Landessuperintendentin Spieckermann: Zuwanderer bereichern die Gesellschaft

Nachricht 11. September 2014

Hannover (epd). Angesichts des demografischen Wandels hat die hannoversche Landessuperintendentin Ingrid Spieckermann einen Mentalitätswandel im Blick auf Zuwanderer und Flüchtlinge gefordert. "Die Menschen, die zu uns kommen, sind ein großes Potenzial und keine Last", sagte sie am Donnerstagabend bei einem Diskussionsforum in der Marktkirche in Hannover. Gemeinsam mit der evangelischen Hanns-Lilje-Stiftung hatte Spieckermann rund 60 prominente Repräsentanten aus Kirche, Politik und Gesellschaft eingeladen, um sich über die Zukunft in den Städten und im ländlichen Raum auszutauschen.

Es müsse immer wieder Orte der Begegnung geben, sagte Spieckermann. Dazu zählten Treffen in Dorfgemeinschaftshäusern oder auch interreligiöse Feiern während eines Volksfestes. "Beim menschlichen Miteinander können Vorbehalte abgebaut werden." Spieckermann leitet den evangelischen Sprengel Hannover zwischen Hannover und Nienburg.

Auch der Sozialdezernent der Stadt Hannover, Thomas Walter, hob die große Bedeutung der Integration hervor: "Ich glaube, dass die Zuwanderer uns allen viel helfen können." Dies gelte etwa für die Pflege. Dafür würden viele Menschen gebraucht, und viele Migranten seien bereit dazu. "Auch viele kleine Betriebe suchen händeringend junge Leute, die sie ausbilden können", sagte Walter.

Der Uetzer Bürgermeister Werner Backeberg sagte als Sprecher der Bürgermeister in der Region Hannover, auf dem Land seien bisher die wenigen Zuwanderer im Alltag gleichsam nebenbei integriert worden. "Ghettoisierung war für uns ein Fremdwort." Jetzt kämen aber deutlich mehr Flüchtlinge, die von den Kommunen auf einmal untergebracht werden müssten.

Dabei stelle sich auch die Frage der Mobilität, denn die Menschen wüssten nicht, wie sie ohne öffentlichen Nahverkehr zum Sprachkurs kommen könnten. "Das hat nichts mit Willkommenskultur oder gutem Willen zu tun, sondern mit objektiven Bedingungen", sagte Backeberg. Die Kommunen hätten lange mit der "Lüge" gelebt, Deutschland sei kein Einwanderungsland. Sie hätten es daher versäumt, sich auf die Ankunft vieler Menschen einzustellen.

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