Käßmann und Wulff würdigen 20-jähriges Bestehen der hannoverschen Hanns-Lilje-Stiftung

Nachricht 13. November 2009

Hannover (epd). Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) und die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann haben am Freitag bei einem Festakt in Hannover das 20-jährige Bestehen der Hanns-Lilje-Stiftung gewürdigt. Die Stiftung habe in dieser Zeit mehr als 1.200 Projekte mit einer Gesamtsumme von fast elf Millionen Euro angestoßen, sagte Wulff laut Redemanuskript. Sie gehöre damit zu den fünf Prozent der größten fördernden Stiftungen in Deutschland.



Die 1989 von der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers gegründete
Hanns-Lilje-Stiftung ist nach dem ehemaligen hannoverschen Landesbischof Hanns Lilje (1899-1977) benannt. Sie startete mit einem Kapital von mehr als 10 Millionen Euro und fördert rund 100 Projekte pro Jahr.



Die Stiftung habe ihren Schwerpunkt von Anfang an auf den Dialog zwischen Kirche, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und Politik gelegt, sagte Wulff. Sie sei ein Vorbild für andere. Auf ihre Initiative gingen 300 neue Stiftungen zurück.



Die hannoversche Landesbischöfin Käßmann sagte, durch die Rückbindung an die evangelische Kirche und die erfolgreiche Dialogfähigkeit sei die Hanns-Lilje-Stiftung einzigartig. Sie unterscheide sich von jeder großen unternehmensnahen Stiftung. Sie habe von Anfang an Brücken gebaut zwischen der Kirche und unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen. Es sei der Stiftung stets darum gegangen, Themen zu hinterfragen und durch die gezielte Förderung von erstklassigen Projekten eigene Akzente zu setzen.



Anlässlich ihres Jubiläums lobt die Stiftung in diesem Jahr erstmals den "Hanns-Lilje-Stiftungspreis: Freiheit und Verantwortung aus." Die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung teilt sich in einen Wissenschaftspreis für Forschungsarbeiten und einen Initiativpreis für beispielhafte Projekte. Sie soll künftig alle zwei Jahre verliehen werden, zum ersten Mal 2011.



In seiner Festrede sagte der Münchener Journalist Heribert Prantl, das kostbarste Kennzeichen eines Gemeinwesens sei das Engagement seiner Bürger. Die Zivilgesellschaft definiere sich über das "gute, kluge, effektive Zusammenwirken von professionellen, aber nicht kommerziellen Wohlfahrtsverbänden und vielen engagierten Ehrenamtlichen".



Zehntausende gesellschaftspolitische Initiativen setzten dort an, wo es der Staat nicht mehr tue. Sie böten Kulturveranstaltungen an, kümmerten sich um
Ausbildungsplätze für Jugendliche oder leisteten Hausaufgabenhilfe für ausländische Kinder: "Die Ehrenamtlichen sind die Unbezahlbaren dieser Gesellschaft", sagte Prantl, der die innenpolitische Redaktion der "Süddeutschen Zeitung" leitet.



Negativ anzumerken sei aber die zunehmende Tendenz des Sozialstaates, sich auf private Initiativen zu verlassen. Das private Engagement der Bürger könne schon deswegen kein Ersatz sein, weil die Wirtschaftskrise auf die Bürger als Spenden- und Finanzierungskrise durchschlage: "Der Staat hat seine Pflicht zu erfüllen, privates Engagement ist die Kür", betonte der promovierte Jurist.



epd lnb mil mig / 13.11.2009

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