Abschied in St. Johannes Wunstorf

Nachricht 11. März 2012

Wunstorf/Reg. Hannover (epd). Als fünfte evangelische Kirche in der Region Hannover ist am Sonntag die Johanneskirche in Wunstorf entwidmet worden. Sie wird in diesem Frühjahr abgerissen. In einem festlichen Abschiedsgottesdienst trugen Mitglieder der Gemeinde symbolisch Bibel, Kreuz, Taufschale und Abendmahlsgeschirr aus der Kirche. An der Stelle des 1975 errichteten Gemeindezentrums soll für insgesamt 1,5 Millionen Euro ein deutlich kleineres Kirchenzentrum mit zahlreichen sozialen Diensten entstehen.

In der hannoverschen Landeskirche, die drei Viertel Niedersachsens umfasst, stehe damit der zweite Kirchenabriss bevor, erläuterte die Landessuperintendentin des Sprengels Hannover, Ingrid Spieckermann. Die Johanneskirche sei für heutige Verhältnisse zu groß und verursache zu hohe Energiekosten. Als erstes Kirchengebäude war 2009 die Messiaskirche in Hannover abgerissen worden. Hintergrund sind sinkende Mitgliederzahlen und Finanzen.

Die Johanneskirche sei in den vergangenen 37 Jahren das Herz des Stadtteils gewesen, sagte Spieckermann laut Redemanuskript in ihrer Predigt. Sie erinnerte an die Jugend- und Seniorenarbeit, an die Bücherei und soziale Dienste. Nach langen Diskussionen um die Nachnutzung sei heute dennoch klar: "Der Bau ist nicht zu retten." Spieckermann rief die Gemeinde auf, die in der Johanneskirche begonnene Arbeit auch unter veränderten Bedingungen fortzuführen: "Wir gehen zuversichtlich und in Demut hinaus."

Zuvor waren Pläne für eine Nachnutzung des Sakralgebäudes dramatisch gescheitert. Der Verein des örtlichen Altenzentrums hatte das Zentrum kostenfrei übernommen. Er wollte es für seine Zwecke umbauen und den Gottesdienstraum mietfrei der Gemeinde zur Verfügung stellen. Doch mitten in den Bauarbeiten ging der Verein 2011 pleite. Die Kirche erhielt das Gemeindezentrum als Baustelle zurück.

Kirchenvorstandsvorsitzender Jan Meyer sagte, das vertraute Haus zu verlieren, rufe in der Gemeinde Wehmut hervor: "Wir haben hier miteinander gefeiert, gelacht und getrauert." Die gottesdienstlichen Geräte wurden in den Kuppelsaal eines benachbarten Altenzentrums gebracht, wo die Gemeinde vorübergehend eine neue Bleibe finden wird.

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