Zehn Jahre Netzwerk "Mirjam" für Schwangere in Not

Nachricht 03. Oktober 2011

Hannover (epd). Die ehemalige niedersächsische Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann (CDU) hat die Arbeit des Netzwerks "Mirjam" für Schwangere in Not gewürdigt. Das hannoversche Netzwerk feiert an diesem Donnerstag (6. Oktober) sein zehnjähriges Bestehen."Es gehört viel Idealismus dazu so ein Projekt zu betreiben", sagte Ross-Luttmann dem epd. Die Juristin und Landtagsabgeordnete ist Schirmherrin des Babykörbchens in ihrer Heimatstadt Rotenburg bei Bremen.

Leider seien die Babykörbchen immer noch umstritten, sagte Ross-Luttmann. Kritiker meinten, dass jedes Kind ein Recht habe, seine natürliche Abstammung zu kennen. "Aber jedes Neugeborene hat auch ein Recht auf Leben und das wiegt für mich schwerer." Es sei schrecklich, wenn Mütter aus Verzweiflung ihre Kinder töteten.

"Mirjam" wurde 2001 von der damaligen Bischöfin Margot Käßmann und dem Diakonischen Werk der evangelischen Landeskirche gegründet. Es unterhält neben einem Babykörbchen im evangelischen Krankenhaus Friederikenstift Wohn- und Ausbildungsangebote und auch ein Notruf-Telefon für schwangere Frauen.

Anfang 2008 geriet das Netzwerk in die Schlagzeilen, als ein toter Säugling vor dem Babykörbchen gefunden wurde. Nach einem Gutachten soll die Klappe verzogen gewesen sein. Ein halbes Jahr später wurde ein neues, verbessertes Modell in Betrieb genommen.

Die anfängliche Sorge, dass zu viele Mütter ihre Kinder anonym abgeben würden, sei völlig unbegründet, sagte die ehemalige Ministerin. Seit der Gründung von "Mirjam" wurden zehn Kinder in das Babykörbchen gelegt. Vier Mütter hätten ihre Kinder im Nachhinein wieder aufgenommen. Sechs Kinder wachsen in Adoptivfamilien auf.

Zentrale Anlaufstelle für Schwangere in Not ist die Rufnummer 0800/60 500 40. Jährlich werden rund 200 Anruferinnen rund um die Uhr beraten. Derzeitiger Träger von "Mirjam" ist der Landesverein für Innere Mission. Es wird unterstützt von der Landeskirche und der Diakonie.

Hintergrund: Babyklappen und Babykörbchen


Hannover (epd). Babyklappen oder "Babykörbchen" sind öffentlich zugängliche, geschützte Wärmebetten, in die Frauen anonym ihr Neugeborenes legen und damit zur Adoption freigeben können. Die Mutter muss dafür eine Klappe öffnen. Kurz nach dem Wiederverschließen werden eine Klinik oder Hebammen durch einen Alarm auf das Kind aufmerksam gemacht, so dass sie sich um den Säugling kümmern können.

In Deutschland wurde vor zehn Jahren in Hamburg die erste "Babyklappe" eingerichtet. Derzeit gibt es bundesweit fast 100 Babyklappen, die meist von kirchlichen Einrichtungen getragen werden. Daneben können bundesweit in rund 130 Krankenhäusern anonyme Entbindungen vorgenommen werden. Dabei gibt die Frau ihre Identität nicht preis.

Babyklappen sind umstritten. Eine bundesweit qualifizierte wissenschaftliche Auswertung zu dem Thema gibt es bislang nicht. Eine Studie des Bundesfamilienministeriums wird zum November 2011 erwartet. Unter Fachleuten gehen die Meinungen auseinander, ob Frauen in Not, die ihr Neugeborenes töten würden, durch Babyklappen überhaupt erreicht werden. Auch meinen Kritiker, dass bei den Babyklappen das Recht auf das Wissen um die eigene Herkunft außer acht gelassen werde.

Die Idee der Babyklappe ist alt. Findelhäuser für Waisen gab es schon vor Jahrhunderten, und auch in vielen Klöstern wurden damals schon Babys anonym abgegeben. Papst Innozenz III. ließ gegen Ende des 12. Jahrhunderts verfügen, dass an den Pforten zahlreicher Findelhäuser sogenannte Drehladen angebracht wurden, um Kindstötungen zu verhindern. So sollten es Mütter leichter haben, unerwünscht geborene Kinder geheim abzugeben. Babys konnten in die Vorrichtungen gelegt und in das Gebäudeinnere gedreht werden.


Internet: www.netzwerk-mirjam.de

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3.10.2011