Castor-Proteste: Stellvertretender Landesbischof Jantzen fordert Energiewende

Nachricht 07. November 2010

Gorleben (epd). Der stellvertretende hannoversche Landesbischof Hans-Hermann Jantzen hat bei einer Kundgebung gegen die Castor-Transporte eine konsequente Energiewende gefordert. Die Atomenergie sei nicht zukunftsweisend, kritisierte Jantzen am Sonntag in Splietau bei Gorleben. Wegen ihres zu hohen Schadenpotenzials sei sie Ausdruck menschlicher Überheblichkeit. "Angesichts eines fehlenden Endlagerkonzepts verletzt der Weiterbetrieb der Kernkraftwerke die grundlegende Pflicht der politischen und wirtschaftlichen Eliten zum Gemeinwohl."

"Weil Gott ein Freund des Lebens ist, dürfen wir nicht zu Feinden des Lebens werden - aber genau das steht hier zur Debatte", mahnte Jantzen laut vorab veröffentlichtem Redemanuskript. Die Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke sei verantwortungslos. "Die Menge des hochradioaktiven Mülls würde um knapp 5.000 Tonnen erhöht, obwohl wir noch kein Endlager haben und schon jetzt größte Probleme mit dem Müll aus Asse II auftreten." Außerdem behindere die Laufzeitverlängerung nach dem Urteil vieler Fachleute die Entwicklung erneuerbarer Energien.

In der Endlagerfrage müsse nach Meinung der Kirchen dringend ein übergreifender gesellschaftlicher Konsens gesucht werden, forderte der leitende evangelische Theologe. "Der lässt sich jedoch nicht finden, wenn allen gegenteiligen Behauptungen zum Trotz bereits eine faktische Vorfestlegung auf Gorleben besteht." Der Lüneburger Landessuperintendent Jantzen leitet als Bischofsvikar übergangsweise die hannoversche Landeskirche, nachdem Bischöfin Margot Käßmann Ende Februar nach einer Autofahrt unter Alkoholeinfluss zurückgetreten war.

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7.11.2010