Bischof Anba Damian stellt im Rahmen der Religramme die koptisch-orthodoxe Kirche vor

Nachricht 21. März 2017

Osterode. In Bad Grund haben die koptisch-orthodoxen Christen bereits eine Kirche erworben, nun soll in der ehemaligen Grundschule eine koptische Akademie, ein Internat zur Vorbereitung auf ein Studium in Deutschland, hinzukommen. Der Stadtrat stimmte in der vergangenen Woche für den Verkauf, am Sonntag erläuterte Bischof Anba Damian im Rahmen der Vorträge zur Ausstellung „Religramme“ in Osterode, wer denn die neuen Nachbarn eigentlich sind.

Kopten bedeute übersetzt nichts anderes als Ägypter, leitete der Bischof ein, sie seien die Christen am Nil, die auf den Evangelisten Markus zurückgehen, und sie seien eine Märtyrerkirche. Bis der Islam entstand stellte die koptisch-orthodoxe Kirche die Mehrheit in Ägypten, führte Damian weiter aus, im Jahr 1000 lebten dort noch etwa 50 Prozent Christen, heute seien sie eine Minderheit, eine verfolgte.

Es sei ein „Weltwunder“, dass überhaupt noch Christen dort leben, meinte er, die Kopten seien in Ägypten und der arabischen Welt Menschen zweiter Klasse, Gewalt gegen Anhänger seiner Kirche werde von der Regierung oft nicht geahndet. „Die Situation für die Kopten ist ernst“, machte er deutlich, es sei an der Zeit, dass auch für sie die Menschenrechte gelten. Tatsächlich nahmen Anfeindungen nach der Revolution im Jahr 2011 deutlich zu, noch mehr nach dem Sturz von Präsident Mursi, für den die Christen von islamischer Seite verantwortlich gemacht wurden. Immer wieder kommt es zu Anschlägen, zuletzt im Dezember 2016 in der St. Peter und Paul in Kairo, bei dem knapp 30 Menschen getötet und noch mehr verletzt wurden. 

Wenn die Bundeskanzlerin dann behauptet, den koptischen Christen in Ägypten gehe es gut, sei das erstens falsch, so der Bischof, und mache zweitens jenen Angst, die als Flüchtlinge nach Deutschland kamen und nun ihre Abschiebung befürchten. Durch die Flüchtlinge sei die Zahl der in Deutschland lebenden Kopten in den vergangenen Jahren von 6000 auf 12000 angestiegen, erläuterte Anba Damian, allein das zeige, dass sie in ihrer Heimat eben nicht sicher seien.

Da er nun einmal nicht wie seine Glaubensbrüder am Nil, sondern an der Weser lebe, versuche er von hier aus zu helfen. Die Kopten in Deutschland haben viele Partnerschaften aufgebaut und Hilfsgüter nach Ägypten geliefert. Doch auch die Flüchtlinge in unserem Land bieten seiner Meinung nach eine Chance für alle christlichen Kirchen zu missionieren. Nicht zwanghaft, aber zumindest, indem wir über unseren Glauben sprechen und erzählen, warum wir Christen sind. „Wenn wir es nicht tun, tun es die Zeugen Jehovas“, mahnte er.

Die Zahl der Konvertiten vom Islam zum Christentum ist hoch, allerdings sei das ein heikles Thema, auf das er nur sehr knapp eingehen wollte. Auf der einen Seite versprechen sich manche Konvertiten dadurch bessere Chancen im Asylverfahren, auf der anderen sei es für viele durchaus gefährlich, da gerade die Kopten muslimischer Herkunft besonders gefährdet sind. Als es nach den Ausführungen in seinem Vortrag in der anschließenden Diskussion schon wieder um dass Verhältnis der Kopten zum Islam ging, machte Damian deutlich: „Wir haben Probleme mit der Lehre des Islam, nicht mit den Menschen.“

Die Nächstenliebe und die christlichen Werte nämlich einen alle christlichen Kirchen, wenn die koptisch-orthodoxe sich ansonsten unter anderem durch ihren eigenen Papst als Oberhaupt, den Gottesdienst in arabischer Sprache und nicht zuletzt durch Bischof Anba Damians traditionelles Erscheinungsbild durchaus von den anderen unterscheidet.

Am kommenden Samstag, 25. März, stellt sich im Rahmen der Ausstellung „Religramme“ die Freie Evangelisch Christliche Gemeinschaft Aschenhütte vor. Der Vortrag von Albert Schlecht beginnt um 18 Uhr in der Kurt-Schröder-Halle.

Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Harzer Land