Ein Fingerabdruck für die Ewigkeit - Deutschlands erste Kongressmesse zu Leben und Tod will Tabu brechen

Nachricht 06. Mai 2010

Bremen (epd). Bis dass der Tod euch scheidet, das muss heute nicht mehr gelten. Wer nicht endgültig loslassen mag, kann seinen verstorbenen Liebsten oder seine Liebste als Diamant gepresst an der Kette um den Hals tragen - ergänzt durch einen Fingerabdruck auf Gold oder Silber, der als Schmuckstück für die Ewigkeit erhalten bleibt. In Bremen zeigt Deutschlands erste Kongressmesse zu Leben und Tod, welche Möglichkeiten es gibt. Mitinitiatorin ist die Vorsitzende des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes, Birgit Weihrauch. Sie hat ein Ziel: "Wir wollen das Thema Sterben und Tod vom Tabu befreien."

Die zweitägige Messe ist ein Forum, in dem Fragen zur Sterbebegleitung genauso offen gestellt werden dürfen wie zum Abschied von Verstorbenen und zur Trauerarbeit. Mit 62 Ausstellern und 41 Vorträgen richtet sie sich nicht nur an das Fachpublikum, sondern auch an Interessierte. In den Gängen treffen sich aber in der Mehrzahl haupt- und ehrenamtliche Fachleute aus der Hospiz- und Altenpflege genauso wie pflegende Angehörige, Seelsorger, Bestatter und Berufsgruppen aus dem Friedhofswesen.

Großer Andrang herrscht vor dem Stand von Alfred Opiolka, der einen Sargladen führt. Der 50-jährige Maler bietet ein Komplettprogramm an: Särge oder Urnen mit passenden Kreuzen, Bildern und Grabsteinen, auf Wunsch stets mit einem Motiv bemalt, immer Ton in Ton. "Mein Anliegen ist es, mit leuchtenden Farben, Blumen und Symbolen dem Thema Tod ein wenig von seiner erdrückenden Schwere und seinem Schmerz zu nehmen", bekräftigt der Künstler aus Kempten im Allgäu.

Wie Birgit Weihrauch plädiert auch er dafür, sich mit dem Tod rechtzeitig zu beschäftigen. Der Gedanke, sich zu Lebzeiten einen Sarg zu ordern, ihn als Wohnmöbel ins Zimmer zu stellen und so in den Alltag zu integrieren, ist für ihn ganz normal. Doch Weihrauch schränkt ein: Viele Menschen könnten nicht einmal mit Trauernden umgehen. "Sie wechseln lieber die Straßenseite, als mit ihnen zu sprechen."

Wie es besser geht, darüber informiert in seinem Vortrag der Bremer Pastor Klaus Dirschauer, der einen "Trauerknigge" im Westentaschen-Format geschrieben hat. "Der Tod wird in Kliniken, Alten- und Pflegeheimen versteckt", hat der 73-jährige evangelische Theologe erfahren. "Viele Leute sind unsicher, wie sie sich Menschen gegenüber verhalten sollen, die von einem Todesfall betroffen sind." 

Das fängt schon bei Kleinigkeiten an. "Kann man den Trauernden eigentlich mit 'Guten Tag' begrüßen?", fragt Dirschauer und gibt auch gleich die Antwort: "Besser ist es, einen Augenblick stehen zu bleiben und dem Gegenüber ohne Umschweife seine Anteilnahme auszusprechen." 

Selbstverständliche Traditionen wie die Kleiderordnung für die Trauerfeier, die kurze Verbeugung vor dem Sarg in der Kirche, der Eintrag ins Kondolenzbuch - diese und andere Rituale sind vielen Menschen fremd geworden. Dirschauer ruft sie wieder in Erinnerung und schlägt eine Brücke zum Messethema. "Es sind Traditionen mit einem tiefen Sinn, die den Umgang miteinander erleichtern und dem Trauernden helfen, wieder ins Leben zurückzufinden."

Internet: www.lebenundtod-bremen.de

epd lnb sel mig/Von Dieter Sell 6.5.2010
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