4. April 2011

Nachricht

Mediziner Nagel für eng begrenzte Zulassung von Embryonen-Tests

Hannover/Hamburg (epd). Der Bayreuther Medizin-Professor Eckhard Nagel hat sich für eine strikt auf wenige Erbkrankheiten begrenzte Zulassung von gentechnischen Tests an Embryonen ausgesprochen. "Der unbeschränkte Einsatz der Präimplantationsdiagnostik (PID) ist moralisch nicht verantwortbar und stellt eine Instrumentalisierung des Lebens dar", schreibt er in einem Gastbeitrag der in Hannover und Hamburg erscheinenden "Evangelischen Zeitung". Nagel ist Mitglied im Deutschen Ethikrat gehört zum Präsidiumsvorstand des Deutschen Evangelischen Kirchentages.

Ein generelles strafrechtliches Verbot der PID halte er allerdings für problematisch, erläutert er. Das Strafgesetzbuch sei nicht geeignet, um komplexe Fragen des Lebens zu regeln. "Wir brauchen eine vorsichtige Neuregelung, die Rücksicht nimmt auf die sehr wenigen Einzelfälle." Dazu gehören für Nagel genetische Störungen, die mit dem Leben nicht vereinbar sind, und nicht behandelbare Krankheiten, die kurz nach der Geburt zum Tode führen.

Bei der Präimplantationsdiagnostik werden im Reagenzglas erzeugte Embryonen vor ihrer Einpflanzung in den Mutterleib auf Erbkrankheiten oder Chromosomen-Schäden gentechnisch untersucht. Nur gesunde Embryonen werden übertragen. Der Bundestag wird voraussichtlich im Frühjahr entscheiden, ob die PID erlaubt sein soll.
 
Nagel forderte eine klare Indikationsliste, wie es sie bereits in anderen Bereichen der Medizin gebe. "Die Definition dieser Einzelfälle, bei denen eine PID moralisch gerechtfertigt erscheint, ist eine große Herausforderung und wird stets ein ethisches Dilemma bleiben", schreibt der Direktor des Instituts für Medizinmanagement an der Universität Bayreuth.
 
 
4.4.2011