Politiker und Kirchenvertreter in Niedersachsen kritisieren Castor-Transport

Nachricht 05. November 2011

Hannover/Gorleben (epd). Politiker und Kirchenvertreter in Niedersachsen lehnen den geplanten Castor-Transport Ende November nach Gorleben ab. Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) bezeichnete den geplanten Transport in das nukleare Zwischenlager in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (Sonnabendausgabe) als "politisch absolut falsch". Er sprach sich für ein Castor-Moratorium aus.

Der Lüneburger Landessuperintendent Dieter Rathing kritisierte den Termin am ersten Adventswochenende. Es sei nicht hinzunehmen, dass eine ganze Region in der Vorweihnachtszeit in den Ausnahmezustand versetzt werde, sagte der evangelische Theologe der hannoverschen Landeskirche: "Es wäre besser, die Verantwortlichen nutzten diese Gelegenheit zu einer Besinnung über die Frage der Endlagerung von Atommüll und zur Suche nach alternativen Standorten, nachdem sich das Lager Gorleben als problematisch erwiesen hat."

Umweltminister Sander sagte, für eine vorurteilsfreie Erkundung Gorlebens und eine Suche nach anderen Standorten werde Ruhe benötigt und keine neuen Transporte. Er bemängelte, dass der atomare Müll durch die gesamte Republik nach Niedersachsen gefahren werde. Die Entsorgung sei eine gesamtstaatliche Aufgabe.

Auch die Vorsitzende des Gorleben-Untersuchungsausschusses des Bundestages, Maria Flachsbarth (CDU), forderte ein Nachdenken über weitere Transporte. Das Bundesumweltministerium und das Bundesamt für Strahlenschutz sollten die rechtlichen Voraussetzungen schaffen, die Castoren in einem anderen Bundesland zwischenzulagern, sagte die hannoversche CDU-Bezirkschefin der Zeitung.

Unterdessen warnt das Bundeskriminalamt einem Bericht des Nachrichtenmagazins Focus zufolge vor massiven Krawallen. Es sei mit "gewalttätigen Handlungen und Sabotageakten" durch Linksextremisten zu rechnen, heißt es in einer Vorabmeldung der am Montag erscheinenden Ausgabe. Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) habe ein hartes Durchgreifen der Polizei und "null Toleranz" angekündigt.

Im Zwischenlager in Gorleben sind zurzeit 102 Atombehälter eingelagert. Aus La Hague werden zum Advent noch weitere elf Behälter erwartet, aus dem britischen Sellafield insgesamt 21 Behälter.

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5.11.2011