteuern." Laut Lenke zeigt die Pfeiffer-Studie differenziert auf, was geeignete Maßnahmen sind. So wirke zum einen der Familiennachzug stabilisierend für die insbesondere männlichen Flüchtlinge. Dies sollte man den Zufluchtsuchenden mit guter Bleibeperspektive nicht verwehren. Gleichzeitig hätten eine intensive Betreuung von jungen Flüchtlingen sowie gute Sprachkurse, Sportprogramme und Praktika eine präventive Wirkung. "Hier geschieht schon viel Gutes, es könnte aber auch noch mehr geschehen," so der niedersächsische Diakonievorstand.

"Auf der anderen Seite gilt es jetzt, erhebliche Anstrengungen in den Herkunftsländern der Flüchtlinge, vor allem in Afrika zu unternehmen, damit die jungen Menschen zu Hause eine Perspektive auf ein lohnendes und auskömmliches Leben haben. Dies ist auch mit einem finanziellem Engagement verbunden, das deutlich höher ausfallen muss als bisher," so Lenke. Dies sei Aufgabe aller reichen westeuropäischen Länder, Deutschland könne und müsse hier mit gutem Beispiel vorangehen.

"Wir müssen endlich dabei helfen, dass sich die Situation in den Herkunftsländern nachhaltig verbessert. Nur dort können die Flüchtlingsströme gestoppt werden. Und nur das rettet Leben, wenn sich junge Menschen gar nicht mehr auf die gefahrvollen Wege nach Europa machen müssen."

Gleichzeitig warnte Hans-Joachim Lenke davor, ganze Gruppen von Flüchtlingen unter Generalverdacht zu stellen. "Wir müssen uns hüten, die Flüchtlinge immer nur als Masse zu sehen. Hinter jedem geflohenen Menschen verbirgt sich ein oft dramatisches Einzelschicksal, das einen, wenn man es kennenlernt, erschreckt und berührt."

Pressezitat der Diakonie in Niedersachsen vom 3.1.2018

Neuer Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen

Der evangelische Theologe Hans-Joachim Lenke (59) hat zum 1. Januar sein Amt als neuer Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen angetreten. Lenke übernimmt die Nachfolge von Christoph Künkel (59), der Anfang November aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in den Ruhestand getreten war, wie die Diakonie mitteilte. In seinem neuen Amt wird Lenke zugleich Oberlandeskirchenrat für Diakonie im hannoverschen Landeskirchenamt. Er wird am 9. Februar in der hannoverschen Marktkirche offiziell eingeführt.

Lenke war seit 2011 Vorstandsvorsitzender des Evangelischen Diakoniewerks im württembergischen Schwäbisch Hall und Geschäftsführer des dortigen Diakonie-Klinikums. Zuvor leitete er als Superintendent neun Jahre lang den Kirchenkreis Wolfsburg der hannoverschen Landeskirche. Bereits dort war Lenke Aufsichtsratschef des Diakonischen Werks. Außerdem beteiligte er sich an Protesten gegen Rechtsextreme. In Schwäbisch Hall war Lenke für rund 2.300 Beschäftigte zuständig, die unter anderem in mehreren Kliniken sowie in der Alten- und Behindertenhilfe tätig sind.

Seinen Dienst als Pastor begann Lenke 1991 in Sottrum bei Rotenburg/Wümme und später in Einbeck. In Gesellschaft und Politik müsse die Diakonie die Stimme derjenigen sein, die "sich nur schwer Gehör verschaffen könnten", sagte er: "Dazu gehört insbesondere die Bekämpfung der Armut und ihrer Folgen." Dafür müssten alle wirtschaftlichen Spielräume genutzt werden.

Das Diakonische Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen ist der größte Wohlfahrtsverband im Bundesland. Es beschäftigt rund 70.000 Menschen, mindestens genauso viele Menschen engagieren sich ehrenamtlich. In mehr als 3.000 Einrichtungen und Diensten leisten sie ihre Arbeit in allen Feldern der sozialen Arbeit, für Kinder und Jugendliche, für Menschen mit Behinderungen, in der Altenpflege, in Krankenhäusern und Beratungsstellen.

 

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen

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