Landessuperintendent Klahr: Fachkräftemangel ist auch in der Kirche spürbar

Nachricht 17. Juli 2014
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Landessuperintendent Dr. Detlef Klahr (rechts) hatte zu einem Werkstatt- und Podiumsgespräch zum Thema „Fachkräftemangel“ in die Martin-Luther-Kirche nach Emden eingeladen. Mit ihm auf dem Podium saßen (von links nach rechts): Johann Saathoff, MdB, Jan Wurps, Leiter AutoVision VW-Werk Emden, die Moderatorin Tanja Schulz, Journalistin aus Hannover, und Landrat Harm-Uwe Weber aus Aurich. Foto: Hannegreth Grundmann.

Emden (epd). Der evangelische Landessuperintendent Detlef Klahr hat eine "Willkommenskultur" gefordert, um ausländische Fachkräfte in ländliche Regionen zu holen und dort zu halten. Der Fachkräftemangel sei auch in der Kirche zu spüren, sagte der Landessuperintendent des Sprengels Ostfriesland-Ems am Donnerstagabend in Emden bei einem Zukunftsforum der Kirche. Das zeige sich in evangelischen Schulen, Kindertagesstätten oder der Diakonie. Auch in Kirchengemeinden gebe es Pfarrstellen, die er derzeit nicht besetzen könne.

Der Auricher Landrat Harm-Uwe Weber berichtete über die Probleme, Mediziner in die Region zu locken. Landkreise, der Apothekerverband und eine Ärztevereinigung hätten im Juni unter dem Motto "Ostfriesendoc" bundesweit 500 Ärzte eingeladen, um ein Wochenende in Ostfriesland zu verbringen und sich über eine Niederlassung zu informieren. Nur ein einziger Mediziner habe reagiert.

Jan Wurps, Leiter der AutoVision GmbH in Emden, forderte bessere Arbeitsmöglichkeiten für junge Mütter. "Die meisten qualifizierten Frauen wollen nach der Erziehungszeit nur in Teilzeit arbeiten." In manchen Unternehmen störe dies jedoch die Abläufe. Um die Frauen wieder für eine Vollzeitstelle begeistern zu können, seien Betriebskindergärten mit Ganztagsbetreuung nötig.

Der Bundestagsabgeordnete Johann Saathoff (SPD) aus Pewsum kritisierte, dass die Politik die Entwicklung im ländlichen Raum aus den Blick verloren habe. Dabei lebten bundesweit mehr Menschen auf dem Land als in der Stadt.

Das Forum in der Emder Martin-Luther-Kirche gehörte zu einer Veranstaltungsreihe der Hanns-Lilje-Stiftung unter dem Titel "Stadt, Land, Lust". In diesem Rahmen diskutieren Vertreter aus Kirche, Politik und Wirtschaft bis Ende September in allen Regionen Niedersachsens Herausforderungen des demografischen Wandels für den ländlichen Raum. Zum Abschluss wollen Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und der hannoversche Landesbischof Ralf Meister am 14. Oktober in Hildesheim Zukunftsperspektiven für Niedersachsen erörtern.

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Kirche und Politik im Dialog: Landarzt und Pfarrer dringend gesucht: Wie begegnen wir dem Fachkräftemangel?

öso/red. Emden. Ostfriesland. Emsland. Grafschaft Bentheim. Innerhalb der Veranstaltungsreihe der Hanns-Lilje-Stiftung und der Landeskirche Hannovers „Kirche, Diakonie und Politik im Dialog 2014. Stadt. Land. Lust – neue Perspektiven für den demografischen Wandel“ fand ein Werkstattgespräch über den  Fachkräftemangel in der Region statt. Dabei ging es insbesondere um die  Fragen „Was können wir im Emsland, in der Grafschaft Bentheim und in Ostfriesland tun, um attraktiv für Fachkräfte zu sein und Unternehmen zu halten? Wie bewahren wir eine gute soziale Infrastruktur? Welche Möglichkeiten der Kooperation gibt es?“ 

„Ihr Interesse zeigt, dass wir uns mit einem hoch aktuellen Thema und einer drängenden Zukunftsfrage beschäftigen“, sagte Landessuperintendent Dr. Detlef Klahr in seiner Begrüßung. Erst in der vergangenen Woche habe das Land Niedersachsen die Förderung einer Fachkräfteinitiative in Höhe von 200 Millionen Euro beschlossen. Als beispielhaft für bereits bestehende Initiativen nannte er das Anwerben des Vereins „Wachstumsregion Ems-Achse“, der junge Spanier in die Region vermittelt und die Universität Oldenburg habe gemeinsam mit der Universität Groningen angesichts des Ärztemangels auf dem Land einen Medizinstudiengang aus der Taufe gehoben, in dem die Studierenden von Anfang an eng mit der Region verbunden sind.
 
Auf dem Podium saßen neben Dr. Klahr der Bundestagsabgeordnete Johann Saathoff aus Pewsum (SPD), Landrat Harm-Uwe Weber aus Aurich, Jan Wurps, Leiter AutoVision vom VW-Werk Emden. Die Moderation hatte Tanja Schulz, Journalistin aus Hannover.
 
Der Evangelisch-lutherische Sprengel Ostfriesland-Ems besteht aus 156 Kirchen- und Kapellengemeinden mit 325.000 Gemeindegliedern in den sechs Kirchenkreisen Aurich, Emden-Leer, Emsland-Bentheim, Harlingerland, Norden und Rhauderfehn. Das Gebiet des Sprengels entspricht seit der Reform 2007 exakt der Wirtschaftsregion „Ems-Achse“.
Die Landeskirche Hannovers ist mit 2, 8 Millionen Gemeindegliedern die größte Landeskirche Deutschlands und umfasst in ihrem Gebiet Dreiviertel der Fläche Niedersachsens.
 
Die Hanns-Lilje-Stiftung hat ihren Sitz in Hannover und gehört zu den größten Stiftungen in Deutschland. Sie fördert den Dialog von Kirche und Theologie mit Wissenschaft, Technik, Wirtschaft, Kunst und Politik.
 

Hannegreth Grundmann, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Sprengel Ostfriesland.