Landesbischof spricht sich für Gründung eines islamischen Wohlfahrtsverbands aus

Nachricht 01. Dezember 2014

Meister befürwortet auch Öffnung evangelischer Einrichtungen für Muslime

Osnabrück (epd). Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat die Forderungen der Muslime nach einem eigenen Wohlfahrtsverband und nach einer Öffnung evangelischer Einrichtungen für muslimische Arbeitskräfte unterstützt. Allerdings dürfe nicht der Fachkräftemangel der Motor, dafür sein, dass etwa muslimische Krankenschwestern in diakonischen Kliniken eingestellt werden, sagte Meister am Montag in Osnabrück: "Es müssen vielmehr grundlegende theologische Überlegungen angestellt werden, warum es in einer multireligiösen Gesellschaft sinnvoll sein kann, zum Beispiel muslimische Erzieherinnen in einer überwiegend von muslimischen Kindern besuchten Kita zu beschäftigen."

In der evangelischen Kirche in Deutschland werde derzeit intensiv über die Loyalitätsrichtlinie diskutiert, betonte der Bischof bei einem Besuch des Instituts für Islamische Theologie. Sie schreibe vor, dass Mitarbeiter einer evangelischen Einrichtung auch einer christlichen Kirche angehören müssten. Diese Debatte sei nicht einfach, weil sie eine Herausforderung für die eigene religiöse Überzeugung sei. Die Gründung eines muslimischen Wohlfahrtsverbandes würde er begrüßen, sagte Meister. Wichtig wäre dann eine enge Zusammenarbeit mit den christlichen Wohlfahrtsverbänden.

Der stellvertretende Direktor des Instituts, Rauf Ceylan, sagte, er halte einen muslimischen Wohlfahrtsverband noch für Zukunftsmusik. Es wäre aber für die Berufsaussichten der Studierenden enorm wichtig wäre, wenn die christlichen Wohlfahrtsverbände sich öffneten. Vor allem viele Studentinnen hätten den Wunsch, als Seelsorgerinnen in soziale Einrichtungen zu gehen. Deshalb werde die Universität Osnabrück in Kürze einen Kombi-Studiengang Theologie und Soziale Arbeit anbieten. Er hoffe, dass in Zukunft auch muslimische Seelsorger etwa in christlichen Krankenhäusern arbeiten könnten, unterstrich Ceylan. Die muslimischen Patienten dort bräuchten Personal, dass auf ihre Bedürfnisse eingehe.

Institutsdirektor Bülent Ucar unterstrich die Bedeutung des Bischofsbesuches "in schwierigen Zeiten, in denen Religionen von Extremisten missbraucht werden". Mitarbeiter des Instituts erhielten immer wieder Mails und Briefe, in denen sie beschimpft würden. Sie stammten sowohl aus dem rechtsextremen Milieu als auch von Salafisten.

Erstmals habe die Universität Osnabrück in den vergangenen Wochen sogar Strafanzeige erstattet, weil Mitarbeiter bedroht worden seien, sagte Ucar. Deshalb sei es umso wichtiger, dass Vertreter unterschiedlicher Religionen Verständnis füreinander entwickeln und voneinander lernen könnten. Die gute Zusammenarbeit mit den Instituten für evangelische und katholische Theologie sei dafür ein gutes Beispiel.

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