Kirchenkreistag Harzer Land richtet Blick in die Zukunft

Nachricht 07. November 2017

Osterode. Daniel John und Marius Bergmann, Bufdis bei der evangelischen Jugend Harzer Land, eröffneten die jüngste Kirchenkreistagssitzung mit einer Andacht. Nicht ohne Grund, denn das Thema „Vom Pfarrunterricht zum Konficamp“ stand als großes Thema auf der Tagesordnung. Im Kirchenkreis Harzer Land gebe es eine Fülle an Modellen zur Arbeit mit Konfirmanden, erläuterte die Kirchenkreistagsvorsitzende Ingrid Baum, da schade es nicht, die Herangehensweisen der Nachbargemeinden zu kennen.

Bevor fünf Modelle detailliert vorgestellt wurden, blickte Jugenddiakon Axel Peter auf die eigene Konfirmandenzeit zurück, die viel mit Auswendiglernen und Zwang zu tun hatte. Seitdem habe sich vieles entwickelt. Vor allem, so zeigten die Präsentationen, agiert heute nicht mehr nur der Pastor, sondern die jungen Menschen durchaus eigenverantwortlich. So gehen sie auf eigene Fragen zu Glauben und Kirche ein und das ist vielleicht auch der Grund, warum nicht eben wenige nach der Konfirmation zu Teamern und dann vielleicht zu Bufdis und FSJ'lern werden.

An den einzelnen Modellen herrschte großes Interesse, es kam zum regen Austausch und viele Fragen wurden gestellt. Am Ende stand die Erkenntnis, dass es für die Konfirmandenarbeit unterschiedliche Herangehensweisen gibt, von denen nicht die eine oder andere besser oder schlechter ist, sondern meist einfach nur besser zur jeweiligen Gemeinde passt. „Nichts hat sich in den letzten Jahrzehnten in der Kirche so sehr verändert wie die Arbeit mit Jugendlichen“, stellte Peter abschließend fest und formulierte seine Hoffnung, dass das vielleicht auch auf andere Bereiche übergreift.

Damit war die inhaltliche Brücke zum sogenannten Perspektivprozess im Kirchenkreis geschlagen. Dessen Ziel ist es, Strategien zu finden, um mit dem wahrscheinlichen Pastorenmangel in den kommenden Jahren umgehen zu können. Konkrete Beschlüsse galt es an diesem Abend jedoch nicht zu fassen, wie Pastor Dr. Uwe Brinkmann mitteilte, bis jetzt haben sich Fachgruppen beraten, denen nun eine Beratungsphase in sogenannten Regionalgruppen folgt.

Einstimmig beschlossen wurde hingegen die Wahl Eckhard Bierwirths aus Hörden in den Anlage und die Alexander Kohlrauschs aus Osterode in den Bau- und Finanzausschuss. Personelle Fragen sind auch in Sachen Fusion der Kirchenkreisämter Osterode und Northeim geklärt, wie Amtsleiterin Christa Eulert mitteilte. Die Mitarbeiter beider Ämter trafen sich in der vorigen Woche zu einer Klausurtagung (wir berichteten), da auch diese Zusammenlegung der Ämter ein wichtiger Schritt in die Zukunft des Kirchenkreises ist. Neben den Personalfragen ist auch die Finanzierung geklärt, eine Vereinbarung wurde verabschiedet. Sowohl der Kirchenkreis Harzer Land wie auch der Kirchenkreis Leine-Solling bringen ein etwa gleiches Budget ein und auch der Wert der eingebrachten Gebäude in Northeim unterscheidet sich nur marginal.

Superintendent Volkmar Keil blickte zum Ende der Sitzung noch einmal auf das Luther-Happening „Danke, Martin!“ im September in Osterode zurück, das er als äußerst gelungen bezeichnete. „Zum Reformationsjubiläum haben wir damit einen entscheidenden regionalen Beitrag geleistet“, sagte er.  Dazu betonte er die Bedeutung solcher Events, denn das Gottesdienstverhalten der Menschen habe sich geändert. Heute besuchen viele nicht mehr regelmäßig den Gottesdienst, sondern erwarten einen Erlebnischarakter und Emotionalität. Diesen Bedürfnissen müsse Kirche sich heute stellen, auch um junge Menschen zu begeistern und sich den Fragen zu stellen, die sie an Kirche und Glauben haben. Mit dem Happening und auch mit der Jugendarbeit, die im Harzer Land geleistet wird, ist gezeigt, dass der Kirchenkreis den Anforderungen gerecht werden kann.

Dennoch bleiben genügend Aufgaben bestehen. So wird innerhalb der Landeskirche derzeit eine neue Kirchenverfassung erarbeitet, an deren Formulierung man sich noch beteiligen kann. Im kommenden Frühjahr stehen dann die Kirchenvorstandswahlen an, für die jetzt die Kandidaten gefunden werden müssen. Und nicht zuletzt erwartet der Kirchenkreis Vakanzen in drei Regionen, während es mit Pastor Klaus-Wilhelm Depker nur einen Springer gibt. Ihn jedoch bezeichnete Keil als „ein Geschenk der Landeskirche“, so wie es derzeit acht landeskirchliche Stellen im Kirchenkreis gebe. „Auch das ist nicht in Stein gemeißelt“, gab der Superintendent zu bedenken. Insofern muss Kirche ganz im Sinne der Reformation dynamisch bleiben und sich immer wieder neu um alle Mitarbeitenden und Mitglieder bemühen.

Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Harzer Land